Wie lange mit Welpen Gassi gehen? Welche Beschäftigung für Welpen?

[Werbung] Bei den Shoplinks auf HundeFunde handelt es sich um sogenannten Affiliate-Links: Ich bekomme eine Provision, wenn ihr auf einen Link klickt und etwas kauft. Für Euch ändert sich nichts! Und noch ein Hinweis: Hier eingeblendete Produktinformationen können sich seit der letzten Aktualisierung beim Anbieter geändert haben.

Nicht wenige von uns suchen sich eine Hunderasse und ihren Welpen ganz bewusst danach aus,  für welche späteren Unternehmungen oder welchen Hundesport der kleine Hund geeignet sein soll.

Und dann kribbelt es einen natürlich in den Fingern sofort mit Training und Abenteuerspaziergängen loszulegen, sobald der Vierbeiner sich eingewöhnt hat. Und auch der kleine tapsige Welpe ist voller Tatendrang und Energie und würde am liebsten den ganzen Tag lang beschäftigt werden und rumwuseln.

Über das angemessene Maß an Bewegung für Welpen und Junghunde herrscht allerdings viel Verunsicherung in der Hundeszene.

„Wie kann man nur?!“, „Das ist doch viel zu viel Programm!“, „Das ist gefährlich für die Gelenke!“, „Mit dem darfst Du noch nicht so viel machen!“, „Nicht springen lassen!“, „Nur 5 Minuten pro Lebensmonat…!“

Aber wer macht diese Regeln eigentlich? Warum soll man beim Welpen Gassi und andere Aktivitäten reglementieren?

Heute schauen wir uns mal an, wo der wahre Kern in diesen oft sehr unkritisch verbreiteten Ratschlägen liegt und worauf Du tatsächlich bei Beschäftigung und Gassi mit Welpen und Junghunden achten musst.

Eins vorweg: Dieser Beitrag ersetzt keine Beratung durch Deinen Tierarzt oder den Züchter Deines Hundes. Ich teile hier nur meinen Blickwinkel nach vielen Jahren Hundehaltung inkl. mehrfacher Welpenaufzucht.

Es gibt keine wissenschaftliche Grundlage für die Behauptung zu viel Bewegung wäre allgemein schädlich für Welpen. Bewegung ist nicht gleich Bewegung und Welpe ist nicht gleich Welpe.

Wer es absurd übertreibt und seinen Welpen zu unnatürlichen Bewegungen und Sprüngen animiert, geht ein erhöhtes Verletzungsrisiko ein. Wer seinem Welpen mit gesundem Menschenverstand sein eigenes Tempo wählen und die Welt erkunden lässt, muss (entgegen der Meinung vieler Bewegungsformel-Alarmisten im Internet) nicht mit der Stoppuhr spazieren gehen!

Problematisch ist Bewegung beim Welpen vor allem dann, wenn der junge Hund unbekannterweise von erblichen Defekten des Knochen- und Knorpelapparats (z.B. HD, ED,..) betroffen ist, die bereits im jungen Alter zu Verschleißerscheinungen führen können.


Das Knochenwachstum beim Welpen

Bei Bewegungsempfehlungen für Welpen bezieht man sich hauptsächlich auf die möglichen Auswirkungen auf Wachstum und Knochengerüst.

Wachstumsfugen und Gelenke

Welpen sind noch mitten im Wachstum. Von Woche zu Woche kann man zusehen wie der junge Hund in die Höhe gedeiht.

An den Gelenkoberflächen entstehen durch Zellteilung neue Knorpelzellen, die später den Gelenkknorpel bilden. Die Gelenkstrukturen sind also nicht von Beginn an fertig ausgebildet.

Schäden der heranwachsenden Gelenke können später im Leben zu frühzeitigem Auftreten von Arthrosen führen.

Lange Röhrenknochen wachsen im jungen Körper auch nicht einfach nur diffus irgendwie in die Länge.

Wachstumsfugen Hüfte Hund

Stattdessen bildet sich neues Knochengewebe entlang einer dünnen knorpeligen Bildungsmatrix unterhalb der späteren Gelenkköpfe (Epiphysen). Diese Bereiche bezeichnet man als Wachstumsfugen, Epiphysenfugen oder manchmal beim Menschen auch als pädiatrische Physen.

Neue Zellen werden Richtung Knochenmitte geschoben und dort verknöchert, so verlängert sich das Mittelstück des Knochens nach und nach. Die Beine Deines Hundes werden länger und länger.

Das größte Längenwachstum findet bei den meisten normal gebauten Hunden eigentlich im Alter von 4-8 Monaten statt. Die Wachstumsfugen sind in diesem Alter auf Röntgenbildern gut erkennbar.

Danach ebbt das Knochenwachstum langsam ab. Durch den Einfluss von Sexualhormonen ab Beginn der Pubertät verdünnen die Wachstumsfugen sich graduell zu kleinen verknöcherten Narbenlinien im Knochen, die nicht mehr aktiv und kaum mehr erkennbar sind.

Die stark verkürzten Beine bei Basset, Dackel oder Corgi gehen auf eine genetische Ursache zurück, die die Produktion von Wachstumsfaktoren im Körper aus der Bahn wirft. Die Beinknochen beenden also schon im embryonalen Zustand voreilig das Längenwachstum.

Ein Hund ist tatsächlich erst nach vollständigem Schluss der Wachstumsfugen fertig ausgewachsen, obwohl er schon viele Monate vorher seine endgültige Schulterhöhe erreicht haben kann.

Die Wachstumsfugen sind also weiche knorpelige Bereiche in einem Knochen, die erst im Alter von 12-24 Monaten ausgehärtet sind. 

Bis die Epipysenfugen geschlossen sind, sind diese Bereiche im Knochenapparat des jungen Hundes ganz besonders anfällig für mechanische Überbeanspruchung und Verletzungen.

Wer es ganz genau wissen möchte, der findet hier eine Statistik zu den Zeitabschnitten, in denen die Wachstumsfugen verschiedener Gelenke beim Hund in etwa aushärten. Und hier gibt’s eine Abbildung.

Die Anfälligkeit des jungen Knochengerüsts ist auch einer der vielen guten Gründe seinem Welpen im Wachstum ein nicht einengendes Geschirr anzuziehen. Geeignet hierfür sind je nach Hundegröße gute Führgeschirre für Welpen und Softgeschirre für Welpen kleiner Hunderassen.

Eine Frühkastration sorgt übrigens für ein Ausbleiben der Pubertät. Durch die fehlenden Sexualhormone bleiben die Wachstumsfugen länger aktiv als bei nicht kastrierten Tieren. Frühkastraten sind deshalb oft etwas langbeiniger gewachsen als sie sollten.

Dieser sehr invasive Eingriff in die Entwicklung des Hundeskeletts kann ebenfalls langfristig zu orthopädischen Problemen führen. Es ist daher in meinen Augen ratsam auf eine viel zu frühe Kastration des Hundes vor Abschluss des Wachstums zu verzichten.

Die Knochendichte bei Welpen

Die Knochendichte beim Welpen ist noch weniger ausgeprägt als beim erwachsenen Hund.

Durch das ungünstige Zusammenspiel von im Inneren noch „weichem“ Welpenknochen, aber schon  relativ starrer Knochenhaut außen herum, ist das Risiko für Brüche durch Scher- und Drehbewegungen bei jungen Hunden besonders erhöht.

Und sowas passiert schnell mal bei einer unglücklichen Bruchlandung oder beim Steckenbleiben in einem Mauseloch oder Gullideckel. Nicht selten brechen sich Welpen tatsächlich schon beim Züchter ein Bein beim Herumtollen mit ihren Wurfgeschwistern.

Shit happens manchmal…. sowas ist selbst bei bester Betreuung leider nicht komplett vermeidbar.

Klar lässt man seinen Welpen nicht aus großer Höhe von Möbeln herabspringen und probiert auch sonst alle Unfallrisiken zu beseitigen. Aber man muss dabei abwägen zwischen der eigenen Angst um den Welpen und seinem tatsächlichen Bewegungsbedarf.

Keine Richtlinie dieser Erde kann Deinen Welpen vor dem normalen Lebensrisiko bewahren. Welpen müssen sich bewegen dürfen.

Übrigens weiß man, dass Bewegung die Knochendichte bei Kindern erhöht und das spätere Risiko für Knochenbrüche senkt. Man kann davon ausgehen, dass sich das beim Welpen ähnlich verhält. Der Körper möchte also durchaus auch im Wachstum benutzt werden, um sich gesund zu entwickeln.

Verletzungsgefahr durch Bewegung beim Welpen?

Ja, um absoluten worst case können Verletzungen oder Knochenbrüche zu einer Schädigung der Zellen in einer Wachstumsfuge oder in einem wachsenden Gelenkknorpel führen.

Ein rasanter Lebensstil fördert logischerweise das Risiko für Verletzungen. Wobei soaws selbst dann in der Praxis nur sehr, sehr selten vorzukommen scheint. Du kannst Deinen Tierarzt ja mal fragen, wie oft ihm das in seiner Karriere untergekommen ist.

Wenn der Knochen schneller weiterwachsen möchte als so eine Verletzung ausheilt, kann das zu verschiedenen irreparablen Wachstumsauffälligkeiten  führen. Zum Beispiel kann der Hund O-Beine bekommen oder gar eine asymmetrischen Beinlänge, wenn der Knochen nur auf einer Seite nicht mehr weiter wächst.

Durch das sehr kleine Risiko für so eine Verletzung besteht also noch kein Grund seinen Hund aus Angst vor Verletzungen heraus ruhig zu halten und den Hund an jeder Bewegung zu hindern.

Junge Hunde brauchen Bewegung. Jeder Welpe fällt mal hin oder überschätzt seine Sprungkünste, das ist gar nicht vermeidbar.

Auch Muskeln, Körperspannung und Koordinationsfähigkeit müssen die Gelegenheit bekommen zu reifen. Ein Hund, der bewegungsarm aufgezogen wird, wird nicht plötzlich im Erwachsenenalter zum Athleten, nur weil er ein bestimmtes Alter erreicht. Übung macht den Meister!

Wichtig ist es aber speziell beim Welpen auf Lahmheiten und ein merkwürdiges Gangbild zu achten und einen genauen Blick auf die Länge und Form der Beine zu haben. Auffälligkeiten sollten immer frühzeitig beim Tierarzt angesprochen werden, so lang man noch was machen kann!

Denn bei vielen Welpen wird Bewegung vor allem deshalb zum Problem, weil im jungen Skelett des Hundes unentdeckt erbliche Defekte schlummern können, deren Verlauf man mit den falschen Bewegungsabläufen unbeabsichtigt verschlimmern kann.

Gerade bei Hunderassen, bei denen das Risiko für Erkrankungen wie HD, ED oder OCD erhöht ist, sollten besonders behutsam großgezogen werden.

Bewegung und OCD beim Junghund

Eine leider in manchen Rassen (u.a. Border Collie, Golden Retriever und Labradore, Rhodesian Ridgeback,  Deutsche Schäferhunde, Boxer, Doggen) gehäuft auftretende Form von Skeletterkrankungen ist die OCD beim Junghund, bei der vor allem männliche Hunde etwa ab dem 5. Lebensmonat erste Lahmheitserscheinungen zeigen.

Bei einer OCD teilen sich die Knorpelzellen von Gelenkfläche und Wachstumsfugen zu schnell bzw. verknöchern zu langsam. Die im Körper vorhandenen Transportwege für Nährstoffe reichen nicht für die viel zu vielen aktiven Knorpelzellen, diese beginnen durch Mangelversorgung abzusterben.

Dadurch entsteht ein Spalt zwischen dem noch lebenden Knorpel und dem schon kalzifizierten Knochen und der Gelenkknorpel kann sich ganz oder in Teilen vom Gelenk ablösen. Aua.

Versorgungsprobleme direkt in den Wachstumfugen können zusätzlich zu ungleichmäßigem Skelettwachstum führen.

Häufig betroffen sind Schulter-, Knie- und Sprunggelenk sowie Kreuzbein und ganz besonders häufig die Ellbogen des jungen Hundes.

Die Prädisposition für OCD ist erblich. Allerdings passiert es gerade bei großen und schnell wachsenden Hunderassen eher, dass solch ein vorgeschädigter Knorpel sich tatsächlich erst durch zu viel Bewegung und physisches Trauma ablöst oder ganze Knochenfortsätze abbrechen.

Bewegung macht also keine OCD. Bewegung kann neben Übergewicht und einer falschen Ernährung aber den Verlauf beschleunigen, wenn genetisch bedingte Vorschäden vorhanden sind.

Manche Quellen, z.B. die Schweizerische Vereinigung für Kleintiermedizin empfehlen daher prophylaktisch Spaziergänge im ersten Lebensjahr auf eine halbe Stunde zu beschränken und den Hund dabei sein eigenes Tempo wählen zu lassen, ohne ihn zu übermäßiger Bewegung zu animieren.

Andere Quellen verweisen auf die ungünstige Prognose bei so einem konservativen Therapieversuch und raten direkt zum operativen Eingriff (der in meiner Erfahrung tatsächlich vielen Hunden dauerhaft zu helfen scheint).

Bewegung und HD beim Hund

Die weit verbreitete Aussage, dass zu viel Bewegung und vor allem Treppen steigen zu einer Hüftdysplasie beim Hund führen würde, ist viel zu einfach gefasst und geht im Großen und Ganze auf eine zu weit greifende Interpretation der Ergebnisse einer einzigen norwegischen Studie aus dem Jahr 2012 zurück.

Hier wurden die Besitzer von etwa 500 Hunden, darunter viele Wurfgeschwister, gebeten bis zum Röntgen im Alter von 12 Monaten oder 18 Monaten per Fragebogen Auskunft über das Bewegungspensum ihrer Hunde zu geben.

Zu den untersuchten Hunderassen zählten solche mit bereits deutlich rasseweit erhöhten Risiko für die Entstehung einer Hüftgelenksdysplasie: Neufundländer, Leonberger, Irish Wolfhounds und Labradore.

Bei der Auswertung analysierten die Wissenschaftler den Zusammenhang zwischen verschiedenen Haltungsbedingungen und dem Auftreten von HD bei einzelnen Hunden.

Anhand dieser Analyse meinte man folgendes für die untersuchten Hunderassen festzustellen:

  • Treppen laufen zwischen 0 und 3 Lebensmonaten erhöhte das Risiko an HD zu erkranken.
  • Möglichkeit zum Freilauf ohne Leine auf weichem mäßig stukturiertem Untergrund zwischen 0 und 3 Lebensmonaten senkte das HD-Risiko.
  • Frühlings- und Sommerwelpen erkrankten seltener an HD.
  • Geburt „auf einer Farm“ senkte das HD-Risiko.
  • HD in einem Wurf erhöhte das Risiko für die Wurfgeschister ebenfalls betroffen zu sein.

In der Berichterstattung in den einschlägigen Hundemedien fokussierte man sich einseitig auf die Sache mit dem Treppen laufen und ignorierte den Rest. Und schon war das Gerücht „Treppen laufen macht HD“ geboren.

Ich sehe bei so einer weitläufigen Interpretation allerdings deutliche Schwachstellen:

Da hier bewusst besonders große und schwere Hunderassen mit genetischer Vorbelastung gewählt, wurden, kann man die Ergebnisse nicht einfach auf alle Hunde übertragen.

Eine Korrelation sagt erstmal wenig über einen kausalen Zusammenhang, auch wenn einem das plausibel vorkommt und man das gern so sehen möchte. Vielleicht wurden ja alle Hunde in der Studie, die als kleine Welpen schon Treppen gelaufen sind, zufällig auch täglich mit dem Ball bespaßt, schlecht ernährt, wurden im Zwinger gehalten oder nur bei Mondschein Gassi geführt.

Selbst wenn es sich um eine ursächliche Beziehung zwischen Treppensteigen und HD handeln sollte, muss man durch die Auswahl der vorbelasteten Rassen zumindest miteinbeziehen, dass die HD womöglich nicht durch das Erklimmen von Treppenstufen entstanden ist.

Möglich ist auch, dass einfach nur der Verlauf und Schweregrad einer ohnehin vorhandenen HD sich durch das Treppensteigen verschlechtert haben. Vielleicht wären die betroffenen Hunde in der Studie ohnehin alle auch ganz ohne Treppe irgendwann erkrankt.

HD ist eine multifaktorielle Erkrankung mit starker genetischer Ursache. HD entsteht nicht „einfach so“ durch falsche Haltung. Es gibt keine simple Prophylaxemaßnahme, die den Hund vor einer Hüftgelenksdysplasie schützen kann.

Auch orthopädische Hundebetten werden ja oft damit beworben, dass sie die Entstehung von HD verhindern sollen. Ganz ehrlich: Orthopädische Hundebetten sind sehr bequem und richtig toll v.a. für Hunde, die mehr Zeit als üblich im Liegen verbringen. Aber an der Prognose für Gelenkerkrankungen beim Junghund ändern sie rein gar nichts!

Wenn man dennoch was aus dieser Studie mitnehmen möchte, dann unter Vorbehalt höchstens folgende Punkte:

Vermeide die Anschaffung eines Welpen aus genetisch vorbelasteter Verwandtschaft, trage v.a. einen großen schweren Welpen lieber erstmal die Treppen hoch und biete viel Möglichkeit zur ungezwungenen freien Bewegung im Freien auf natürlichem Untergrund an.

Und auch hier muss man sich im Klaren sein, dass das halbwegs geratene Handlungsempfehlungen sind und keine absolut abgesicherten Fakten.

Wie viel Bewegung, Beschäftigung und Gassi Welpen und Junghunde bekommen sollten

Also, wie viel und vor allem welche Bewegungen sind jetzt angemessen für junge Hunde?

Die Antwort: Das kann man so genau nicht sagen.

Bewegung und Gesundheit beim Welpen sind Themen, die sehr komplex ineinander greifen. Tierärtze, Züchter und erfahrene Hundehalter sind sich einig, dass zu viel Bewegung genau so blöd ist wie zu wenig.

Aber es gibt mangels Studien zu dem Thema keine greifbaren Fakten. Stattdessen beruft man sich bei Empfehlungen vielmehr auf Erfahrungen, Anekdoten und Meinungen.

Reden wir deshalb mal über die am häufigsten verbreitete Empfehlung:

Die Bewegungsformel für Welpen und Junghunde

„5-10 MINUTEN BEWEGUNG PRO LEBENSMONAT TÄGLICH“

…ist frei erfundener Quatsch!

Woher kommt die Bewegungsformel für Welpen?

Woher stammt das Allgemeinwissen „5-Minuten-Regel“ eigentlich?

Wir wissen jetzt: Im Wachstum sind junge Hunde anfällig für bestimmte Verletzungen infolge mechanischer Traumata durch z.B. Ausrutschen, Stürze oder Aufprallunfälle. Wer seinen Hund zu actionreichen Spielen animiert, der riskiert ein erhöhtes Verletzungsrisiko.

Wer seinen Hund hingegen mit gesundem Menschenverstand und moderat bewegt, der senkt das Verletzungsrisiko. Denn Bewegungsmangel ist ja mindestens genau so schädlich wie zu viel Bewegung. Und der kleine Hund muss ja auch noch irgendwie trainiert werden und die Welt sehen.

Und mal abgesehen davon: Auch ein ruhiger Welpe kann daheim von der Teppichkante stolpern. Man kann sich nicht vor allen Lebensrisiken absichern.

Als Antwort auf die Frage nach dem richtigen Maß hat irgendwo auf diesem Planeten jemand, vielleicht sogar ein Tierarzt, über den Daumen geraten und basierend auf seinen Erfahrungen als Kompromiss die „5-Minuten-Regel“ für alle Welpen erfunden.

Und diese Weisheit ist durch genügend Wiederholungen plötzlich zur anerkannten allgemeingültigen Wahrheit  und schließlich zur schieren Panikmache geworden: „Bewegung beim Welpen macht krank!“. Ganz so sehr vereinfachen kann man aber den angeblich kausalen Zusammenhang zwischen Bewegung beim Welpen und orthopädischem Erkrankungsrisiko eigentlich gar nicht. Denn man weiß einfach gar nichts darüber.

Auch ein Tierarzt macht nur einen „educated guess“ und wiederholt die gängige Meinung, kann sich dabei aber auch nicht auf wissenschaftliche Fakten berufen. Meist wird bei Bewegungsempfehlungen nicht mal ein Unterschied gemacht zwischen verschiedenen Hunderassen. Dabei ist doch eigentlich ziemlich offensichtlich, dass verschiedene Hundetypen sich in ihrem Entwicklungsstand und ihrer Koordinationsfähigkeit extrem unterscheiden können.

Welpe ist nicht gleich Welpe. Bewegung ist nicht gleich Bewegung.

Und dann spielen ja neben der Hunderasse auch noch ganz viele weitere individuelle Faktoren eine Rolle für die Entwicklung des jungen Hundes: Ernährung, Endgröße, Vorerkrankungen, Genetik, etc.

Ja, ein übertrieben anspruchsvolles Pensum mit langen Spaziergängen, vielen Sprüngen, Hundefreispiel, Apportübungen und derlei beanspruchenden Bewegungsmustern sind vermutlich nicht ratsam und erhöhen das Unfallrisiko.

Es geht aber nicht nur um die Dauer der Bewegung, sondern vielmehr um die Art der Bewegung.

Sobald irgendwo ein Junghund an orthopädischen Problemen leidet, zeigt jeder mit dem Finger drauf und weiß ganz genau: „Der wurde ganz bestimmt zu viel bewegt!“. Dabei sind viele der orthopädischen Erkrankungen wie HD beim Hund hochgradig genetisch bedingt. Gerade auch viele unseriöse Züchter verbreiten aber weiter die Aussage, dass „zu viel Bewegung“  schuld am Dilemma sein müsste, um sich vor Garantieansprüchen zu schützen.

Aber normale Bewegung in Maßen ist an sich überhaupt kein Grund zur Besorgnis. Zumindest gibt es dafür genau so wenig Beweise wie für irgendwelche Bewegungsregeln für Welpen.

Jeder von uns möchte einen gesunden Hund heranwachsen sehen. Keiner macht seinen Hund absichtlich „kaputt“. Statt mit dem erhobenen Zeigefinger herablassend auf andere zu zeigen und blindlings irgendwelche Bewegungsformeln zu zitieren, wäre eine mehrschichtige Auseinandersetzung mit diesem komplexen Thema durchaus angebracht.

Gerade in Zeiten von Helikopterfrauchen und Mikromanagement neigt man ohnehin eher dazu es mit der Fürsorge zu übertreiben, man will schließlich nicht als Rabenfrauchen da stehen.

Aus übertriebener Überängstlichkeit der kleine Hund könnte kaputt gehen nur mit der Stoppuhr spazieren gehen ist aber auch blöd. Aus Hundesicht muss es merkwürdig wirken, wenn man gestern noch mit seinen Wurfgeschwistern den ganzen Tag um die Wette toben durfte und seit dem Umzug dann plötzlich die Spasspolizei Frauchen und Herrchen neuerdings jedes bißchen Bewegung reglementieren.

Man bedenke zum Beispiel, dass auch Menschenkinder sich im Wachstum befinden. Ich hab noch keine Mutter auf dem Spielplatz sagen hören „Jonathan, auf nach drinnen, Du hast Dich heute schon 38 Minuten bewegt!“.

Im Gegenteil, bei Kindern wird immerzu Bewegung gefördert. Kinderturnvereine sollen Fitness und Koordination fördern. Aber ein Welpe wird krank, wenn er zu viel geradeaus läuft? Kommt mir nicht plausibel vor.

Die Bewegungsregeln für Welpen sind also vor allem deshalb im Umlauf, weil Unsicherheit herrscht, weil das die populäre Meinung ist, weil es an klaren Fakten und Handlungsanweisungen mangelt und weil jeder lieber auf Nummer sicher gehen möchte.

Wer seinen Welpen zu Ruhe zwingt, vermindert natürlich Risiken. Und wenn was passiert, möchte man sich selbst keine Vorwürfe machen müssen, weil man sich nicht ordnungsgemäß verhalten hat.
Aber Bewegungsformeln geben nur eine Guideline für eine vorsichtige Herangehensweise. Nicht mehr.

Keine dieser Regeln kann haarklein für alle Hunde richtig sein. Gut gemeint, wahrer Kern, aber keine todsichere Wunderwaffe gegen Wachstumsstörungen.

⇒ Vom Welpen selbst gewählte Aktivitäten (schnüffeln, buddeln, im Gras rollen) sind ok.

⇒ Stark beanspruchende Aktivitäten (springen, sprinten, Treppensteigen, Zerr- und Wurfspiele) sollte man sehr, sehr, sehr langsam steigern.

⇒ Wer gerne einem ganz genauen Bewegungsplan für junge Hunde folgen möchte, dem empfehle ich die wirklich vorsichtig geplanten „Exercise Guidelines for Puppies“ (engl.) von der Autorin des in den USA gerade auch bei Züchtern sehr beliebten Hundeaufzuchtprogramms „Puppy Culture“.

Das sind allles natürlich nur ganze grobe Richtlinien.

Beachte immer auch die Entwickungsstufe und das Temperament Deines individuellen Welpen und höre auf Dein Bauchgefühl.

  • Ein bißchen mehr für bereits sehr koordinierte Welpen mit guter Struktur, ein bißchen weniger für tapsige Welpen mit knubbeligem Körperbau.
  • Ein bißchen mehr für Welpen mit großer Hitze- und Aktivitätstoleranz, ein bißchen weniger für Bulldoggen.
  • Ein bißchen mehr Spiel und Training für Arbeitshunde mit wachem Geist, ein bißchen weniger für verträumte Welpen.
  • Ein bißchen mehr für kleine leichte Hunde, ein bißchen weniger für große schwere Hund.
  • Ein bißchen länger bei langsame Erkundungstouren ohne Leine in der Natur, ein bißchen kürzer bei angeleinten Märschen auf hartem Untergrund.

Bewegungsformeln sollen nur einen groben Rahmen bieten, den man dann an seinen eigenen gesunden Welpen anpasst. Dabei darf man aber nicht den gesunden Menschenverstand aus den Augen verlieren.

Beim amerikanischen Kennel Club (engl.) wird zum Beispiel darauf hingewiesen, dass es keine einfache Antwort gibt und der Mangel an wissenschaftlichen Erkenntnissen, die Vielfalt an persönlichen Meinungen und die „alarmist mentality“ im Intenet viel zur Verwirrung rund um das Thema beigetragen haben.

Ich habe auch oft den Eindruck, dass gerade in den sozialen Netzwerken solche Regeln mit erhobenem Zeigefinger verbreitet werden, sich in der Praxis aber kaum einer der Anhänger selbst dran hält.

Am Ende raten wir alle nur. Lass Dir also von selbst ernannten Hundeexperten nix erzählen. Sei vorsichtig, aber lass Dich nicht verunsichern.

Aber lass uns die einzelnen Arten von Bewegung für Welpen und junge Hunde mal im Detail durchgehen.

Gassi und Spaziergänge

Spaziergänge kann man nicht nur in Zeit und Wegstrecke bemessen. Viel entscheidender ist das Terrain und das Tempo, in dem man mit dem Welpen spazieren geht.

Man geht ja eigentlich v.a. deshalb mit Welpen spazieren, um ihnen die Welt zu zeigen.

Bei sehr jungen Welpen legt man dabei ohnehin meist keine große Strecke zurück, denn Welpen bleiben oft stehen und müssen die Welt betrachten und einschätzen lernen. Und danach brauchen sie Ruhe, um die Erlebnisse zu verarbeiten.

Diese Zeit sollte man ihnen auch unbedingt zugestehen und nicht einfach blindlings einen bestimmten Weg zurücklegen.

Viel besser ist Freilauf auf einer großen Freifläche mit natürlichem Untergrund (…auch Wiese genannt…), die der Welpe nach Herzenslust erkunden darf. Da kann man auch gleichzeitig ein bißchen Abruftraining einstreuseln. Fertig.

Wer gern von Beginn an längere Strecken mit dem Welpen zurücklegen möchte, der muss den Welpen eben tragen oder für diesen Zweck einen Hundebuggy anschaffen, in dem der junge Hund Pause machen kann.

Dabei musst Du natürlich trotzdem darauf achten, dass Dein Welpe nicht überdreht, weil er zu viele neue Eindrücke auf Eurem Ausflug erlebt.

Ältere Welpen und Junghunde kann man langsam an echte Spaziergänge heranführen. Aber auch hier sollte man das Tempo sehr an den Welpen anpassen, Pausen einplanen und ihm alle Gelegenheit der Welt lassen am Wegrand zu schnüffeln.

Spaziergänge an der Leine sollten ebenfalls genug Gelegenheit für Erkundungsverhalten bieten.
Denn Welpen in strammem Schritt einen Weg lang zerren oder sich vom Welpen zerren zu lassen, sind für einen gesunden Welpen nicht unbedingt direkt gesundheitsschädlich, aber halt ziemlich idiotisch.

Besser ist es Ausflüge an der Leine ganz bewusst extrem kurz zu halten und dabei aufs Leinenlauftraining zu achten. Wenn man das konsequent durchzieht, vermeidet man von Beginn an Probleme mit der Leinenführigkeit.

Der Welpe soll in den ersten Wochen bei Dir allerhand verschiedene Untergründe kennen lernen. Das fördert nicht nur das Verständnis für die Umwelt, sondern sorgt für Balance und Koordination.

Auf lange Märsche auf nicht federndem Beton und Asphalt solltest Du allerdings verzichten. Die berüchtigte „Runde um den Block“ an der Leine auf dem Bürgersteig ist nicht so doll für Welpen und auch für erwachsene Hunde eine ziemlich triste Art des Spaziergangs.

Generell haben Welpen wenig Nutzen von Ausdauermärschen. Und zu lange Strecken in monotoner Gangart können versteckte Probleme im Knochengerüst schlimmer machen.

Auf langanhaltende monotone Bewegungen sollte erstmal ganz verzichtet werden. Radfahren und Joggen kann man je nach Hund zwischen 9 und 18 Monaten beginnen in kurzen Einheiten aufzubauen.

Freispiel und Hundespielgruppen

Viele Welpen können sich wunderbar selbst beschäftigen. Selbst gewählte kleine Spiele, im Garten herumrollen und in die Welt schauen und sinnieren darf ein gesunder Welpe bei mir so viel er möchte (es sei denn er ist quengelig).

Auch mit robusten Spielzeugen kann ein kleiner Vierbeiner sich oft lange beschäftigen (sollte das aber unter Aufsicht tun, falls er anfängt das Spielzeug zu zerrupfen).

Bei Hundespieltreffen solltest Du dringend darauf achten, dass die Spielpartner angemessen sind für Deinen Welpen. Der Nutzen solcher Treffen ist meist minimal, der potentielle Schaden aber enorm.

Sozialisation und angemessenes gegenseitiges Verhalten sollte mit langweiligen und gelangweilten Althunden und einzelnen ausgewählten Spielfreunden erfolgen, nicht mit einem Club aufgekratzter Junghunde.

Welpenspielgruppen mit völlig unkontrolliertem Freispiel, Hetzjadgen und Mobbing solltest Du komplett meiden. Dein Hund kann dort nichts Gutes lernen und hat nur Spaß, wenn er selbst ein Bully und nicht das Mobbingopfer ist.

Ich meine dabei nicht nur das körperliche Risiko, wenn dein Welpe von einem großen Hund umgerannt wird. Auch psychisch kann es langwierige Folgen haben, wenn Du den Hund in eine Situation mit aufdringlichen anderen Hunden zwingst und ihm keine Wahl lässt diese Situation zu verlassen. Spätestens wenn dein Welpe bei Dir Schutz sucht, ist es Zeit heimzugehen. Und auch energische Hunde sollten einfach nicht die Gelegenheit kommen arschiges gegenüber Schwächeren zu praktizieren.

Egal ob Welpenspielgruppe oder privat: Die Spielzeit sollte sich auf sehr kurze Einheiten mit Pausen beschränken und beendet werden, bevor Dein Welpe Anzeichen für Stress zeugt (wildes im Kreis Rennen, Gähnen, Schütteln, Kratzen, frenetisches Bellen oder Winseln,…).

Man kann schon mit einem Welpen mit Spielzeug spielen und trainieren. Man muss nur darauf achten den Hund nicht zu harten Stopps, waghalsigen Sprungmanövern oder anderen Bewegungen mit großer Belastung für den Knochenapparat zu animieren.

Apportierspiele sollten dabei auf ein Mindestmaß reduziert werden, wenn der Hund hier von sich aus kein Maß kennt. Harte Stopps und Wendungen sind nicht sehr ideal, v.a. wenn der Hund aus vollem Galopp heraus bremsen muss.

Auch Zerrspiele sind möglich, aber achte darauf den jungen Hund nicht monoton aufwärts-abwärts zu schleudern und begib Dich beim Spielen auf seine Höhe.

Spielzeuge mit extra langem Band und Reizangeln, bei denen der Hund ein Plüschtier direkt am Boden jagt, sind weit weniger gefährlich  als den Hund hoch und weit nach seinem Spielzeug springen zu lassen.

Bedenke auch, ein Border Collie oder ein Malinois würde auch mit 8 Wochen schon stundenlang Bällchen spielen oder sich beim Frisbee spielen senkrecht in die Luft schrauben. Das bietet aber ein enormes Unfallrisiko und ist an sich nicht die gesündeste Art der Beschäftigung für Hunde.

Gerade Hunde mit viel „Trieb“ brauchen einen umsichtigen Halter, der Gefahren im Vorfeld erkennt und den Hund an maßlosem und zu dollem Verhalten hindert.

Bei solchen Hunden kannst Du lange warten bis der Hund von sich aus aufhört. Und das sollte man aus vielen guten Gründen gar nicht erst herausfordern.

Treppen steigen

Alle Bewegungen, die zu einer Überbeanspruchung für die Gelenke führen, bergen ein gewisses Risiko für den Hund.

Treppe hoch muss ein junger Hund sehr kräftig arbeiten und mit aller Muskelkraft sein eigenes Gewicht in die Höhe stemmen.

Treppe runter besteht Sturzgefahr und der Welpe „dotzt“ recht hart von Stufe zu Stufe.

Und nicht selten verlässt einen Welpen auf der Treppe der Mut und er versucht mehrere Stufen auf einmal zu überspringen.

Das Erklimmen von ein paar Treppenstufen ist an sich nicht sehr problematisch. Und natürlich sollte ein junger Hund frühzeitig lernen sich nicht vor Treppen zu gruseln.

Allerdings muss auch hier der gesunde Menschenverstand entscheiden.

Große schwere Hunde und Hunde, die noch sehr tapsig sind, sollten die ersten Wochen nach Einzug Treppen hoch und runter getragen werden.

Auch sehr kleine Welpen und Hunde mit langem Rücken, für die jede Treppenstufe einer Bergwanderung gleicht, sind um Hilfe dankbar.

Und natürlich kommt es auf die Art der Treppe an. Drei niedrige Stufen vor der Eingangstür bergen ein deutlich kleineres Risiko für den Hund als täglich mehrmals eine rutschige, offene (!) Treppe zwischen Erdgeschoss und erstem Stock im Galopp zu bewältigen.

Sowas solltest Du tatsächlich vermeiden bis Du den Hund für umsichtig und weit genug entwickelt hältst. Treppenabsperrgitter sind Dein Freund.

Sprünge

Zu hohen Sprüngen sollten junge Hunde nicht mutwillig animiert werden. Jeder Knall auf die empfindlichen Gelenke bietet ein mögliches Verletzungsrisko, vor allem für genetisch vorbelastete Hunde.

Mit Agility-Sprungtraining und vergleichbaren Übungen sollte so richtig ernsthaft erst nach Abschluss des Wachstums und der Freigabe durch den Tierarzt (per Röntgenbild!) begonnen werden.

Wenn Dein Welpe aber von selbst mal auf einen flachen Baumstumpf klettert und hinunterpurzelt, ist das in den meisten Fällen weniger dramatisch als es aussieht. Und das gehört in einem gewissen Maß eben auch zum Erkunden der Welt dazu.

Auch eine Bruchlandung beim Junghund birgt nur ein Risiko und führt nicht unweigerlich zu Verletzungen. Sollte Dein Welpe sich jedoch auffällig unkoordiniert bewegen, solltest Du das unbedingt direkt beim Tierarzt abklären.

Noch ein Punkt, auf den man achten muss: Wenn Dein Welpe auf die Couch klettert (und das lernen sie meist schneller als einem lieb ist), dann hilft ihm natürlich nur ein beherzter Sprung wieder auf den Fußboden.

Das solltest Du vermeiden. Denn Bruchlandungen beim Sprung von Möbeln runter zählen zu den Hauptursachen für Frakturen beim jungen Hund.

Biete Deinem Welpen ein breites Trittchen oder eine breite Rampe an. Noch besser ist es mit dem jungen Hund zu üben auf den Polstermöbeln zu bleiben bis man ihm hinunter helfen kann.

Ein komplettes Sprungverbot auf die Couch löst das Problem natürlich, macht nur Sinn, wenn Du das in der Praxis tatsächlich durchsetzen kannst.

Tricks und Übungen

Natürlich solltest du so früh wie möglich beginnen mit Deinem Hund kleine tägliche Trainingseinheiten in den Alltag einzubauen.

Rückruftraining, Balanceübungen auf Wackelkissen und kleine Tricks bringen Freude, erleichtern den Alltag mit dem Hund und sind durchaus sinnvoll.

Auf was Du bei Welpen speziell verzichten solltest sind monotone Drills (Sitz-Platz-Sitz-Platz…gähn) und Bewegungen, die den jungen Hund noch sehr anstrengen.

Die Meinungen darüber, welche Übungen genau schädlich für den Bewegungsapparat sein können, gehen in der Hundeszene sehr auseinander. Oftmals steckt hinter solchen Geboten auch mehr Wichtigtuerei als tatsächliches Wissen.

Wenn Du sicher gehen willst, dann wiederhole Übungen nicht zu regelmäßig und bringe Tricks und Übungen, die viel Körperspannung und Koordination erfordern, erst langsam und mit Bedacht bei, wenn der Hund soweit ist.

Dazu zählen Kunststücke wie Männchen machen, Rolle oder ein gerades „Sphinx-Platz“.

Gute Übungen für Welpen und Junghunde

Die meisten Welpen können sich erstaunlich gut selbst regulieren und gehen nicht so schnell kaputt.

Freilauf, buddeln, schwimmen und andere selbstbestimmte Bewegungen sind vollkommen in Ordnung, so lange man es nicht übertreibt.

Problematisch wird Bewegung für Welpen und Junghunde vor allem, wenn wir dem Hund ein spezielles Beschäftigungsprogramm aufzwingen. Denn klar, Hunde sind begeisterungsfähig und machen jeden Quatsch mit Freude mit.

Das gilt besonders für Welpen mit viel Pfeffer im Hintern, die oft kein eigenes Maß kennen.

Es liegt also an uns vorausschauend zu handeln und das richtige Maß an Bewegung für unseren eigenen Hund zu finden.

Die Mehrheit der Bewegung für Welpen sollte aus Erkunden, Spielen und albern im Gras rollen bestehen. Wenn Dein Welpe Dir deutlich zeigt, dass er ne Pause braucht, dann gönn ihm das.

Schlechte Übungen für Welpen und Junghunde

Der Körper junger Hunde ist nicht dafür gemacht ein hochintensives Sportprogramm zu bewältigen. Es fehlt an Muskelkraft, Koordination und einem voll einsatzfähigen Skelett und Gelenken.

Auch für Hunde mit sehr viel Drive und Energie gibt es bessere Optionen als wilde Hundespielgruppen oder Apportierspiele. Das ist weder gesund für den Körper noch für den Geist.

Auch die Schönrederei, dass junge Wölfe schon problemlos große Strecken zurücklegen, zählt hier nicht. Wir haben bereits geklärt, dass Bewegung an sich nicht das Problem ist, wohl aber das erhöhte Verletzungsrisiko bei waghalsigen Manövern.

Mal abgesehen davon, dass Wolfswelpen bereits viel koordinierter und weiter entwickelt sind als gleichalte Bulldoggen: Nur weil man kann, muss man nicht unbedingt.

Aktiv vermeiden oder nur in vernünftigen Maßen anbieten solltest Du bei Junghunden und Welpen alle Bewegungsabläufe, die riskant, waghalsig und mit viel Trauma und mechanischer Belastung verbunden sind:

  • Stundenlange Ballspiele, Wurfspiele, Frisbee, Apportierspiele
  • Sprungtraining und wiederholte Sprünge auf und runter von Möbeln
  • Intensives Training von stark beanspruchenden Hundetricks wie Kriechen, Rolle oder Männchen machen
  • Gleichbleibende erzwungene Bewegungen bei angeleinten strammen Spaziergängen, Joggen, Radfahren, Laufband, etc.
  • An der Leine zerren, einengende Hundegeschirre
  • Lange Spaziergänge auf Beton und Asphalt
  • Ausdauersport, Zugsport und übertriebenen Muskelaufbau
  • Alles, was den Hund aufdreht und bei dem der Hund kein eigenes Maß kennt

„Mein Welpe will aber mehr! Ich bekomm den sonst gar nicht müde!“

Bewegung und Hundefreispiel sollte niemals als Mittel eingesetzt werden, um den Welpen müde zu machen.

Das wirkt oft für Hundeneulinge sehr verlockend und funktioniert anfangs auch erstmal ganz gut. „Nur ein müder Hund ist ein glücklicher Hund“ ist beim Welpen genauso falsch wie beim erwachsenen Hund.

Fatalerweise werden viele der Anzeichen für zu viel Beschäftigung wie Rastlosigkeit und Unruhe als Langeweile interpretiert und der Hund mehr und mehr beschäftigt.

Aber schon bald rächt sich eine dauerhafte Überstimulation des Hundes, denn Du kannst diese künstlich geförderte Lust nach Action und Bewegung nicht dauerhaft befriedigen. Ein junger Hund hat sehr schnell viel mehr Ausdauer als Du und fordert immer längere Spaziergänge und Spiele.

Statt einem entspannten Junghund ziehst Du Dir so einen Actionjunkie heran, der MehrMehrMehr will als Du bieten kannst.

Und nicht selten geht zu viel Spaß schon direkt bei jungen Welpen nach hinten los und der kleine Terrorzwerg ist so aufgekratzt, dass er gar nicht mehr in den Schlaf findet.

Willst Du Deinen Welpen müde bekommen und eine Routine erarbeiten, dann ist mentale Stimulation sehr viel wertvoller.

Training schweißt zusammen, macht beiden Seiten Spaß (sollte es zumindest!) und ist nützlich. Du kannst die vielen täglichen Portionen komplett für Training und smarte Beschäftigung nutzen.

Und Denkspiele und Intelligenzspielzeuge, die das Promlöseverhalten herausfordern, sind viel wertvoller für die geistige und körperliche Entwicklung des Hundes als stumpfe Rennspiele.

Probier z.B. mal Schnüffelteppiche, Snackbälle oder einen Antischlingnapf aus.

Und es hat durchaus keinem überdrehten Welpen jemals geschadet „Ruhe halten“ zu lernen. Manchmal gibt’s im Leben halt kein Remmidemmi, auch daran muss sich ein junger Hund gewöhnen.

Ein weiterer Grund für einen maßvollen Tagesrhythmus mit vielen Ruhepausen: Wachstum braucht Schlaf und Ruhe und funktioniert besser, wenn der kleine Hund nicht 24 Stunden lang in Dauerbewegung ist.

Jeder Welpe braucht ein individuelles Bewegungs- und Beschäftigungsprogramm

Bewegung muss genau wie das Futter und die Fellpflege rasse- und bedarfsgerecht eingesetzt werden.

Unterschiede zwischen Hunderassen

Verschiedene Hunderassen bergen ein höheres Risiko für den Welpen im Laufe seines Lebens an orthopädischen Erkrankungen zu leiden als andere.

Dazu gehört zum einen ein dysfunktionaler Körperbau: Bei einem sehr langen Rücken, hohem Körpergewicht oder schlechter Winkelung  sind Schäden (frühzeitige Arthrosen, Bandscheibenprobleme,…) bei Überbeanspruchung vorprogrammiert.

Andere Hunderassen neigen vorwiegend an Gelenkerkrankungen (HD, ED, OCD,…), weil durch unglückliche Zuchtpraktiken Schadgene im Genpool dieser Rassen angehäuft wurden.

Und manche Hunde vereinen gleich beide Probleme: Ein ungünstig gebauter Schäferhund aus dubioser Hinterhofzucht hat auch bei umsichtigen Haltern vermutlich ein höheres Erkrankungsrisiko als ein gut gebauter Hund aus gesundheitlich tadelfreien Eltern und Großeltern.

Ein weiterer Faktor bei der Hunderasse sind Temperament und Koordinationsfähigkeit.

Knubbelige Bulldoggen sind oft sehr lange sehr tapsig und fallen öfter mal auf die Nase. Gleichalte Hütehunde können derweil schon problemlos auf schmalen Objekten balancieren und sind sehr trittsicher.

Triebige Hunde mit ausgeprägter Vergnügungssucht bringen sich häufiger in Gefahr und lieben Extremsport jeder Art. Ruhige Hunderassen und verträumte Welpen wollen lieber schnüffeln und bummeln und machen selten Unfug.

Die Hundegröße spielt eine Rolle

Bei sehr großen und schweren Hunden kommen gleich mehrere Probleme zusammen:

Einerseits wachsen diese Hunde sehr schnell. Eine Dogge hat mit 6 Monaten schon eine beachtliche Schulterhöhe. Die erhöhte Zellteilungsrate erhöht gleichzeitig das Risiko für Fehlbildungen. Wo gehobelt wird, fallen Späne.

Gleichzeitig schließen die Wachstumsfugen sich bei größeren Hunden erst spät. Die risikoreiche Zeit, in der man auf das richtige Bewegungspensum achten muss, verlängert sich also. Und damit natürlich das Risiko für Unfälle in diesem langen Zeitraum.

Und dazu sind eben auch gerade viele große Hunde erblich vorbelastet und bringen ein höheres Risiko mit sich an  Erbkrankheiten rund ums Wachstum zu erkranken.

Was Du bei der Bewegung für Welpen noch beachten solltest

» Bewegung selbst ist an sich erstmal nicht schädlich für Welpen. Aber zu viel des Guten kann das Risiko erhöhen versteckte Gelenkerkrankungen mit genetischer Ursache zu verschlimmern. Viel wichtiger als ein minutengenau geplanter Spaziergang ist die Art der Bewegung.

» Actionreiche Spiele mit harten Stopps und vielen Wendungen machen Spaß, erhöhen aber ganz banal das Risiko für Unfälle. Dem kleinen Hund keinen Spaß mehr zu gönnen ist aber auch nicht zielführend. Achte auf ein gesundes Maß, vermeide Extreme und hör auf, wenn’s grad am schönsten ist.

» Und ebenso wichtig ist eine langsame Steigerung des Bewegungspensums mit der Zeit. Am ersten Geburtstag „Juhu“ zu rufen und direkt voll ins Agilty-Sprungtraining, Radfahren und Dog Frisbee einzusteigen, ist nicht ratsam. Der Hund wird nicht über Nacht zum gesunden belastbaren Athleten, nur weil eine fiktive Datumsgrenze überschritten wurde.

» Vergiss auch nie die mentale Auslastung des Hundes. Vollgas und Action ist nicht alles im Hundeleben.

» Die Stimme der Vernunft muss man vor allem spielen bei Welpen, die zu absoluter Selbstüberschätzung neigen und sich schlecht selbst regulieren können. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste Knochengesundheit.

» Gerade Zeichen für Stress, Frust oder Aufgekratztsein werden zu oft als „Energiestau“ interpretiert, obwohl der kleine Hund eigentlich längst überfordert ist. Wenn Dein Hund „seine wilden 5 Minuten hat“ oder anderweitig aufgekratzt wirkt, dann gehört er vermutlich demnächst ins Bett Körbchen.

Zu behaupten „Ich bin aber gar nicht müde!“ ist absolut welpentypisch und ganz oft das letzte Aufbäumen, bevor der Welpe 10 Minuten später in den Tiefschlaf sinkt. Das darf man nicht interpretieren mit Langeweile oder noch-nicht-ausgelastet-genug.

Welchen Sinn hat Bewegung für junge Hunde?

Man geht nicht nur mit dem Welpen Gassi, damit er seine Geschäftchen draußen erledigt. Bewegung soll auch die Entwicklung des jungen Hundes fördern und ihn mit seiner Umwelt vertraut machen.

Welpen sind entweder im Tiefschlaf oder in Bewegung. Dazwischen gibt es nicht viel.

Das ist auch vollkommen ok so, kein Welpe muss künstlich ausgebremst werden, so lange er sich frei und normal bewegt und die Welt erkundet.

Training, Sozialisationsausflüge in die Umwelt, Stubenreinheitstraining, Spielen… all das ist absolut notwendig für die gesunde Entwicklung eines jungen Hundes.

Gesunde Gelenke allein nützen dem Welpen wenig, wenn er geistig verkümmert und isoliert gehalten wird.

Hier gilt es einen guten Kompromiss zu finden zwischen Action, normaler Bewegung und Ausbremsen der kleinen Sportskanone.

Selbstverständlich ist eine Viertelstunde gemeinsam auf ner Wiese chillen was anderes als ne Viertelstunde Training oder wilde Actionspiele.

Du brauchst keine akribisch genauen Bewegungsregeln und schon gar keine Panikmache.

Dein bester Freund ist der gesunde Menschenverstand. Wenn Du die Alltagsroutine Deines neuen Hundes als angemessen und entspannt empfindest, dann lass Dir nicht reinreden.

Die anderen wissen es auch nicht besser.

Zusammenfassung

Bewegung an sich ist nichts, wovon ein Welpe krank wird. Bewegung kann man auch nicht in Minuten und Kilometern messen.

Die ganzen Bewegungsformeln wie „Mach nur so und so viel/lang…sonst wird er krank!“ sind oftmals an den Haaren herbeigezogen, haben aber einen wahren Kern:

Denn mit jeder Wiederholung einer Übung und jeder weiteren Minute Spiel und Action erhöht sich das Risiko unglücklich zu stürzen oder ein mechanisches Trauma zu erleiden.

Das gilt vor allem für kleine Adreanlinjunkies, die gar nicht genug von Sprüngen und wilder Rennerei haben können.

Es wäre aber übertrieben einen Welpen angesichts des normalen Lebensrisikos (Unfälle können immer passieren) komplett ruhig zu halten.

Besser ist es mit gesundem Menschenverstand auf ein gutes Maß an Bewegung zu achten und alle Extreme zu vermeiden.

Am besten geeignet für Welpen sind kleine Spiel- und Trainingseinheiten sowie Spaziergänge, bei denen der Welpe ohne Leine das Tempo und die Pausen bestimmen kann.

Freispiel mit anderen Hunden sollte sinnvoll und geplant stattfinden. Lass Dir und Deinem Hund nix aufdrängen und meide unkontrollierte Welpenspielgruppen.

Beim Junghund kann man das Bewegungspensum wöchentlich in kleinen Schritten steigern und dabei darauf achten, dass man es nicht übertreibt, auch wenn der Hund am liebsten den ganzen Tag lang sausen würde.

Zum müde machen sind eine gute Tagesroutine, mentale Auslastung und Training sehr viel besser geeignet als ein forderndes körperliches Programm.

Außerdem: Bewegung ist nur ein Aspekt von vielen, die zu einem gesunden Wachstum beitragen.

Bitte handle mit gesundem Menschenverstand immer im Sinne Deines Tieres: Ein kranker Hund gehört immer zum Tierarzt! Du findest hier lediglich Erfahrungsberichte und allgemeine Informationen über Beschwerden und Symptome. Du findest hier weder Ersatz für eine individuelle tierärtzliche Beratung noch Therapieempfehlungen. Die hier präsentierten Produkte oder Aussagen sind nicht geeignet klinische Krankheitsbilder vorzubeugen, zu diagnostizieren oder zu behandeln

Quellen

[1] ANGELA AHERN – CCAS, CCAA: EXERCISING YOUR PUPPY SAFELY
https://dogsolutions.co.za/exercising-your-puppy-safely/

[2] Puppy Culture; Puppy Exercise that fits the puppy:
https://www.puppyculture.com/new-appropriate-exercise.html

[3] Am J Vet Res. 2012 Jun;73(6):838-46. doi: 10.2460/ajvr.73.6.838; Housing- and exercise-related risk factors associated with the development of hip dysplasia as determined by radiographic evaluation in a prospective cohort of Newfoundlands, Labrador Retrievers, Leonbergers, and Irish Wolfhounds in Norway; Krontveit RI1, Nødtvedt A, Sævik BK, Ropstad E, Trangerud C.

[4] Kids Who Exercise Are Less Likely to Have Fractures in Old Age:
http://healthland.time.com/2013/03/25/kids-who-exercise-are-less-likely-to-have-fractures-in-old-age/

[5] Dr. Daryl Millis: What is the logic behind not exercising puppies until the growth plates closed
https://www.mylamedog.com/post/what-is-the-logic-behind-not-exercising-puppies-until-the-growth-plates-are-closed