Seal und Ghost-Tan: Transparente Fellzeichnungen

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Bei manchen Hunden gibt es eine sehr spezielle Fellzeichnung, die so aussieht, als ob eine eigentlich einfarbig schwarze Decke nicht mehr für eine vollständige Abdeckung der darunter verborgenen Fellzeichnungen sorgt.

Im richtigen Licht scheint der Hund bronzefarben zu glänzen oder man kann Tanmarken in seinem Gesicht erahnen, die da eigentlich gar nicht sichtbar sein sollten.

Hier findest Du nochmal alle Grundlagen der Genetik und Vererbung der Fellfarben.

Hier findest Du den Beitrag über die Pigmenttypen Eumelanin und Phaeomelanin.

Hier geht’s zur Übersicht über alle Fellzeichnungen und -farben

Was ist Seal?

Seal ist eine etwas kurioses Fellzeichnung, bei der eigentlich schwarze oder braune Hunde im richtigen Licht golden oder bronzefarben erscheinen. Bei langhaarigen Hunden sieht es aus, als ob der Hund an Wirbeln, Schultern und Befederung goldene „Highlights“ hätte.

Man weiß bislang nicht, was Seal beim Hund verursacht.

Seal macht in einigen Bereichen sichtbar, welche Muster der Hund unter seiner dunklen Decke trägt. Bei Hunden mit Seal versagt die schwarze Abdeckung und wird durchsichtig. So zumindest die vage Theorie.

Seal kommt also nur bei Hunden vor, die eigentlich keinerlei Phaeomelanin im Fell haben sollten. Schau Dir mal die Hunde im folgenden Bild an, die eigentlich alle lackschwarz sein sollten.

Einfarbige Schwarzfärbung gilt übrigens als eine Form von Melanismus.

Bei melanistischen Wildtieren sorgen i.d.R. andere genetische Mechanismen für die Schwarzfärbung. Hier ist eine „transparente“ Decke sehr viel häufiger als beim Hund.

Das bekannteste Beispiel sind Großkatzen mit Melanismus. Auch bei „schwarzen Panthern“ kann man oft trotz offensichtlichem Melanismus die verborgene Fellzeichnung deutlich erkennen.

Wie sieht Seal beim Hund aus?

Eins vorweg: Seal lässt sich am besten beim Welpen im direkten Vergleich mit den Wurfgeschwistern erkennen. Auch neben einem tatsächlich tiefschwarzen Hund fällt der Unterschied besser ins Auge. 

Auf Bildern hingegen lässt sich das schwer einschätzen. Im Abendrot fotografiert leuchtet schließlich jeder Hund ein bißchen golden.

Was man über die verschiedenen Ausprägungen von Seal beim Hund weiß:

Schwarz-Seal

Bei einigen Hunden, die unter dominantem Schwarz die Allele für Zobel (KB/- Ay/-) oder Agouti (KB/- aw/-) tragen, schimmert der Hund am ganzen Körper golden oder bronzefarben.

Oft bleibt auf dem Rücken ein dunkler „Aalstrich“ sichtbar und auch Beine und Gesicht scheinen weniger stark betroffen zu sein. Der Eindruck eines Gesichtsmaske ist also nicht ungewöhnlich.

Ein schwarzer Hund kann durch Seal fast schokoladenfarben wirken. Da das Nasenpigment aber nie betroffen ist, kann man einen schwarz-basierten Seal gut „enttarnen“.

Ghost Tan beim Hund

Bei einigen Hunden, die unter dominantem Schwarz Tanmarken tragen (KB/- at/-), kann man die Abzeichen an Gesicht und Beinen ganz leicht durchschimmern sehen und nennt das „Ghost Tan“ (Geistermarken) oder „Sealpoint“.

Der Umstand, dass diese Hunde nicht rundum Seal sind, sondern nur Geistermarken ausbilden,  gilt als Begründung für Theorie, dass der Mechanismus hinter Seal den versteckten A-Lokus sichtbar macht.

Besonders häufig kann man Ghost Tan bei Hunden mit Merle beobachten. Die Verdünnung von Eumelanin durch Merle scheint das Phaeomelanin im Fell leichter sichtbar zu machen.

Ghost Tan kann sich als sehr unauffälliger Braunschimmer im Gesicht zeigen, aber im richtigen Licht auch recht offensichtlich werden.

Langhaar-Seal

Bei langhaarigen Hunden mit Seal ist der Bronzeschimmer nicht immer gut sichtbar. Denn sehr lange, entlang der dunklen Rückenlinie gescheitelte Haare verdecken die aufgehellten Flanken.

Hier sieht man dafür, dass durch Seal auch die Unterwolle aufhellt und dann an Haarwirbeln, Schultern und Hosenfedern deutlich hervortritt.

Braun-Seal, Blau-Seal, Lilac-Seal

Ein Hund mit KB und Seal kann natürlich schwarz, braun, blau oder lilac sein.

Blau-Seal

Seal ist auf anderen Basisfarben als Schwarz bei kurzhaarigen Hunden nur noch sehr schwer zu erkennen. Ein Rotstich fällt in braunem oder blauem Fell nicht so stark ins Auge.

Gerade bei braunen Hunden ist die umweltbedingte Pigmentzersetzung zwischen zwei Fellwechseln oft stark ausgeprägt. Sonnenstrahlung sorgt meist für ein Ausbleichen an der Oberseite des Hundes zu hellbraun-orange, während Seal eher die Flanken betrifft.

Ist dieser Labradormischling Braun-Seal oder nur durch Sonnenstrahlung ausgebleicht? Ich weiß es nicht!

Seal-Merle

Bei Merle können einige Kombinationen zu einer braunstichingen Verdünnungfarbe führen, die nicht unbedingt mit Seal-Merle zu tun haben

Bei Black-Merle kann ein Braunstich entweder durch Seal oder durch eins der kürzeren Merle-Allele, aber auch Zobel-Merle oder Brindle-Merle verursacht werden. Hier ist es hilfreich den genauen Genotyp eines Hundes zu kennen.

Nicht jeder Hund mit deutlichem Braunschimmer in den verdünnten Bereichen ist ein Seal. Hier findest Du ein Bild von Hund in vermutlich echtem Seal Merle.

Verwechslungsmöglichkeiten

Verwechslungsgefahr besteht u.a. bei Hunden mit dichtem Brindle. Diese Hunde werden manchmal als „reverse Brindle“ oder „Seal“ bezeichnet, sind aber in Wahrheit eigentlich normale Zobel (kbr/- Ay/-) mit so extremer Stromung, dass man die einzelnen Streifen kaum noch erkennt.

Das kann im Extremfall für eine ähnliche Farbgebung wie bei Seal sorgen.

Kein Seal, nur dichte Stromung!

Bei Hunden gibt es außerdem eine ganze Reihe von Faktoren, die auch ohne Seal zu Farbveränderungen und einem rötlichen Schimmer führen können (langes Unterfell, Fellwechsel, Welpenfell, Sonnenbleiche, Ernährung, etc.).

Die Mechanismen von Seal und Ghost Tan sind unbekannt!

Seal kommt gehäuft bei miteinander verwandten Hunden vor und scheint ein erbliches Merkmal zu sein.

Es ist bislang aber noch nicht gelungen den Erbgang anhand von Stammbäumen nachzuvollziehen.

Eine Theorie besagt, dass Seal den unter dominantem Schwarz verborgenen A-Lokus sichtbar macht.

Denn jeder Hund hat am A-Lokus irgendeine Kombination aus den Allelen der A-Serie. Die meisten Hunde tragen dort Allele für Zobel (Ay), Agouti (aw) oder Black-and-Tan (at). Aber nicht immer sind zweifarbige Muster auch im Phänotyp sichtbar.

Um die Muster des A-Lokus auszuprägen zu können, muss ein Hund Brindle (kbr) oder ky/ky am K-Lokus sein.

Ist ein Hund stattdessen am K-Lokus dominant Schwarz (KB),  erzwingt das einen Phänotyp, bei dem nur Eumelanin in die Haare eingelagert wird. Also Schwarz, Braun, Blau oder Lilac (mit oder ohne Weißscheckung oder Merle).

Und genau diese schwarze Abdeckung durch KB/- scheint bei Seal nur noch unvollständig zu funktionieren.

Hunde mit Seal sind tatsächlich fast ausschließlich KB/ky, in seltenen Fällen KB/KB.

Ein Zusammenspiel mit rezessivem Schwarz (ky/ky a/a) ist noch unklar. Der Logik folgend, dass Seal das unter KB versteckte Muster des A-Lokus sichtbar macht, dürften bei Hunden mit a/a kein Seal sichtbar werden. Bei den nordischen Hunderassen gibt es ein paar Hunde, die dieser Logik trotzen.

Man weiß bislang aber nicht mal, ob es nur einen einzigen Mechainsmus gibt, der zu Seal führt. Oder ob hier verschiedene genetische Ursachen für diesen Phänotyp verantwortlich sind, die man äußerlich nicht unterscheiden kann.

Man vermutet aber ohnehin, dass die Funktionsweise von Seal nicht mit dem K-, A- oder E-Lokus zusammenhängt. Denn Hunde ohne Seal mit verschiedenen Genotypen an diesen Genorten können scheinbar dennoch Seal an ihre Nachkommen vererben.

Die Sache bleibt also vorerst mysteriös.

Quellen

[1] A β-Defensin Mutation Causes Black Coat Color in Domestic Dogs; Candille SI, Kaelin CB, Cattanach BM, Yu B, Thompson DA, Nix MA, Kerns JA, Schmutz SM, Millhauser GL, Barsh GS.SCIENCE : 1418-1423; doi: 10.1126/science.1147880