Bull Terrier

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Der Bull Terrier ist eine britische Hunderasse mit einer sehr ungewöhnlichen eierförmigen Kopfform. Bull Terrier gelten als verspielt und anhänglich, aber auch als terriertypisch selbstständig und temperamentvoll. In Deutschland sollte man die Haltungsauflagen in den meisten Bundesländern beachten.

Steckbrief:
Bull Terrier

Die ersten Bull Terrier entstanden durch Kreuzung von britischen Bulldoggen und Terriern. Noch heute zählt man ihn zu den bullartigen Terriern.

Größe
ca. 40-55 cm
(keine Vorgabe)

Gewicht
ca. 22-38 kg
(keine Vorgabe)

Hundetyp
Bullartiger Terrier

Lebensdauer
10-14 Jahre

Geschichte und Herkunft

Im 18. Jahrhundert waren Tierkämpfe als blutiger Freizeitsport in Großbritannien sehr beliebt. Nach dem Verbot solcher Veranstaltungen 1835 wurden vor allem illegale Hundekämpfe weiter betrieben, da diese sich besser verheimlichen ließen.

Um solche Hundekämpfe für das Publikum spektakulärer zu gestalten, setzte man im 19. Jahrhundert vermehrt Kreuzungen zwischen den damals noch großen und athletischen Bulldogs und wilden und wendigen Arbeitsterriern ein.

Diese Bull-and-Terrier entsprachen natürlich keinem einheitlichen Typ. Denn Schönheit war ja nicht das Zuchtziel… Diese Bull-und-Terrier sind der Ursprung einiger Hunderassen wie den amerikanischen AmStaffs oder Boston Terriern, dem Staffordshire Bull Terrier und dem Bull Terrier.

Kleiner und großer Bull Terrier 1905[18]

Als Begründer des modernen Bull Terriers gilt der in Irland geborene Hundehändler James Hinks (1829-1878).

Hinks züchtete gewerbsmäßig etwa ab 1850 im britischen Birmingham allerlei verschiedene Hunderassen. Sein Handel mit weißen Bull Terriern gilt als Geburtsstunde dieser Hunderasse.

Welche Hunde genau zur Entwicklung des heutigen Bull Terriers beigetragen haben, weiß man aber nicht mehr genau. Vermutlich nutzte Hinks neben Bulldogs und den heute ausgestrobenen White English Terrier auch Dalmatiner und Greyhound[13,7]. Durch geschicktes Zuchtvorgehen erschuf er bald eine relativ einheitliche neue Linie des Bull-and-Terriers.

Bull Terrier 1881[17]
Bull Terrier 1878[7]

Diese Hunde wurden schon um 1880 als weitestgehend fügsame und intelligente Stadthunde und Gentleman’s companion beschrieben[13].

Zuchtziel war nicht mehr das Temperament eines wehrhaften Kampfhundes, sondern vor allem Schönheit und Showqualität. Man versuchte vor allem den breiten Köpf und krummbeinigen Körperbau des Bulldogs los zu werden.

Bull Terrier 1903[14]

James Hinks stellte seine Bull Terrier ab 1862 auch auf den gerade erst populär gewordenen Hundeausstellungen aus. So erlangten sie große Bekanntheit und wurden sehr bald als Begleit- und Ausstellungshunde populär.

Ein möglichst flacher Oberkopf als typisches Merkmal kam erst nach 1868 in Mode, v.a. durch den Einfluss des Rüden Old Victor. Dieser wurde vielfach als Deckrüde für Hündinnen aus Hinks Linien eingesetzt und formte so den heutigen Bull Terrier[7].

Bull Terrier 1915[15]

Auch der Collie könnte damals etwas zur Kopfform beigetragen haben[8].

Die heute so stark nach unten gebogene Kopfform („downface„) verbreitete sich aber erst nach und nach. Als erster Bull Terrier mit der heute typischen Kopfform gilt der 1917 oder 1918 geborene Rüde Lord Gladiator.

Lord Gladiator

Der Bull Terrier Club wurde 1887 in Birmingham gegründet und bald darauf ein erster Standard zur Zucht der Bull Terrier veröffentlicht.

Zu dieser Zeit wurden noch einfarbig weiße Hunde bevorzugt, Bull Terrier in anderen Fellfarben gab es vermehrt erst nach 1900.

Und da es beim Bull Terrier keine Gewichts- oder Größenbegrenzungen gibt, wurden schon zu Beginn kleinere und größere Hunde dieses Typs gezüchtet. Im 20. Jahrhundert wurde schließlich der Miniature Bull Terrier als eigene Hunderasse etabliert.

Erst seit 1993 ist der Bull Terrier eine durch die FCI anerkannte britische Hunderasse.

Bull Terrier 1922[16]

Größe und Aussehen

Der Körperbau des Bull Terriers ist kräftig, robust und muskulös und mit einem kurzen breiten Rücken. Eine bestimmte Größe ist nicht vorgeschrieben, aber die meisten Bull Terrier sind etwa 40 bis 55 cm hoch und mittelgroß.

Bull Terrier haben eine markante Rippenwölbung und sollen sehr substanzvoll erscheinen. Nicht verwechseln sollte man das allerdings mit Übergewicht, was nicht selten vorkommt.

Noch heute unterscheidet man verschiedene Körpertypen. Es gibt den hochbeinigen Dalmatiner-Typ, den plumperen Bulldog-Typ und den schmalen Terrier-Typ. Gewünscht ist allerdings ein Allrounder, der nicht zu sehr in eine bestimmte Richtung neigt.

Der Blick des Bull Terriers soll entschlossen und intelligent wirken. Gewünscht ist eine möglichst dunkle Augenfarbe mit einem terriertypischen schelmischen Glanz. Die Ohren liegen nah beieinander und werden aufrecht getragen.

Das charakteristische Merkmal ist der eiförmige Kopf mit dem stark übertriebenen downface. Die divergierenden Kopflinien kommen durch einen stark deformierten Schädel zustande.

Man kann das ja schön finden… aber warum?

Folgen der Schädelform beim Bull Terrier sind ein manchmal nicht so idealer Zahnschluss und sehr schmale, dreieckige und schräg eingesetzt kleine Augen. Und die Frage, ob Bull Terrier durch den gewölbten Oberkopf überhaupt noch den Boden vor ihren Pfoten sehen können. Bull Terrier sind geradezu berüchtigt dafür permanent wie lebende Abrissbirnen in alle möglichen Hindernisse zu donnern…

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Bull Terrier Farben

Hier die zulässigen Bull Terrier Farben:

  • Reinweiß
  • Schwarz
  • Gestromt
  • Rot
  • Rehbraun
  • Tricolor

Das kurze glänzende Fell dieser Hunde sollte früher einfarbig weiß sein.

Da so eine Extremscheckung allerdings auch indirekt zu Pigmentmangel in Augen und Innenohr führen kann, kommen blaue Augen und Taubheit bei weißen Hunden vermehrt vor.

Daher werden heute auch andere Fellfarben beim Bull Terrier zugelassen.

Nur Tüpfelung sowie schokobraunes oder blaues Pigment ist nicht erwünscht, der Nasenschwamm soll immer schwarz pigmentiert sein.

Temperament und Haltung

Bull Terrier gelten als sehr eigensinnig und nicht unbedingt leicht zu erziehen. Als Terrier sind sie mutig, verspielt und stecken voller Energie und Persönlichkeit. Sie brauchen viel Bewegung und Beschäftigung mit ihrem Menschen.

Diese bullartigen Terrier sind menschenfreundlich und anhänglich, haben viel Humor und sind sehr verschmust. Bull Terrier werden vor allem als Begleit- und Familienhunde gehalten und haben ein ausgeglichenes Temperament.

Jedoch sind sie durch ihr unabhängiges Wesen wie auch andere Terrier keine so guten Anfängerhunde. Eine gute Sozialisation im Welpenalter und eine konsequente Erziehung sind absolut notwendig.

In den meisten deutschen Bundesländern werden Bull Terrier als potentiell gefährlich eingestuft. Für solche Listenhunde gelten bestimmte Auflagen bis hin zu Import- und Haltungsverboten.

Diese Zuordnung geschah vor allem aufgrund der Rassezugehörigkeit, der bulligen Optik und der Zuchthistorie. Eine eindeutige wissenschaftliche Grundlage für die Rechtfertigung dieser Einstufung allein aufgrund der Hunderasse fehlt aber bis heute[12].

Hunde sind Individuen!

Die Vererbung von Temperament oder Charakter lässt sich weniger gut planen als die Vererbung von äußerlichen Merkmalen wie Größe oder Fellfarbe. Verhalten wird zudem beeinflusst durch Erfahrungen und Training. Achte darauf einen guten Züchter zu suchen, der sich besonders Mühe mit der Auswahl und Aufzucht seiner Hunde gibt.

Gesundheit

Beim Bull Terrier kommen verschiedene erbliche Probleme vor, die die Auswahl eines besonders verantwortungsvollen Züchters wichtig machen, u.a.:

  • Erbliche Augenerkrankungen
  • Letale Acrodermatitis (LAD)[5]
  • Gebissfehler
  • Herzerkrankungen
  • Patellaluxation
  • Übergewicht
  • Allergien
  • Larynxparalyse (LP)
  • Polyzystische Nierenerkrankung (PKD)
  • Verhaltensauffälligkeiten (compulsive tail chasing)[10]
  • Taubheit[11]

Anschaffung

Hier findest Du Anlaufstellen für Vermittlungshunde und Welpen mit FCI-Papieren:

Die offizielle Anzahl von Bull Terrier-Welpen lag in den letzten Jahren im VDH zwischen 49 und 159[4].

Links

[1] FCI-Standard Nr. 11: Bull Terrier (2011);
http://www.fci.be/de/nomenclature/BULL-TERRIER-11.html

[2] VDH-Rasseportrait: Bull Terrier.

[3] Deutscher Club für Bullterrier e.V.: Bull Terrier.

[4] Welpenstatistik der VDH-Mitgliedsvereine (2021);
https://www.vdh.de/ueber-den-vdh/welpenstatistik/

[5] Bauer A, Jagannathan V, Högler S, Richter B, McEwan NA, Thomas A, et al. (2018) MKLN1 splicing defect in dogs with lethal acrodermatitis. PLoS Genet 14(3): e1007264. https://doi.org/10.1371/journal.pgen.1007264

[6] Ludwig Beckmann (1894): Geschichte und Beschreibung der Rassen des Hundes. https://archive.org/details/geschichteundbes2beck/page/n227/mode/1up

[7] John Henry Walsh (1878): The dogs of the british islands. https://archive.org/details/dogsofbritishisl00wals/page/n321/mode/2up

[8] The Kennel Club: Bull Terrier (engl.).

[9] Gesellschaft der Bullterrier-Freunde e.V.

[10] Alice A. Moon-Fanelli, Nicholas H. Dodman, Thomas R. Famula, and Nicole Cottam. Characteristics of compulsive tail chasing and associated risk factors in Bull Terriers. Journal of the American Veterinary Medical Association 2011 238:7, 883-889. https://doi.org/10.2460/javma.238.7.883

[11] Louisiana State University (LSU): Prevalence of deafness in dog breeds (engl).

[12] Stefanie A. Ott, Esther Schalke, Amelie M. von Gaertner, Hansjoachim Hackbarth. Is there a difference? Comparison of golden retrievers and dogs affected by breed-specific legislation regarding aggressive behavior. Journal of Veterinary Behavior. Volume 3, Issue 3, 2008, Pages 134-140, ISSN 1558-7878. https://doi.org/10.1016/j.jveb.2007.09.009.

[13] Vero Kemball Shaw (1881): The Illustrated Book of the Dog. https://archive.org/details/illustratedbooko00shawrich/page/98/mode/2up

[14] William D. Drury (1903): British dogs, their points, selection, and show preparation. https://archive.org/details/britishdogstheir00drurrich/page/413/mode/1up

[15] Walter Esplin Mason (1915): Dogs of all Nations. https://archive.org/details/dogsofallnations00masorich/page/19/mode/1up

[16] Robert Leighton (1922): The complete book of the dog. https://archive.org/details/completebookofdo00leig/page/n278/mode/1up

[17] Hugh Dalziel (1881): British Dogs. https://archive.org/details/britishdogstheir00dalzrich/page/360/mode/2up

[18] James Watson (1905): A popular history of the dog. https://archive.org/details/dogbookpopularhi02wats/page/n134/mode/1up