Der M-Lokus: Merle beim Hund

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Bunte Hunde sind nett anzusehen. Und kaum ein anderer Faktor macht einen Hund bunter als Merle. Merle ist deshalb eine der beliebtesten Fellzeichnungen bei Hunden.

Merle ist allerdings züchterisch mit gewissen Risiken verbunden, was leider immer noch nicht jedem Hundehalter klar zu sein scheint.

In den letzten Jahren hat sich einiges getan, um die Hintergründe und Unterschiede zwischen verschiedenen Merle-Fellzeichnungen zu erforschen. Nur leider haben es diese bahnbrechenden Erkenntnisse bis jetzt noch nicht in die breite Öffentlichkeit geschafft.

Man weiß mittlerweile, dass man die bisher verwendeten Allele „M“ (Merle) und „m“ (Nicht-Merle) viel detaillierter aufteilen und so viele der verschiedenen Ausprägungen von Merlle besser erklären kann:

m, Mc, Mc+, Ma, Ma+, M, Mh.

Ich lege jedem Züchter von Hunden mit Merle nahe sich mit den neuen Forschungsergebnissen rund um die neuen Merle-Allele zu beschäftigen:  Hier geht’s zur Studie (engl.), hier zur Infoseite von Mary Langevin (engl.), und hier findest Du eine deutsche Infosseite.

Update 2020 (Danke für den Hinweis an Dr. med. Claudia Hahn!):
Das eBook „Merle – SINE insertions from Mc to Mh“ kann man jetzt auch auf Deutsch ordern!

Mittlerweile gibt es endlich auch eine deutsche Facebookgruppe zum Thema:
Merle-Muster bei Hunden

Hier findest Du nochmal alle Grundlagen der Genetik und Vererbung der Fellfarben.

Hier findest Du den Beitrag über die Pigmenttypen Eumelanin und Phaeomelanin.

Hier geht’s zur Übersicht über alle Fellzeichnungen und -farben

Was ist Merle? Was passiert bei Merle?

Viele Hunde haben in ihrer Fellzeichnung einen gewissen Anteil an dunklem Eumelanin (Pigment in schwarz, braun, blau oder lilac).

Eine Merlezeichnung sorgt dafür, dass dieses Pigment in zufälligen Bereichen verdünnt wird. Zurück bleibt bei der klassischen Merlezeichnung ein Fleckenmuster aus verdünnten Bereichen und Platten in der ursprünglichen Farbe.

Auf das rötliche Phaeomelanin (bei Hunden mit Tanmarken, Zobel oder rezessivem Gelb) hat Merle so gut wie keinen Effekt.

Zwei Shelties in Black-Tri. Links mit Merle, rechts ohne Merle.

Merle betrifft alle Bereiche mit Eumelanin an einem Hund, seien es die dunklen Streifen in einer Stromung, eine dunkle Maske oder den dunklen Sattel bei einer Sattelzeichnung. Auch die dunkle Wolkung bei Zobel und Agouti ist von Merle betroffen. Merle nimmt dabei immer etwas von der dunklen Färbung weg.

Merle präsentiert sich darüber hinaus nicht immer nur im klassischen Tüpfelmuster. Je nach Allel-Kombination kann sich Merle auch mit einzelnen verdünnten oder weißen Platten, einem sticheligen Verdünnungsmuster oder in einer Aufhellung ganz ohne markante Tüpfel zeigen.

Verstecktes Merle

Wenn ein Hund kein oder wenig Eumelanin im Fell hat oder dieses nur schlecht erkennbar ist, dann kann man Merle nicht im Phänotyp sehen. Gleiches Problem besteht bei Hunden mit extremer Weißscheckung.

Ohne Eumelanin keine sichtbare Merlezeichnung!

Extremschecken, Zobel und rezessives Gelb: Diese Phänotypen verstecken Merle!
Blaue Augen werden nicht immer von Merle verursacht und sind kein zuverlässiges Anzeichen.
Sable-Merle ist oft nur im dunkel gewolkten Welpenfell sichtbar. Verschwindet das Eumelanin im Erwachsenenfell (Clear Sable), ist auch Merle nicht mehr sichtbar!

Verwechslungsgefahr

Sehr dichtes Ticking lässt sich für ungeübte Augen leicht mit Merle verwechseln.

Links „tüpfeliges“ Black-Tri-Merle auf aufgehelltem Untergrund bei einem Koolie. Rechts braune Mottles auf pigmentlosem Untergrund bei einem Heeler-Mix in Braun-Tri.

Und auch „Muddy Merle“ oder „Atypisches Merle“ können durchaus von Weitem bei manchen Hunden aussehen wie eine Farbverdünnung oder ein progressiv ergrauter Hund.

Links: Merle. rechts: Blaue Dogge

Merle auf verschiedenen Farben und Fellzeichnungen

Merle kann sich in allen Fellzeichnungen zeigen, in denen Eumelanin vorkommt.

Der Effekt aufs Fell kann dabei von einer dilute-ähnlichen Aufhellung (Muddy Merle) hin zum klassichen Tüpfelmuster bis hin zu Bildung von großen Farbplatten (Tweed, Herding Harlequin) reichen.

Unglaublich viele Bilder findest Du auf der englischen Infoseite „Dog Coat Colour Genetics„.

Hier kannst Du sehen, dass sich Merle ganz unterschiedlich zeigen kann:

Bei Tanmarken + Merle bzw. Tricolor + Merle erkennt man gut, dass das Phaeomelanin nicht betroffen ist:

Auch Masken sind von Merle betroffen. Oft ist nur an den dunklen Pünktchen über dem Phaeomelanin, das eigentlich von der Maske bedeckt wäre, zu erkennen:

Merle kann theoretisch auch mit Dilute kombiniert sein. Die dunklen Bereiche sind dann eben blau oder lilac.

Was ebenfalls bei eingen Merle-Phänotypen oft vorkommt, sind so genannte „Dilute Spots„. Hier findet man neben den verdünnten und nicht verdünnten Bereichen auch noch Bereiche, die ein Zwischending bilden und aussehen, als ob hier eine weitere Farbe mitmischen würde. Mit echtem Dilute (d/d) hat das aber nichts zu tun.

Die Augenfarbe ist bei gemerlten Hunden oft ebenfalls betroffen. Ganz typisch sind unterschiedlich gefärbte Augen:

Doggenharlekin

Bei der Deutschen Dogge gibt es einen Phänotyp, der sich nur in Kombination mit Merle zeigen kann, aber durch einen anderen Genlokus verursacht wird. Hier findet man im Phänotyp fast keine aufgehellten Bereiche mehr. Stattdessen bilden sich schwarze Platten auf weißem Untergrund.

Schuld daran ist eine Mutation auf dem H-Lokus exklusiv bei Deutschen Doggen. Harlekin ist eine Modifizierung von Merle, die separat vererbt wird. Ohne Merle wird Harlekin nicht sichtbar!

H – Doggenharlekin
h – Kein Harlekin

  • Hunde mit h/h + Merle sind normal gemerlte „Grautiger“.
  • Hunde mit H/h + Merle prägen Harlekin aus.
  • Hunde mit H/H werden ungeachtet ihres Merle-Status bereits im Mutterleib resorbiert und nicht ausgetragen. Bei der Verpaarung von zwei Harlekin-Trägern ergibt das eine durchschnittlich geringere Wurfgröße, da jeder Welpe eine Chance von 25 % hat reinerbig für diesen Letalfaktor zu sein.

Jeder Hund mit sichtbarem Doggenharlekin is daher MmHh.

Hochgradig fragwürdig bei der Zucht von gefleckten Doggen ist, dass Merle lange Zeit keine anerkannte Farbe in der FCI-Zucht war. Diese normal gemerlten „Grautiger“ sind allerdings gar nicht zu vermeiden, wenn man den gewünschte modifizierten Harlekin-Phänotyp anstrebt (und diese unvermeidbaren Welpen wurden vermutlich vor nicht allzu langer Zeit noch von einigen Züchtern direkt nach Geburt entsorgt)….

Erst seit 2012 (!) wurde der Grautiger deshalb endlich von einer „disqualifizierten“ zu einer „unerwünschten“ Farbe angehoben, so dass man jetzt ganz regulär mit diesen Hunden züchten darf und sich nicht mehr zwangsweise zwischen unerwünschten Welpen oder kleinen Wurfgrößen entscheiden muss.

Allerdings wurde auch prompt darauf beschlossen, dass Grautiger auf Ausstellungen bitte keinen Blumentopf gewinnen dürfen und „nur zur Erweiterung des Genpools“ zugelassen werden . Aha.

Auszug aus dem FCI-Standard (2012): „Grautiger (diese haben bei schwarzer Fleckung eine überwiegend graue Grundfarbe) kommen vor, sind nicht erwünscht, werden aber auch nicht disqualifiziert.

Es ist durch das Kuhfleckenmuster teilweise an Bildern nicht ganz einfach einen echten Harlekin von einem weißgescheckten Hund zu unterscheiden, wenn dieser keinerlei grau-gefleckte Merle-Patches aufweist . Andersherum kann ein Harlekin unter seiner Musterung auch nicht nur (wie züchterisch angestrebt) einfarbig schwarz sein.

Auch Zobel-Merle, Brindle-Merle, etc. sind in Kombination mit Harlekin möglich und führen dann zu „Fawnequin“ oder „Brindlequin“. Ist eine Harlekin-Dogge gleichzeitig ein Weißschecke, kann sich neben den Harlekinplatten in den unpigmentierten Bereichen auch Ticking zeigen.

Merle und Gesundheitsrisiken

Merle ist mit gewissen gesundheitlichen Problemen assoziiert.

Jeder kennt das „Double-Merle-Syndrom„, bei dem ein zu starker Pigmentverlust zu Missbildungen an Augen und Innenohr führen kann. Hunde in „Double Merle“ sind oft großflächig Weiß, ein- oder beidseitig taub und in schlimmen Fällen obendrein noch blind.

Weitere Krankheitssysmptome wie eine allgemeine Immunschwäche, Organleiden oder verminderte Lebensfähigkeit kommen bei Double-Merle oft vor, werden aber nicht durch Merle selbst verursacht!

Diese Symptome korrelieren deshalb indirekt mit Double-Merle, weil bei der Produktion solcher Hunde in Hobbyzuchten und Vermehreranlagen meist Zuchttiere mit fraghafter Abstammung verwendet werden. Oftmals findet man hier extreme Inzuchtverpaarungen (Geschwister, Elter-Kind), die neben dem Merle auch weitere Erbdefekte im Nachwuchs anhäufen. Double Merle ist kacke für den Hund, aber kein Letalfaktor!

Verpaarungen, bei denen man Hunde mit diesem Krankheitsbild willentlich produziert, gelten als „Qualzucht“ und sind deshalb in Deutschland verboten! Leider ist wie gesagt die Problematik nicht jedem Besitzer eines bunt getupften Hundes klar, so dass es immer wieder zu diesen Vorfällen kommt.

Manchmal ist es auch schlichtweg Fahrlässigkeit (wer zwei unkastrierte Merles im Haushalt hält, kann gar nicht genug aufpassen) oder Unkenntnis über die Risiken. Außerdem prägt nicht jeder potentielle Zuchthund mit Merle die offensichtliche Fellzeichnung im Phänotyp aus („verstecktes Merle„unter extremer Weißscheckung, Zobel oder rezessivem Gelb oder „minimales Merle“ mit wenigen Merle-Patches).

Merle ist zudem eine Modefarbe, die sich leicht vermehren und gut verkaufen lässt.

Da bleiben bei Produzenten von Wühltischwelpen und reinen Farbzuchten wichtigere Kriterien wie Gesundheit und züchterische Fortbildung und Planung schon mal bewusst auf der Strecke…

Und bei vielen Liebhabern von Hunderassen, in denen in verbandsfreien Hobbyzuchten Merle erst jüngst eingeschleust wurde (Spitze, Frenchie, Yorkie, Designerhybride, …) ist die Problematik gar nicht bekannt und viele der Vermehrer in den einschlägigen Kleinanzeigenportalen gehen erschreckend naiv an die Sache ran.

Der „normale“ Merle-Phänotyp ist im Vergleich harmlos, geht aber auch schon mit gewissen Risiken einher.

Einerseits scheint auch schon bei der klassischen Merlezeichnung das Risiko für Taubheit erhöht (diese tritt oft einseitig auf und bleibt ohne Hörtest unbemerkt).

Und natürlich leidet jeder Hund mit Pigmentmangel an einer erhöhten Hautsensibilität (Sonnenbrandgefahr, Hautkrebsrisiko). Insgesamt scheint auch eine gegenseitige Interaktion von Merle mit Weißscheckung nicht ausgeschlossen, so dass Merle zusätzlich zur Pigmentverdünnung auch die Ausdehnung einer Weißscheckung beeinflussen könnte.

Auch das Nasenpigment bleibt von Merle oft nicht verschont. Bei manchen Hunden färbt sich die Nase bis ins Erwachsenenalter noch dunkel, bei anderen bleibt eine empfindlichere pinke Nase erhalten.

Die Funktionsweise von Merle

» Viele der neuen Erkenntnisse zu Merle beim Hund verdanken wir einer öffentlich zugänglichen Studie aus 2018. Ich lege jedem Züchter von Hunden mit Merle sehr ans Herz sich dieses neue Wissen anzueignen!

Die Initiatorin und Mitautorin dieser Studie Mary Langevin hat alle Infos zusätzlich für die Öffentlichkeit aufbereitet und bietet ein eBook zum Thema an. Bislang ist die Information nur auf Englisch verfügbar, Übersetzungen sind aber bereits geplant.

Update 2020 (Danke für den Hinweis an Dr. med. Claudia Hahn!):
Das eBook „Merle – SINE insertions from Mc to Mh“ gibt`s jetzt auch auf Deutsch!


Die Erlöse für das eBook fließen dabei in weitere Erforschung der Thematik und helfen dabei die Kosten für Merle-Gentests zu decken: Merle – SINE Insertion from Mc – Mh

Hier findest Du die englische Facebook-Gruppe zum Thema:
Merle – SINE Insertion from Mc to Mh – The Incredible Story of Merle

Und hier geht`s zur deutschen Facebook-Gruppe:
Merle-Muster bei Hunden

Was wir momentan über Merle wissen:

Ob ein Hund Merle ist oder nicht, entscheidet sich am M-Lokus. Hier liegt das Gen für „premelanosome protein“ (PMEL). Dieser Genlokus wird gelegentlich noch veraltet als Silver-Locus (SILV) bezeichnet.

PMEL findet man in den Pigmentzellen. Dort spielt es eine kritische Rolle für die Produktion von Eumelanin.

Pigmentzellen (Melanozyten) findet man u.a.  in Haut, Haaren, Augen und Innenohr.

Pigmentmoleküle werden nicht einfach einzeln an Haut und Haare weitergegeben. Pigment wird stattdessen in Melanosomen verpackt weitergereicht.

Diese Melanosomen kann man sich als membranumhüllte „Pigmentkörnchen“ innerhalb der Pigmentzellen vorstellen, in denen Pigment gebildet und in mehrlagigen Schichten verpackt wird, bevor das reife Melanosom die Pigmentzelle verlässt.

PMEL ist an der Pigmentbildung, am Aufbau der inneren Feinstruktur und der Reifung von Eumelanosomen beteiligt. Ohne PMEL reifen die Eumelanosomen nicht richtig heran und Eumelanin kann nicht richtig gebildet und verteilt werden .

Eine SINE-Insertion in PMEL verursacht den Merle-Phänotyp

Bei Hunden mit Merle findet man im PMEL-Gen eine SINE-Insertion. SINE sind „Short Interspersed Nuclear Elements„, also ein kurzes Stück Fremd-DNA, das dort eigentlich nicht hingehört.

SINE sind keine Seltenheit, sie tragen zur genetischen Diversität im Genom von u.a. Menschen und Hunden bei. Die meisten SINE haben dabei gar keinen Effekt bzw. richten keinen Schaden an. Einige SINE können aber durchaus zu einer veränderten Merkmalsausprägung führen.

Das SINE im PMEL-Gen ist für die Merlezeichnung verantwortlich, denn es kann dafür sorgen, dass nicht mehr ausreichend funktionales PMEL produziert werden kann.

Bis vor Kurzem wurde mit einem Gentest für Merle einfach nur nachgeschaut, ob ein Hund ein SINE auf seinem M-Lokus hat oder eben nicht. Mehr als die bislang verwendeten Allele M (Merle) oder m (Kein Merle) gab es nicht. Damit lassen sich aber nur drei Phänotypen erklären (Merle, Nicht-Merle, Double-Merle).

Veraltete Erklärung für Merle

Allerdings lässt sich mit nur zwei Allelen nicht die Fülle an verschiedenen Ausprägungen für Merle erklären.

Denn auch Hunde, bei denen man ein SINE nachweisen kann, bilden trotz Genotyp M/m nicht immer die typische Fleckenzeichnung aus. Andersherum gab es nach dem alten System auch Hunde mit dem Genotyp M/M ohne Double-Merle-Syndrom.

Das alte Erklärungssystem mit nur zwei Allelen ist einfach nicht feinräumig genug, um Merle für Züchter berechenbar zu machen!

Es gibt mehr als nur ein Merle-Allel

Mittlerweile weiß man etwas mehr darüber, wie genau Merle funktioniert!

Das SINE in PMEL besteht aus einem Anfang, einem Mittelstück und einem langen repetitiven Endstück. Dieses lange Endstück („Poly-A-Tail) kann bei verschiedenen Hunden unterschiedlich lang sein.

Je länger der Poly-A-Tail, desto wahrscheinlicher passiert ein Fehler beim Ablesen des Bauplans für PMEL und desto wahrscheinlicher wird eine Pigmentmangel im Phänotyp.

Klappt das Ablesen, kann Pigment normal produziert und in Melanosomen eingelagert werden. Geht das Ablesen schief, führt das u.U. zu einer Aufhellung oder der merletypischen Fleckenbildung.

Es reicht also nicht einfach nur zu testen, ob ein Hund die SINE-Insertion hat oder nicht. Die Länge des SINE ist entscheidend für den Phänotyp.

Man findet am M-Lokus folgende Allele, die verschiedene Längen der SINE-Insertion (gemessen in Basenpaaren bp) widerspiegeln.

m – Keine SINE-Insertion, Nicht-Merle
Mc (200-230 bp) – Cryptic Merle
Mc+ (231-246 bp) – Cryptic Merle+
Ma (247-254 bp) – Atypical Merle
Ma+ (255-264 bp) – Atypical Merle+
M (265-268 bp) – Merle
Mh (269-280 bp) – Harlekin-Merle

Diese Grenzen der neuen Allele am M-Lokus wurden bewusst so gewählt, dass man durch die Fülle an kombinierten Genotypen (z.B. Ma+/Mc+) alle der möglichen Phänotypen und die graduellen Abstufungen von Merle erklären und voraussagen kann.

Krypisches Merle (Mc) meint hierbei „Keine Ausprägung im Phänotyp„. Der Begriff wird im Sprachgebrauch oft verwechselt mit „verstecktem Merle“ (=“Merle nicht sichtbar wegen ee oder Piebald„) und minimalem Merle („Nur sehr kleine Merle-Patches an einem sonst normal gefärbten Hunde„).

Merle wird unvollständig dominant vererbt. Das bedeutet, dass man im Phänotyp eine Kombination aus beiden Allelen eines Hundes sieht.

Ich kann hier leider nicht alle der möglichen Kombinationen und ihren Einfluss auf den Phänotypauflisten. Ich empfehle hier nochmal das eBook von Mary Langevin und verweise auf die bebilderte Erklärung der neuen Erkenntnisse zum Merle-Genotyp der Sheltie-Züchterin Jana Westerveld.

Insgesamt lassen sich mit dem neuen System viele Ungereimtheiten erklären:

Bei Genotypen wie Mc/m kann die SINE-Insertion zwar nachgewiesen werden, diese Hunde bilden aber keinen Merle-Phänotyp aus und verhalten sich züchterisch wie nicht-gemerlte Hunde. Bei dem Genotyp Mc/Mc handelt es sich also um einen genotypischen Double-Merle, im Phänotyp sieht man wenig bis nichts davon.

Andersherum hat man weitere Genoytpen als das gefürchtete „M/M“ nachgewiesen, bei denen durch eine ungünstige Allel-Kombinatiuon das Risiko für einen Pigmentverlust sowie Probleme beim Hör- und Sehsinn ansteigt.

Hier mal die möglichen Allelkombinationen, alle bislang bekannten Genotypen mit Risiko für ein „Double-Merle-Syndrom“ in roter Schrift:

Ebenfalls mit dem neuen System lässt sich der seltene Umstand erklären, bei dem aus zwei phänotypisch nicht gemerlten Hunden Nachwuchs mit Merle fallen kann. Nach dem alten Erklärmodell war das undenkbar.

Hier ist man bislang immer davon ausgegangen, dass eins der Elterntiere ein versteckter Merle oder ein Merle mit minimaler Ausprägung sein müsste. Mittlerweile weiß man dank der jüngsten Erkenntnisse, dass z.B. Hunde mit Ma/m nicht unbedingt einen Merle-Phänotyp ausprägen. Aber zusammen können zwei solcher Hunde bunt gemerlte Welpen mit Ma/Ma produzieren.

Bevor man mit dem Vertreter einer Hunderasse züchtet, bei der Merle vorkommen kann, sollte man diesen unbedingt testen lassen! Das genaueste Ergebnis liefern momentan die Tilia Laboratories in Tschechien (Merle findest Du ganz unten auf der Produktseite).

Andere Labore sind noch nicht in der Lage die genaue Länge der SINE-Insertion festzustellen und können nur das altbekannte Ergebnis mit M oder m liefern.

Auch Mosaikgenome wie m/[Ma]/M sind möglich, da sich SINE instabil verhält und bei Zellteilungen während der frühen Embryonalentwicklung eingekürzt werden kann.

Dadurch können sich verschiedene Zelllinien bilden, bei denen Zellen in manchen Hautarealen noch den originären Genotyp (z.B. m/M) tragen und andere die eingekürzte Version (z.B. m/Ma). Das kann zu verfälschten Ergebnissen bei einem Gentest nur anhand von Haarproben einer einzelnen Körperstelle führen.

Und es erschwert zusätzlich einfach nur am Phänotyp abzulesen, ob und welches Merle ein Hund vererben wird!

Das Zufallsmuster bei Merle ergibt sich aus der Stabilität der Allele mit langen SINE.

Viele der Merle-Kombi-Genotypen sorgen für eine mehr oder weniger gleichmäßige Aufhellung. PMEL scheint hier am ganzen Körper mit relativ gleicher Wahrscheinlichkeit gebildet werden zu können.

Die längeren SINE (M, Mh) scheinen instabiler zu sein, so dass ablesen des Bauplans von PMEL eher nach dem „Ganz-oder-gar-nicht-Prinzip“ funktioniert und für auffällige Tüpfel- und Patchworkmuster sorgt: In manchen Hautarealen gelingt die Produktion von PMEL (dunkle Platten), in anderen nicht so gut (verdünnte Bereiche) oder bei manchen sogar gar nicht mehr (weiße Bereiche).

Quellen

[1] Langevin M, Synkova H, Jancuskova T, Pekova S (2018) Merle phenotypes in dogs – SILV SINE insertions from Mc to Mh. PLoS ONE 13(9): e0198536. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0198536

[2] OMIA – ONLINE MENDELIAN INHERITANCE IN ANIMALS: Coat colour Merle in Canis lupus familiaris

[3] Leigh Anne Clark, Kate L.Tsai, Alison N. Starr, Keri L. Nowend, Keith E. Murphy; A missense mutation in the 20S proteasome β2 subunit of Great Danes having harlequin coat patterning; Genomics Vol. 97(2011); https://doi.org/10.1016/j.ygeno.2011.01.003