Agouti, Wolfsgrau, Bänderung: Wildfarbe beim Hund

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Der A-Lokus entscheidet darüber, wann und wo im Hundefell welcher Pigmenttyp produziert werden kann.

Das Wildtyp-Allel aw am A-Lokus sorgt dafür, dass beim Hund die für Wildtiere typische Haarbänderung zustande kommt.

Du willst mehr über Fellfarben beim Hund lernen?

Hier findest Du nochmal alle Grundlagen der Genetik und Vererbung der Fellfarben. Der Beitrag über die Pigmenttypen erklärt die Begriffe Eumelanin und Phaeomelanin. Und hier entlang geht’s zur kompletten Übersicht über alle Fellzeichnungen und -farben

Was ist Agouti?

Wenn die Pigmentzellen einzelner Haare rhythmisch den Typ ihres produzierten Pigments ändern (Eumelanin, Phaeomelanin, Eumelanin, usw.), sorgt das für gebänderte Haare.

Diese Fellzeichnung ist typisch für viele Wildtiere und ist sogar nach dem südamerikanischen Aguti (engl. ‚Agouti‘) benannt worden. Diese Nagetiere sind eng mit dem Meerschweinchen verwandt.

Agouti lässt Kontraste verschwimmen und sorgt für eine bessere Tarnung in der Wildnis.

Aguti

Auch beim Hund ist Agouti der „Wildtyp„. Also die ursprüngliche Version des Gens am A-Lokus ohne eine der Mutationen, die für die anderen Fellmuster verantwortlich sind.

Beim Hund wird Agouti u.a. auch als wolfgrau, wolffarben, wildmarken oder saufarben bezeichnet.

Denn auch Wölfe zeigen ursprünglich gebändertes Haar (wobei Wolfsfarben und Hundefarben ansonsten nicht mehr so arg vergleichbar sind)

Agouti beim Hund führt i.d.R. zu einer dunkel verwaschenen Fellzeichnung, deren Verteilung nicht nur zufällig an Tanmarken erinnert.

Denn die Bereiche, in denen ein Hund mit Tanmarken (z.B. Dobermann) so genannte helle „Wildfarbigkeitsabzeichen“ hat, entsprechen denen im Agouti-Wildtyp.

Ebenfalls auffällig ist, dass bei Agouti keine Bänderung an der Bauchseite des Hundes vorkommt.

Bei größeren Gesichtsmarken (z.B. auch bei Domino) erlaubt der gerade Nasenbalken eine Unterscheidung zu sehr stark gewolktem Zobel.

Agouti mit Countershading (heller Bauchseite)


Eine Agouti-Zeichnung kann aber vor allem am Rücken so extrem dunkel sein, dass der Hund fast Black-and-Tan aussieht. Das ist fast immer bei langhaarigen Hunden der Fall.

Welpen in Agouti werden schon sehr dunkel geboren, durchlaufen dann im Welpenfellwechsel eine fluffig-helle Phase, bevor die dunklen Haarbänder im Fell wieder kommen. Das ist ganz normal bei vielen Schäferhunden!

Ebenfalls häufig bei Agouti ist die Bildung einer Art hellen Brille rund um die Augen.

Schäferhund in Agouti mit „Brille“.

Agouti beim Hund

Bei abwechselnd mit Eumelanin und Phaeomelanin gebänderten Haaren sind alle Kombinationen möglich, die es beim Hund gibt.

Das Pheaomelanin in den hellen Banden kann verschiedene Farbintensitäten von Weiß bis Rotblond haben:

Und auch das Eumelanin in den dunklen Banden kann je nach Hund schwarz, braun, blau oder lilac sein.

Das erlaubt natürlich viele verschiedene Kombinationen, die dem jeweiligen Hund eine eher helle oder eher dunkle Fellfärbung verleihen.

Bei vielen ursprünglichen Hunderassen mit Agouti ist das Phaeomelanin zu Weiß aufgehellt.

Hierzu gehören zum Beispiel Wolfsspitze, Elkhound, Vallhund, viele Eurasiern, aber auch Schnauzer in „Pfeffer und Salz“.

Auch der Tamaskan und Hunde mit einem Anteil Wolfsblut sind meistens Agouti.

Bei Schlittenhunden ist das Agouti durch das Domino-Allel meist aufgeklart und gibt hellere Bereiche ohne Eumelanin frei.

Bei Rauhaardackeln, Akitas, Deutschen Schäferhunden und einigen Vertretern der oben genannten Hunderassen bleibt das Phaeomelanin oft auch creme-gelblich.

Bei den beiden Hunden in diesem Bild kann man sehen, wie unterschiedlich sich Agouti zeigen kann.

Beim Dackel ist z.B. ein deutlicher  „Aalstrich“ am Rücken erkennbar. Der schwedische Vallhund hingegen ist schon als Junghund sehr wenig gebändert.

Auch mit anderen Fellzeichnungen zusammen funkuioniert Agouti. Da Agouti allerdings züchterisch keine so beliebte Fellzeichnung ist, wird man lange nach einem „Agouti Merle“ oder einem Agouti mit Stromung suchen müssen.

Mit Weißscheckung hingegen kann man einige Agoutis sehen, wenn man danach sucht:

Die Funktionsweise von Agouti (aw)

Agouti wird mit dem Kürzel aw (w für „Wildtyp“) abgekürzt und liegt in der Dominanzfolge am A-Lokus zwischen Ay (Zobel) und at (Tanmarken):

Ay > aw > at > a

Man kann beobachten, dass sich aw teilweise nur unvollständig dominant gegenüber at und a verhält. Hunde mit aw/at oder aw/a sind vielfach dunkler als ihre reinerbigen Wurfgeschwister mit aw/aw.

Um eine Agouti-Fellzeichnung auszuprägen, darf ein Hund am K-Lokus nicht KB sein und am E-Lokus nicht e/e sein. Denn KB verhindert, dass Phaeomelanin produziert werden kann. Und e/e verhindert, dass Eumelanin produziert werden kann.

Brindle (kbr/-) auf Agouti ist selten, die meisten Agoutis sind deshalb ky/ky aw/-.

Welcher Pigmenttyp von einer Pigmentzelle gebildet werden kann, wird durch den Pigment-Type-Switch geregelt.

Grundlegend passiert Folgendes: Der A-Lokus erzwingt, dass die Pigmentzellen Phaeomelanin produzieren, sofern auf dem K-Lokus kein KB-Allel vorhanden ist.

Dabei werden durch den A-Lokus verschiedene Muster vererbt:

Ay – Zobel
aw – Wildtyp, Agouti
at – Tanmarken
a – Rezessives Schwarz

2019 neu entdeckt:

ayt – Rekombinantes Allel mit den Mutationen für Zobel und für Tanmarken (man weiß noch wenig darüber, wie dieses Allel sich im Phänotyp ausprägt)


Der A-Lokus enthält das Gen für einen Signalstoff (ASIP = ‚Agouti Signaling Protein‘), der an einen Rezeptor (MC1R, E-Lokus) in der Wand der Pigmentzellen binden und die Produktion von Phaeomelanin erzwingen kann.

Der Antagonist α-MSH, der zur Produktion von Eumelanin führt, wird dadurch verdrängt.

Ist ein Hund am A-Lokus genotypisch aw/-, führt dies durch einen zeitlich an- und abschwellenden Effekt von von ASIP zu gebänderten Haaren.

Denn dadurch wird ein rhythmischer Wechsel der Pigmentproduktion in einzelnen Haaren von Eumelanin zu Phaeomelanin zu Eumelanin zu Phaeomelanin usw. ausgelöst.

Oftmals bleibt die Unterseite des Hunde auch beim Agouti hell gefärbt, da ASIP ventralseitig anders ausgeprägt wird als an der Oberseite des Hundes.

Quellen

[1] Dayna L. Dreger, Sheila M. Schmutz, A SINE Insertion Causes the Black-and-Tan and Saddle Tan Phenotypes in Domestic Dogs, Journal of Heredity, Volume 102, Issue Suppl_1, September-October 2011, Pages S11–S18, https://doi.org/10.1093/jhered/esr042

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