Gesichtsmasken beim Hund

[Werbung] Bei den Shoplinks auf HundeFunde handelt es sich um sogenannten Affiliate-Links: Ich bekomme eine Provision, wenn ihr auf einen Link klickt und etwas kauft. Für Euch ändert sich nichts! Und noch ein Hinweis: Hier eingeblendete Produktinformationen können sich seit der letzten Aktualisierung beim Anbieter geändert haben.

Es gibt viele Hunderassen, bei denen eine dunkle Gesichtsmaske absolut üblich ist, z.B. Afghane, Mops, Boxer, DSH, Mali, Bullmastiff oder Bernhadiner. Aber auch bei Mischlingen und Hunden mit anderen Fellzeichnungen als Zobel kann eine dunkle Maske vorkommen.

Hier findest Du Informationen rund um die Vererbung und Optik von Masken bei Hunden.

Du willst mehr über Fellfarben beim Hund lernen?

Hier findest Du nochmal alle Grundlagen der Genetik und Vererbung der Fellfarben. Der Beitrag über die Pigmenttypen erklärt die Begriffe Eumelanin und Phaeomelanin. Und hier entlang geht’s zur kompletten Übersicht über alle Fellzeichnungen und -farben

Das Buch zum Thema:
Die Genetik der Fellfarben beim Hund
Das wohl umfassendste Nachschlagewerk über die Fellfarben beim Hund, ihre Vererbung und gesundheitliche Aspekte mit über 1000 Farbfotos und vielen detaillierten Beschreibungen!



Genetik der Gesichtsmaske beim Hund

Bei einer melanistischen Gesichtsmaske bildet der Hund eine dunkel pigmentierte (Eumelanin) Maske auf ansonsten rötlich pigmentiertem (Phaeomelanin) Fell.

Das Gen, das für die dunkle Gesichtsmaske der meisten Hunde verantwortlich, liegt am Extension-Lokus oder kurz E-Lokus. Verschiedene Genvarianten („Allele“) in der Serie des E-Lokus entscheiden darüber, ob und in welchem Ausmaß der Hund überhaupt dunkles Eumelanin produzieren kann.

Schauen wir uns mal die verschiedenen Allele am E-Lokus an:

  • Em: Gesichtsmaske
  • E: Wildtyp, kann Eumelanin produzieren
  • (ex, eg, eh: Grizzle, Domino, spezielle Zeichnungen v.a. bei WIndhunden und nordischen Hunderassen)
  • e: Verhindert die Produktion von Eumelanin

Die Dominanzfolge lautet Em > E > ex, eg, eh > e.

Da Em (Emask) also dominant gegenüber allen anderen Allelen der E-Serie ist, reicht schon eine Kopie, um den Masken-Phänotyp auszubilden. Bei Hunden ohne Em fehlt die Maske (außer in bislang nicht erklärbaren Sonderfällen).

So sähen die häufigsten Kombinationen bei einem ansonsten zobelfarbenen Hund (ky/ky Ay/-) aus:

Das gilt zumindest für die meisten Hunderassen mit Maske. Es gibt allerdings viele Ausnahmen und Sonderfälle, bei denen ein Hund trotz Em-Allel keine nennenswerte Maske ausbildet. Andersrum gibt es Hunde mit deutlicher Maske, bei denen man Em nicht nachweisen kann.

Wie sieht eine Gesichtsmaske beim Hund aus?

Em wird gelegentlich auch als „Schwarzmasken-Faktor“ oder „melanistische Maske“ bezeichnet.

Richtig ist: Die Maske wird beim Hund durch Eumelanin pigmentiert.

Deshalb hat die Maske immer die Farbe, die das Eumelanin eines einzelnen Hundes haben kann: Schwarz, Blau, Braun oder Lilac (Die genaue Farbe der Maske hängt also vom B-Lokus und D-Lokus ab).

Natürlich hebt sich eine schwarze Maske sehr viel kontrastreicher von einem tanfarbenen Untergrund ab als die anderen Farbtöne.

Denn sichtbar ist eine Maske überhaupt nur dann, wenn ein Hund darunter eine hellere tanfarbene Fellzeichnung hat (die Ausprägung einer Maske hängt also auch von den Allelen am A-Lokus und K-Lokus ab):

Masken sind also überhaupt nur auf Hunden mit Zobel (Ay), Agouti (aw) oder Tanmarken (at), jeweils mit oder ohne Stromung (kbr), sichtbar.

Die Maske überlagert dabei die Tan-Fellzeichnung. Hier zum Beispiel mal zwei Hunde in Black-Tri, einer mit und einer ohne Maske. Die Maske beim Hund rechts überdeckt die Augenbrauen und Wangenflecken und dehnt sich soweit aus, dass die verbleibenden Tanmarken verwaschen aussehen:

Wenn nur Eumelanin im Fell eines Hundes sichtbar ist, kann man eine Maske in der gleichen Farbe natürlich nicht erkennen! Das gilt für dominantes Schwarz (KB/-) ebenso wie für rezessives Schwarz (ky/ky a/a).

In anderen Worten: Auf einem schwarzen Hund ist eine schwarze Maske nicht sichtbar!

Und auch bei sehr dunkler Stromung, sehr dunkler Fellschattierung oder Zufallsmustern wie Merle kann man die Grenzen einer vorhandenen Maske nicht immer gut erkennen.

Schau dir zum Beispiel mal diesen sehr dunkel gestromten Boxer an. Er hat so viel schwarze Streifen in seinem Fell, dass man die schwarze Maske nicht auf den ersten Blick erkennt:

Bei Bernhadinern oder einigen Boder Collies kann man auch sehr schön erkennen, dass Weißscheckung eine vorhandene Maske verdecken kann. Bei einem Hund mit viel Weiß am Kopf kann die Maske fast oder sogar komplett durch Weiß abgedeckt sein.

Oft erkennt man aber noch an den Rändern einer Blesse, dass sich darunter eine Maske verbergen könnte:

Nicht verwechseln darf man eine melanistische Maske mit dunkler Hautpigmentierung im Gesicht.

Besonders bei Französischen Bulldoggen und anderen Brachyzephalen findet man um die Nase herum oft ausgedehnte dunkle Hautflecken und sehr dünnes Haar.

Das erweckt selbst bei Hunden mit e/e oder Weißschecken manchmal den Eindruck der Hund hätte eine Maske, obwohl die Haare selbst gar nicht dunkel pigmentiert sein können:

Die Ausdehnung von Gesichtsmasken beim Hund

Die genaue Größe einer Maske reicht von minimal („gerade so um die Nase sichtbar„) zu einer Lippenumrandung, Augenflecken, voller Gesichtsmaske und kann sogar über das Gesicht hinaus das Fell des Hundes dunkler färben.

Hunde mit Tanmarken, die rezessives Schwarz tragen (at/a), haben gelegentlich kleinere Marken und einen dunklen Schimmer um die Nase. Das kann dann auch ganz ohne Em wie eine Maske aussehen.

Welche Kriterien noch eine Rolle für die Ausprägung einer Maske spielen, weiß man nicht genau.

Aber man weiß, dass weitere genetische Faktoren einen Einfluss auf die Maske haben. Denn in vielen Hunderassen mit klassischer Gesichtsmaske kann man eine Häufung von besonders kleinen oder besonders großen Masken bei nah verwandten Tieren beobachten.

In extremen Fällen kann die Maske so ausgedehnt sein, dass sie auch die Vorbrust oder sogar den Rücken des Hundes dunkel einfärbt.

Leicht zu erkennen ist das über klar umrissenen Tanmarken. Manchmal kann man nur noch am Tan der Hinterbeine sehen, dass ein Hund eigentlich nicht komplett Schwarz ist, sondern ohne Maske eigentlich eine Fellzeichnung mit Tan hätte:

Auch bei vielen zobelfarbenen Hunderassen mit Maske kann man weit ausgedehnte Masken beobachten, z.B. bei DSH, Malinois, Leonberger oder Bernhadiner.

Da diese Hunderassen i.d.R. zusätzlich stark dunkel schattiert/gewolkt sind, kann man von außen oft nicht erkennen, wo genau die Grenze der Maske verläuft.

Was man bei diesen Hunden allerdings beobachten kann, wenn sie gleichzeitig Weiß im Fell haben, ist eine Anlagerung von schwarzem Pigment rund um die Ränder ihrer Platten.

Dieses „Watermarking“ scheint zumindest auffällig oft mit der Ausprägung eine Maske einher zu gehen.

Hier findest Du einen Beitrag über Watermarking beim Silken Windsprite.

Gesichtsmasken bei Welpen

Noch ein Punkt, den man noch nicht genau erklären kann, sind Welpenmasken.

Viele zobelfarbene Welpen haben nur in den ersten Lebenswochen eine deutliche Gesichtsmaske, die dann beim Wechsel zum Erwachsenenfell ausbleicht oder sogar ganz verschwindet.

Bei manchen Welpen beginnt die Welpenmaske schon mit wenigen Lebenswochen auszubleichen. bei anderen Hunden dauert es Monate bis sie verschwunden ist.

Man kann diese Welpenmasken oft nicht von echten durch Em verursachte Masken unterscheiden und muss einfach abwarten wie sich die Zeichnung entwickelt.

Gesichtsmasken und Merle

Eine interessante Optik findet man bei Hunden, die eine Maske und gleichzeitig eine Merle-Zeichnung haben (Em/- ky/ky M/-).

Merle führt in einem Zufallsmuster zu Pigmentaufhellung ausschließlich im Eumelanin der Maske und nie in den tanfarbenen Abzeichen. Die Merlezeichnung kann die Maske so durchsichtig machen, dass man die „darunter liegende“ Lohfarbe erkennt.

Der Extension-Lokus

Am E-Lokus auf Chromosom 5 befindet sich das MC1R-Gen, das den Bauplan für einen Rezeptor in der Wand der Pigmentzellen enthält.

Durch diesen Rezeptor kann die Pigmentzelle Signalstoffe von außen wahrnehmen, die ihr mitteilen, welche Art von Pigment sie herstellen soll: Eumelanin oder Phaeomelanin.

Dieses „Pigment-Type-Switching“ ist im Detail ein bißchen komplizierter und das Ergebnis aus einem Zusammenspiel von E-Lokus, A-Lokus und K-Lokus.

Bei räumlichen Farbmustern wie einer Maske lässt sich noch nicht ganz erklären, warum eine Mutation sich nur auf einen Teil des Hundekörpers auswirkt.

Die Autoren der Studie, die das Em-Allel das erste Mal nachgewiesen haben[3], konnten den Effekt auch nicht komplett erklären. Sie gehen davon aus, dass die Empfindlichkeit von MC1R sich ohnehin in verschiedenen Körperbereichen unterscheidet und die Em-Mutation diesen Effekt nur stärker hervortreten lassen könnte.

Quellen

[1] http://www.doggenetics.co.uk/masks.html#masks

[2] https://www.centerforanimalgenetics.com/de/leistungen/gentests-fuer-hunde/aussehen-des-hundes/em-locus-melanistic-mask/

[3] S. M. Schmutz, T. G. Berryere, N. M. Ellinwood, J. A. Kerns, G. S. Barsh, MC1R Studies in Dogs With Melanistic Mask or Brindle Patterns, Journal of Heredity, Volume 94, Issue 1, January 2003, Pages 69–73, https://doi.org/10.1093/jhered/esg014