Gegenkonditionierung
im Hundetraining

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Wäre es nicht schön, wenn wir unseren Hunden einfach sagen könnten, dass sie sich manchmal grundlos aufregen oder unangebracht verhalten?

Bei (versehentlich) belohnten Verhaltensweisen versuchen wir diese Botschaft rüberzubringen, indem wir einfach fortan die Belohnung weglassen.



Bei Ereignissen, die „wie auf Knopfdruck“ Emotionen beim Hund auslösen, wird das allerdings schwierig.

Wenn Dein Hund sich über andere Hunde, die Türklingel oder den Tierarzt aufregt, ist das kein spezifisches Verhalten. Und belohnt wurde die Reaktion auch nie.

Dein Hund reagiert aus einer unbewissten Erwartungshaltung heraus, dass ihm gleich etwas Bestimmtes widerfahren könnte.

Und diese Erwartungshaltung müssen wir ändern, wenn wir das sichtbare  Verhalten verändern wollen.

Ein Weg aus diesem Verhalten ist die Löschung einer erlernten Assoziation.

Wenn Du nach dem Clicker nicht mehr belohnen würdest, würde der Hund irgendwann aufhören auf das Geräusch zu reagieren.

Aber das ist bei echten Alltagssituationen selten konsequent durchzuziehen, weil man ja nicht immer selbst in der Hand hat, was passieren wird.

Du weißt nicht, wann Dein Hund sich das nächste Mal erschrecken wird oder wie die nächste Hundebegegnung ablaufen wird.

Besser ist deshalb immer eine bewusste Gegenkonditionierung.

Also das Schaffen einer ganz neuen, viel positiveren Erwartungshaltung gegenüber einem Ereignis.

Gegenkonditionierung ist ein kraftvolles Mittel die Gefühlswelt eines Hundes in die gewünschte Richtung zu steuern.

Wenn ein Hund fest damit rechnet, dass die Türklingel, Hundebegegnungen und sogar Krallen schneiden zu spaßigen Ereignissen führen werden, gibt es keinen Grund sich aufzuregen.

Wenn Du ernsthafte Probleme im Training hast, solltest Du immer einen erfahrenen Trainer konsultieren. In der Zwischenzeit können Dir z.B. diese Bücher über Aggressionsverhalten beim Hund einen tieferen theoretischen Einblick in die Beweggründe Deines Hundes geben.

Wie läuft eine Gegenkonditionierung ab?

Bevor Du Dich mit der Theorie hinter der Gegenkonditionierung befasst, empfehle ich Dir dringend Dich mit den Abläufen bei der klassischen Konditionierung vertraut zu machen!

Hier geht’s zum Beitrag über klassische Konditionierung beim Hund.

Hier die Kurzform:

Bei der klassischen Konditionierung lernt der Hund Ereignisse miteinander zu verknüpfen.

Die Türklingel kündigt Eindringlinge an. Wespen kündigen Schmerzen an. Die Krallenzange kündigt unliebsame Pfotenpflege an. Und eine Hundesichtung kündigt einen Leinenruck an.

Hier wurde nichts belohnt, hier wurde eine Erwartungshaltung geschaffen.

Und so eine konditionierte emotionale Reaktion führt natürlich zu einem Verhalten:

Dein Hund regt sich schon vorsorglich über die Türklingel auf, flieht vor Wespen,  meidet Körperpflege oder bellt andere Hunde an.

Gegen eine klassische Konditionierung kann man sich nicht wehren.

Sie passiert ganz unterbewusst und passiv und die Reaktion wird unfreiwillig hervorgerufen.

Bei der Gegenkonditionierung bricht man diese Erwartungshaltung auf:

Man paart den Reiz, auf den ein Hund so unvorteilhaft reagiert, mit etwas aus Hundesicht Wundervollem.

Gegenkonditionierung ist also der Austausch einer Reaktion auf einen schon erlernten Auslöser hin.

In der Praxis will man hier in der Regel eine negative Erwartungshaltung gegen eine positive austauschen.

Man will dem Hund den Grund nehmen sich zu fürchten oder sich aufzuregen. Und ihm stattdessen einen Grund geben entspannt zu bleiben oder sich gar zu freuen.

Was man dafür tun muss?

Man sorgt für eine ganze Weile immer direkt nach dem konditionierten Reiz für ein ganz neues wundervolles Ereignis. Weil man das so gut Rumtragen kann, kommt hier in der Regel extra schmackhaftes Futter zum Einsatz.

Jedes Mal, wenn der Hund nun einen anderen Hund sieht, es in der Ferne bellen hört, die Türklingel ertönt oder man den Hund in eine mulmige Situation bringt, regnet es Kekse.

Gegenkonditionierung muss natürlich individuelle auf die Trigger zugeschnitten werden, auf die Dein Hund reagiert. Auch hier kann ein Trainer durch sein geschultes Auge helfen.

Wenn man es schafft durch genügend Umsichtigkeit und Timing dafür zu sorgen, dass der altbekannte Reiz mit diesem neuen eindrucksvollen Ereignis gepaart wird, wird die alte körperliche Reaktion ganz allmählich gegen eine neue Reaktion ausgetauscht werden.

Hier ein paar Beispiel-Situationen, die man in der Theorie durch eine gut geplante Gegenkonditionierung erreichen kann:

  • Türklingel → Einbrecher! Alarm!

    Türklingel → Lecker, jetzt gibt's Kekse im Körbchen!

  • Hundebegegnung → Stress, Angst, Impulsivität!

    Hundebegegnung → Hunde mag ich am liebsten. Hunde lassen die Leberwursttube in meinem Gesicht erscheinen.

  • Gruseliger Ort → Angst, Flucht, Meiden

    Gruseliger Ort → Dosenfutter! Hier bin ich am liebsten!

  • Frauchen ist genervt → In Deckung!

    Frauchen ist genervt → Kauteil! Ist gar nicht so schlimm!

Ich will hier keine falschen Illusionen wecken:

Die Lösung solcher Probleme ist oft langwierig.

Spätestens, wenn die Reaktion des Hundes weit übers harmlose Maß hinaus gehen, sollte man unbedingt einen Trainer konsultieren.

Denn als Halter muss man das Konzept nicht nur verstehen und erstmal anwenden lernen. Man muss auch alte Strukturen bei sich selbst aufbrechen.

Man arbeitet schließlich gegen eine schon bestehende Assoziation im Kopf des Hundes und im eigenen Kopf an. Das ist immer schwieriger als ein am Reißbrett geplantes Training.

Und gerade bei stressigen Situationen ist man eben nicht nur ein rationaler und unbeteiligter Zuschauer.

Auch man selbst lernt schnell durch die Reaktion des Hundes ganz unfreiwillig manche Ereignisse zu hassen. Türklingel, Hundebegegnung und Tierarzt verursachen auch beim Halter unwillkürlich Stress.

Die allergrößte Hürde ist wohl, dass sich Gegenkonditionierung für uns so schrecklich kontraintuitiv anfühlt.

Ich höre an dieser Stelle schon den ein oder anderen "Ja, aber..." denken.

Wenn es jetzt an der Tür klingelt und der Hund schon wie ein Kugelblitz bellend zur Tür rast, soll man dann tatsächlich noch Kekse geben? Belohnt man damit nicht sein Verhalten?

Wenn ein Hund einen Artgenossen sieht und bereits knurrt: Belohnst Du jetzt nicht sein Verhalten, wenn Du ihm Futter ins Gesicht hältst?

Und überhaupt… Ist der Hund nicht viel zu aufgeregt, um sich auf Kekse konzentrieren zu können?

Alles berechtigte Einwände!

Man wartet hier im Idealfall natürlich gar nicht erst eine Verhaltensreaktion beim Hund ab.

Man übt in Situationen, in denen der Hund sich gerade noch nicht aufregt, und reagiert selbst so schnell wie möglich direkt auf den konditionierten Reiz, nicht erst auf die Reaktion des Hundes.

Und ja, im Zweifelsfall füttert man auch, wenn der Hund schon reagiert!

Denn man muss immer Gefühl von Verhalten trennen:

Eine konditionierte emotionale Reaktion löst Gefühlslagen im Hund aus.

Und die meisten „großen Gefühle“ lösen ihrerseits erst ein Verhalten aus: Knurren, Bellen, Flucht, Freudentänze, etc.

Wir haben immerzu das Gefühl dem Hund Rückmeldung geben zu müssen, ob sein Verhalten uns gefällt oder nicht.

Klar sorgst Du mit Belohnung und Bestrafung dafür, dass Dein Hund sich trotz Aufregung halbwegs brav benimmt. Du versuchst es zumindest.

Er kann lernen in seinem Korb zu bleiben, wenn es an der Tür klingelt.

Er kann lernen nichts bis ins Leinenende zu donnern, wenn er sich über etwas aufregt.

Und Du kannst mit Belohnungen und Bestrafung in einem gewissen Rahmen regeln, ob der Hund sich gut oder schlecht fühlt.

Aber nimmst Du ihm damit, dass er bestimmte Auslöser immer noch viel zu aufregend findet?

Nicht wirklich.

Klassische Konditionierung löst einen stärkeren Effekt als operante Konditionierung aus.

Insbesondere der innere Drang zu fliehen oder anzugreifen ist oft so stark, dass man hier mit „Gehorsam“ nicht weit kommt.

In der Praxis bedient man sogar oft eine unerwünschte Fehlverknüpfung noch zusätzlich:

Der Hund regt sich auf, weil er fest damit rechnet, dass etwas Blödes passieren wird.

Wenn man jetzt noch zusätzlich an seinem Verhalten rummeckerst oder handgreiflich wird, stärkt man damit seine Erwartungshaltung.

Die Türklingel oder die Hundebegegnung kündigen nicht nur „Stress! Eindringlinge! Gefahr!“ an, sondern obendrein noch Bestrafungen durch den Halter.

Zumal bei vielen Hunden durch einen konditionierten Reiz solch hohe Erregungslagen ausgelöst werden, dass ein rationales Mitarbeiten und Mitdenken beim Training kaum noch möglich sind.

Klassische Konditionierung funktioniert allerdings auch in solchen Situationen.

Hier kommunizierst Du nicht mit Deinem Hund, sondern seiner unterbewussten Mustererkennung!

Bei einer konditionierten emotionalen Reaktion ist es also oft reine Symptompfuscherei nur am sichtbaren Verhalten zu arbeiten.

Viel nachhaltiger und wirksamer ist es durchzuatmen und die Abläufe von Ereignissen aus Hundesicht verstehen zu lernen.

Wenn man ausmachen kann, welche Ereignisse eine konditionierte emotionale Reaktion beim Hund verursachen, dann kann man diesen Ereignissen eine neue Bedeutung geben.

Es ist erstmal egal, ob der Hund nach der Türklingel bellt. Es ist erstmal egal, ob er sich an der Leine aufregt.

Man will eigentlich nicht das Verhalten trotz Aufregung ändern.

Man will verhindern, dass Dein Hund sich überhaupt aufregt!

Wenn der Körper des betroffenen Hundes nicht mehr mit Stresshormonen geflutet wird, wird er sich nicht aufregen.

Und wenn er cool bleibt, dann wird er auch nicht bellen, springen, winseln, ausflippen oder was auch immer uns an seinem Verhalten stört!

Betrachte es mal so:

Wenn der Leidensdruck groß genug ist und man seit Jahren mit „Zuckerbrot und Peitsche“ nicht von der Stelle gekommen ist… was hat man mit einem Versuch zu verlieren?

Wie ändert man eine emotionale Reaktion beim Hund?

Es gibt einige Methoden im Hundetraining, mit denen man emotionale Reaktionen verändern kann.

Nicht jede dieser Methoden ist eine Gegenkonditionierung im eigentlichen Wortsinn.

Eine Gegenkonditionierung findet nur statt, wenn ein vorher erlernter Reiz zu einer Reaktion führt und man diesem erlernten Reiz eine neue Bedeutung geben will.

Man löst also eine alte Reaktion gegen eine neue ab. Man arbeitet gegen eine bestehende Konditionierung.

Oft spielen aber verschiedene Trainingseffekte zusammen, deshalb hier ein kurzer Überblick:

Über Löschung von Assoziationen habe ich schon geschrieben. Hierbei führt ein ehemals konditionierter Reiz einfach nicht mehr zu erwarteten Resultat. Die Erwartungshaltung des Hundes verschwindet nach und nach.

Wenn wir zum Beispiel aufhören den Hund vom Tisch zu füttern, wird er auch bald nicht mehr sabbernd in unsere Richtung schielen.

Bei der systematische Desensibilisierung bringt man den Hund mit dem Reiz oder einer kleinen Komponente des Reizes in Kontakt.

Man sorgt aber dafür, dass durch genügend Abstand und eine geschickte Herangehensweise gar keine Reaktion beim Hund ausgelöst wird.

Der Hund wird zum Beispiel fast unbemerkt mit anderen Hunden oder auch nur ein Halsband-Klimpern in ganz weiter Ferne konfrontiert. Nach und nach begibt man sich näher an den Reiz bis die ehemalige Reaktion komplett vergessen ist und während dem Training nie absichtlich ausgelöst wurde.

Auch viele Geräusch-CDs, die den Hund durch eine kaum merklich ansteigende Lautstärke näher und näher an ein verhasstes Geräusch heranführen, arbeiten nach diesem Prinzip.

Diese Methode kann durch Gegenkonditionierung wunderbar ergänzt werden. Man konfrontiert den Hund nicht nur neutral oder lenkt ihn ab. Man sorgt ganz bewusst für ein positives Lernerlebnis und eine neue Verknüpfung.

Bei der Habituation gewöhnt sich der Hund an einen leicht störenden Reiz und die Reaktion wird nach und nach gehemmt. Zum Beispiel lernt schon ein Welpe sehr schnell nicht mehr jedes Mal umgehend aus dem Schlaf zu schrecken, wenn Du den Raum betrittst.

Ein ganz spezifischer Reiz wird durch wiederholte Präsentation als harmlos betrachtet bis er zu keiner Reaktion mehr führt.

Bei der Sensitivierung hingegen wird eine Reaktion immer stärker je häufiger ein bestimmter Reiz präsentiert wird. Das gilt vor allem für Reize, die unterbewusst als alarmierend wahrgenommen werden.

Beim ersten Geräusch im Dunkeln schaut der Hund nur, beim zweiten baut er sich auf und beim dritten schließlich bellt er.

Zu viele Stressauslöser hintereinander schärfen zusätzlich die Sinne. Wenn ein Hund zunehmend heftiger reagiert, dann ist es zeit das Training erstmal abzubrechen.

Den Hund im Training unterhalb seiner Reaktionsschwelle zu halten, ist immer das A und O. Aufgebracht lernt sich's schlecht.

Methoden der Gegenkonditionierung

Also, nochmal zusammengefasst.

Bei der Gegenkonditionierung belohnt man kein spezifisches Verhalten.

Bei der Gegenkonditionierung ändert man eine vom Hund erwartete Ereignisfolge.

In der Praxis erfordert die Umsetzung dieser Methoden ein ziemlich gutes Timing und einen Blick fürs Detail.

Ich rate Dir deshalb absolut dazu Dir zur Begleitung einen umsichtig arbeitenden Hundetrainer zu suchen, der die hier erklärten Konzepte anwenden kann.

Gegenkonditionierung ist nämlich meistens nicht die einzige Maßnahme, um ein Verhalten erfolgreich zu modifizieren.

Ja, wenn die Gegenkonditionierung greift, wird das zu einer positiveren Reaktion beim Hund führen. Das schafft aber nur die Grundlage, um von dort aus ein tatsächlich erwünschtes Verhalten zu trainieren.

Indirekte Gegenkonditinierung und Belohnen von ruhigem Verhalten

Die oft gelesenen Anleitungen im Netz, bei denen der Hund nur für ruhiges und braves Verhalten belohnt werden soll, führen manchmal auch zu einer nicht bewusst geplanten Gegenkonditinionierung.

Hier wird der Halter angehalten durch Abstand, Ablenkung und Gehorsam dafür zu sorgen, dass der Hund entspannt bleibt und soll ihn nur dafür zu belohnen.

Nur wenn der Halter einen ganz neuen Ehrgeiz entwickelt und dran bleibt, kann das irgendwann auf Umwegen das alte Reiz-Reaktionsmuster aufbrechen:
Der Hund lernt, dass auf einen konditionierten Reiz hin plötzlich der aufdringliche Halter sein größtes Problem darstellt.

Und wenn der Halter es tatsächlich schafft jedes Mal für eine positive Lernerfahrung zu sorgen, kann der Hund langfristig lernen auf einen Reiz hin ruhig zu bleiben.

Im besten Fall führt die Methode irgendwann zu einer indirekten Gegenkonditonierung:

Reiz → Mehr Abstand → Training durch den Halter bis was klappt → Lob → Futter

Aber ganz ehrlich: Das ist oft zum Scheitern verurteilt, weil ja exakt das mit dem Training unter Stresssituationen bisher nicht geklappt hat.

In der Praxis führt das oft nicht zu einer Gegenkonditionierung, sondern zu einem Hund, der immer noch unter seiner Fehlverknüpfung leidet, aber gelernt hat dennoch brav zu bleiben oder bleiben zu müssen. Das kann bei Ressourcenverteidigung und ähnlichen Problemen fatal enden.

Bei der direkten Gegenkonditionierung lernt der Hund, dass -ohne Wenn und Aber- der Reiz das Futter auslöst. Nicht irgendein spezielles Verhalten!

ReizFutter + Abstand

Warum es dann nicht gleich direkt angehen?

Weil sich alles in uns wehrt dem Hund "einfach so" Futter zu geben!

Man muss sich da schon gedanklich reinfuchsen, um zu verstehen, warum Gegenkonditionierung im Kern rein gar nichts mit Belohnen zu tun hat.

Und das gelingt scheinbar auch nicht jedem professionellen Hundetrainer.

Positive Gegenkonditionierung

Bei der positiven Gegenkonditionierung soll eine negative Assoziation durch eine positive ersetzt werden.

Im Ergebnis soll beim Hund also eine neutral-optimistische Stimmung ausgelöst werden, die zu einem mit der bisherigen Reaktion unvereinbaren Verhalten führt.

Click für Blick

Im englischen Sprachraum sind Varianten dieser Methode unter der Bezeichnung „Look at that!“ (LAT) bekannt.

Diese Form der Gegenkonditionierung wurde von der amerikanischen Hundetrainerin und Buchautorn Leslie McDevitt in ihrem Buch ‚Control Unleashed‘ (dt. „Stressfrei über alle Hürden“) vorgestellt und mittlerweile in vielen verschiedenen Varianten im Werkzeugkoffer jedes guten Hundetrainers zu finden.

Buchempfehlung: Stressfrei über alle Hürden!

"Stressfrei über alle Hürden" von Leslie McDevitt ist eines der Hundebücher, die man gelesen haben muss!.

Hier wird mit leicht verständlichen Anleitungen und vielen Beispielen erklärt, wie wir unsere Hunde dazu bringen auch unter Ablenkung den Fokus auf uns zu halten und kleine und große Hürden des Trainingsalltags zu meistern.

Hir geht's zum englischprachigen Original "Control Unleashed".

Bei dieser Methode brauchst Du einen Marker, das kann ein Wort oder eben auch der namensgebende „Click“ sein.

Wenn Dein Marker richtig konditioniert wurde, löst er beim Hund die freudige Erwartungshaltung auf eine Futterbelohnung und andere schöne Dinge aus. Er ist also etwas durch und durch Positives für den Hund.

In der operanten Konditionierung setzen wir so einen Marker ein, um dem Hund punktgenau mitzuteilen, welches freiwillige Verhalten belohnt werden wird.

Aber Anleitungen, bei denen der Hund ausschließlich fürs „Ruhig bleiben“ belohnt wird, haben mit Gegenkonditionierung nichts zu tun!

Den Hund kann man natürlich in jeder Situation auch zusätzlich für richtiges Verhalten bestätigen.

Bei der Gegenkonditionierung nutzen wir den Marker anders:

Wenn der Hund etwas sieht, das ihn aufregen könnte, klickt man sofort und immer und gibt dem Hund Futter.

Das Ganze funktioniert natürlich auch bei Geräuschen, gelegentlich nennt man die Methode deshalb auch „Click den Trigger“. Das reimt sich nur nicht so schön.

Am allerbesten funktioniert die Methode, wenn der Abstand zum verhassten Reiz groß genug ist, damit dein Hund ihn registriert, aber noch nicht reagiert.

Der Hund sollte im Training immer unterhalb seiner Reizschwelle bleiben. Entweder man wählt genügend Abstand zum Auslösereiz oder man macht den Auslösereiz bewusst leiser oder kleiner.

Das ist natürlich bei Reizen wie einer Türklingel nicht immer machbar.

So oder so aber ganz wichtig: Man wartet auf kein Verhalten, Denn man will nichts „belohnen“. Der Hund erhält Marker und Futter auch dann 1-2 Sekunden nach Wahrnehmen des konditionierten Reizes, wenn er sich schon aufführt wie Sau oder im Idealfall noch gar nicht reagiert hat.

Natürlich wird ein aufgeregter Hund kaum Kekse fressen können. Am besten eignen sich daher weiche hochwertige Kekse und Futtertuben, die auch ein aufgeregter Hund nebenher abschlucken kann.

Futterverweigerung ist aber am Anfang ganz normal, Du vergrößerst den Abstand zum Trigger und präsentierst das Futter trotzdem. Denn zumindest unterbewusst wird Dein Fütterungsversuch registriert werden.

Man will den Hund nicht zu rationaler Mitarbeit bewegen. Man will, dass das Unterbewusstsein des Hundes die neue Abfolge von Ereignissen registriert.

Der Anblick eines Triggers soll seine alte Bedeutung für den Hund verlieren und mit der neuen Erwartungshaltung „Dieser Reiz macht gute Dinge“ ersetzt werden.

Das funktioniert aber nur, wenn während der Lernphase in möglichst 100% der Situationen die neue Ereignisfolge erreicht wird. Der konditionierte Reiz muss jetzt immer mit dem neuen Resultat gepaart werden. Ganz unabhängig von der Reaktion des Hundes.

Man will einen Gegenpol zur vorhandenen Erwartungshaltung setzen. Und dafür ist ein Marker ideal, weil er eben unabhängig von der persönlichen Laune  punktgenau und immer eingesetzt werden kann.

Es würde auch funktionieren, wenn man dem Hund immer sofort nach dem Reiz ganz ohne Marker eine Futtertube ins Gesicht hält. In der Praxis ist man damit aber viel zu langsam.

Einen Marker hingegen kannst Du immer einsetzen.

Ohne Marker funktioniert das am besten, wenn man selbst den erlernten Reiz und die Abfolge von Ereignissen in der Hand hat:

  • Man präsentiert das verhasste Hundegeschirr → Futter
  • Man fasst den Hund an → Futter
  • Man nimmt die Leine vom Haken → Futter
  • Man startet den Staubsauger → Futter

Ein positiver Nebeneffekt beim richtigen Timing geschieht durch das Phänomen der externen Inhibition:

Wenn man zusammen mit einem konditionierten Reiz einen ablenkenden Reiz präsentiert, kann das die Reaktion abschwächen.

Click, verbale Aufmunterung und Futter können also mit dem richtigen Timing (wenn Du den Auslöser vor dem Hund kommen siehst) den positiven Nebeneffekt haben, dass Dein Hund sich schon deshalb nicht so sehr aufregt wie üblich.

Mit "Click für Trigger" kann man viele unerwünschte Reaktionen beheben, zum Beispiel das Bellen auf die Türklingel hin, eine übersprudelnde Reaktion auf andere Hunde oder auch Meidereaktionen auf angstauslösende Reize hin.

Je nach Problem und Auslöse-Situation ergeben sich verschiedene Varianten für diese Methode, die Du mit Deinem Trainer besprechen kannst.

Click fürs Reaktionsverhalten

Ja, Du liest richtig!

Man weiß, dass es zum Erfolg führen kann, wenn man bewusst die eigentlich unerwünschte Reaktion belohnt.

Das klingt jetzt vermutlich völlig bescheuert in Deinen Ohren, aber hör mir erst zu!

Wenn man einen Hund belohnt, dann stärkt man damit nicht nur ein Verhalten.

Man sorgt auch dafür, dass dem Hund etwas Positives widerfährt und er sich freut. Das ist ja genau das, was eine wirkungsvolle Belohnung ausmacht.

Wenn der Hund auf einen Reiz hin bellt, die Lefzen hoch zieht oder knurrt, dann ist das kein erlerntes Verhalten. Das ist das natürliche Ausdrucksverhalten für seinen momentanen emotionalen Zustand.

Und wir erinnern uns: Eine Emotion selbst kann man nicht belohnen oder bestrafen.

Der Hund wird also durch diese Maßnahme nicht zorniger oder ängstlicher werden.

Wenn man beginnt die zugehörigen Verhaltensweisen zu belohnen, kann das aber zu einer unbewussten Gegenkonditionierung führen.

Denn man kann damit erreichen, dass der Hund denkt sein Verhalten wäre ein Trick und beginnt einen Keks dafür zu erwarten.

Schau, wie schön ich gebellt habe. Wuff! Wuff! Wo bleibt mein Keks?

Wenn wir weiter belohnen, nimmt das den Stachel aus der Reaktion. Der Hund führt sich nicht mehr auf, weil er aufgeregt ist, sondern weil er Kekse haben möchte.

Das kann dazu führen, dass der Hund schon auf den Trigger hin nicht mehr in Rage gerät, sondern mit Keksen rechnet.

Türklingel → Aufregungsbellen

Türklingel → Aufregungsbellen → Kekse

Türklingel → Kekse???!

Man hat erfolgreich gegenkonditioniert. Denn der konditionierte Reiz kündigt nun ein anderes Ereignis als vorher an.

Jetzt muss man nur noch die nun rationale und freiwillige Reaktion des Hundes gegen ein erwünschteres Verhalten austauschen, für die der Hund fortan in dieser Situation seinen Keks  bekommt (z.B. Sitz statt Bellen) und ist das unerwünschte Verhalten los.

Das funktioniert in der Regel gut bei überschaubarem Verhalten und weniger gut bei explosiven Reaktionen des Hundes.

So blöd es sich anhören mag: "Im Zweifel...wirf Kekse!"

Denn das wird keinen großen Schaden anrichten. Aber es kann eben zu einer ungeplanten Gegenkonditionierung führen. Und das viel effektiver als der übliche Umweg über "wir belohnen nur Gehorsam".

Open bar – Closed bar

Diese Variante der Gegenkonditionierung geht auf die Hundetrainerin Jean Donaldson zurück.

Um dem Hund ganz deutlich zu machen, welcher Reiz plötzlich zu einem neuen positiven Ereignis führt, kann man gezielt Situationen schaffen, in denen der Reiz hinzu kommt und wieder verschwindet.

Man kann zum Beispiel eine Hilfsperson bitten in weiter, weiter Ferne einen langweiligen Hund „durchs Bild“ zu führen oder für einen verabredeten Zeitraum einen beängstigenden Regenschirm aufzuspannen.

So lange dieser Reiz anwesend ist, überschüttet man den Hund mit Futter. Sobald der Reiz verschwindet, hört man auf.

Wenn der Hund Stress hat, geht man auf Abstand. Wenn er entspannt bleibt, kommt man Training für Training ein bisschen näher an den Reiz.

So lernt der Hund nicht nur deutlich „Reiz → Futter“, sondern auch „Kein Reiz → Kein Futter“. Das beschleunigt die Bildung der neuen Assoziation.

Gerade bei Angstrektionen hemmt man durch die Keksparty das Reaktionsvermögen des Hundes in diesem Moment. Man nennt diesen Effekt "Reziproke Hemmung".

Damit ist gemeint, dass bei antagonistischen Systemen im Körper nur eins von beiden vom Gehirn angeschaltet und gleichzeitig der Gegenspieler gehemmt wird.

Eigentlich bezieht sich das auf Spinalreflexe: Wenn man einen Muskel anspannt, entspannt sich der Gegenspieler.

Man kann das aber in einem gewissen Rahmen auch auf komplexe Reaktionen wie etwa Angstverhalten übertragen. Wenn man stark positive oder "triebgeladene" Emotionen fühlt, wird eine gleichzeitige Angstreaktion teilweise unterdrückt.

Zeigen und Benennen

Wer ziemlich erfahren ist, kann dem Hund ganz bewusst beibringen nach Triggern in seiner Umgebung zu suchen und sogar verschiedenen Ereignissen einen eigenen Namen geben.

Dieses "Zeigen & Benennen" ist im Markertraining-Blog ausführlich beschrieben.

Wenn man zum Beispiel einen anderen Hund in der Ferne gesehen hast, den Dein Hund noch nicht bemerkt hat, kannst Du Deinen Hund anleinen und fragen „Wo ist der Hund?“. Wenn er sich umsieht un den anderen Hund erblickt, kannst Du ihn dafür wie gewohnt markern und füttern.

Man hat aus dem ehemaligen Stressverhalten einen Trick gemacht!

Das ist für alle Beteiligten unstressiger als warten zu müssen bis der Hund einen Trigger selbst bemerkt und dann unvorhergesehen reagiert.

Das Engage-Disengage-Spiel

Eine Weiterführung von „Click für Blick“ ist die Überleitung in die operante Konditionierung.

Diese Methode funktioniert gut bei erlernten und bei natürlichen Auslösern, an denen ein Hund sich „festglotzt“:

Ein anderer Hund in der Ferne, Rascheln im Unterholz,  die Nachbarskatze oder gruselige Objekte.

Man geht auf so viel Abstand, dass der Hund nicht übersprudelt, sondern nur sehr interessiert in die Richtung seines Interesses schaut.

Anschließend markert und füttert man alle paar Sekunden mit einer kurzen Pause zwischen den Wiederholungen.

Wenn alles klappt, hört man nach 10-20 Wiederholungen plötzlich auf zu füttern und schaut ganz genau hin. Fast jeder Hund wird für einen ganz kurzen Moment irritiert aus dem Augenwinkel zum Halter schauen, ein Ohr in dessen Richtung bewegen oder vielleicht sogar den Kopf drehen.

Hey, wo bleibt mein Futter?!

Wenn so eine Reaktion folgt, wird das zum neuen Kriterium für Futter.

Jetzt ist es kein "click für Blick" mehr, sondern man belohnt tatsächlich ein Verhalten beim Hund: Jede Zuwendung zum Halter.

Wenn der Hund sich fast gar nicht mehr dem Objekt seiner Begierde zuwendet, sondern nur noch nach dem Halter schaut, um Futter zu bekommen, geht man einen Schritt näher an den Reiz heran und beginnt das Spiel wieder von vorne.

Natürlich braucht das konstante Wiederholung. Man wird dem Hund nicht in einer Sitzung die komplette Reaktion auf einen Reiz nehmen können.

Wenn der Hund dieses Spiel verstanden hat, wird es ihm zunehmend leichter fallen sich aus seinem angespannten Fokus auf ein Objekt zu lösen und ansprechbar zu bleiben.

Und er lernt ganz automatisch von sich aus Kontakt zum Halter zu suchen, wenn er etwas bemerkt.

Vorsorgliche „Gegen“Konditionierung

Es ist immer schwieriger eine bestehende Konditionierung aufzubrechen als eine Fehlverknüpfung gar nicht entstehen zu lassen.

Bei typischen Ereignisabfolgen, die zu typischen Problemen führen, kann man dem vorbeugen.

Man kann schon beim Welpen bei jeder Hundesichtung, jedem Klingeln an der Tür oder jedem merkwürdigen Geräusch oder Erlebnis einfach prophylaktisch einen Keks verabreichen.

Man kann sich aus verschiedenen Positionen nähern, wenn der Welpe gerade ein Kauteil bearbeitet und einen Bonus-Keks werfen. Man kann sich dem Napf nähern und einen "Nachschlag" dazu geben. Das beugt schlechten Gefühlen gegenüber dem Halter in Essensnähe und späteren Problemen mit Ressourcenverteidigung vor.

Du verstehst die Idee dahinter bestimmt.

Man sorgt durch klassische Konditionierung dafür, dass der Hund all diese Dinge lieben lernt.

Das verhindert, dass die üblichen Ereignisfolgen wie „Türklingel → Eindringlinge“ oder „Hundekontakt → Stress“ überhaupt eine Chance bekommen erlernt zu werden.

Das macht den Hund stark gegen widrige Ereignisse in der Zukunft.

Aversive Gegenkonditionierung

Man kann durch Gegenkonditionierung natürlich auch eine positive Erwartungshaltung durch eine negative austauschen.

In der Regel wollen wir, dass unser Hund so viele gute Gefühle wie möglich hat.

Aber manchmal lässt er es sich etwas zu gut gehen und wir müssen eingreifen.

Wenn der Hund zum Beispiel gelernt hat, dass es Spaß bringt sich aus dem Mülleimer zu bedienen, die Tischbeine anzunagen und Pferdeäpfel oder gar seinen eigenen Kot zu fressen, kann man ihm diesen Spaß durch Gegenkonditionierung verleiden.

Ich bin ja nicht zu begeistern für den Einsatz von aversiven Methoden. Es sollte nie das Mittel der Wahl sein einen Hund zu strafen oder ihn zu erschrecken.

Ein gutes Management und ein smart trainiertes Alternativverhalten sind hier immer die Mittel der Wahl.

Aber viele der häufig angewandten Methoden fallen in diese Kategorie, deshalb der Vollständigkeit halber ein paar Beispiele:

  • Die Fütterung von Ananas gegens Kotfressen helfen, weil es den Geschmack verdirbt.
  • Viele Produkte mit Bitterstoffen, mit denen man die Tischbeine präpariern kann, sollen den Appetit auf Möbel verringern.
  • In der Viehhaltung versucht man sich Wölfe und andere Raubtiere vom Leib zu halten, indem man präparierte Fleischköder auslegt, die mit Brechmitteln versehen sind. Auch das verdirbt nachhaltig den Appetit auf Weidevieh.

Troubleshooting: Wenn Gegenkonditionierung nicht fruchtet

Wenn Gegenkonditionierung bei einem Problem nicht zu helfen scheint, dann sollte man zunächst die Umstände prüfen bevor man die Methode verteufelt.

Gegenkonditionierung ist im Humanbereich wie auch im Tiertraining bewährt und erprobt, aber erfordert eben Einiges an Übung und Beobachtungsgabe.

Wende Dich an einen erfahrenen Trainer, wenn Du Hilfe brauchst!

Hier sind ein paar Fallstricke, an denen eine Gegenkonditionierung beim Hund scheitern kann:

Wenn man gegen alltägliche Ereignisfolgen arbeitet, die beim Hund schnell wieder zur unerwünschetn Verknüpfung führen, dann ist das Training niemals beendet.

Wenn nach der Türklingel kein Keks mehr folgt, wird der Hund schnell in alte Erwartungshaltung zurückfallen und die unerwünschte Reaktion kehrt zurück.

Wenn der Hund eine negative Hundebegegnung durchlebt, wird er sich schnell an seine alte Reaktion auf Artgenossen erinnern, wenn von dir keine Reaktion erfolgt.

Bei manchen Ereignissen muss man dauerhaft am Ball bleiben!

Das neue Ereignis, das mit einem erlernten Reiz verknüpft werden soll, muss Eindruck auf den Hund machen. Es muss mindestens gleichwertig zu dem erwarteten Ereignis sein.

Wenn ein Hund damit rechnet gleich mit etwas konfrontiert zu werden, das ihn auf die Palme bringt oder zu Tode ängstigt, wird er das wegen einem Stück Trockenfutter nicht vergessen.

Wenn aber bei jedem noch so kleinen Kontakt zum Auslöser eine Handvoll Hähnchenbrustwürfel in seinem Mund landet, macht das Eindruck.

Und natürlich spielen hier Erregungslevel und Abstand zum Auslöser eine Rolle. Je schwieriger es für den Hund ist seinen Fokus abzuwenden, desto eindrucksvoller muss das neue Erlebnis sein.

Man muss den Hund so gut es geht unterhalb seiner Reaktionsschwelle halten.

Ganz oft passiert es auch, dass man dem Hund nicht beibringt, dass ein Trigger fortan Futter ankündigt, sondern genau das Gegenteil.

Man greift zum Beispiel schon zum Spielzeug oder in den Futterbeutel kurz bevor der Hund seinen Angstauslöser sieht. Man bringt dem Hund versehentlich bei, dass der Griff in die Tasche den konditionierten Reiz ankündigt!

Man muss darauf achten die korrekte Ereignisfolge einzuhalten. Der Hund muss erst den konditionierten Reiz wahrnehmen, erst dann kommt das Futter.

Und auch eine zu langsame Reaktion führt nicht dazu, dass der Hund versteht, dass die Türklingel oder der fremde Hund für den erst Minuten später verabreichten Keks in seinem Mund verantwortlich sind.

Dieser Fehler passiert oft, wenn man sich zu lange erst selbst sortieren muss. Oder wenn man in alten Denkmustern hängt und auf "gutes Verhalten" wartet, weil man Angst hat das "falsche Verhalten" zu belohnen.

Viele "hochtriebige" Terrier, Malinois oder Border Collies kann man auch in hohen Erregungslagen für ein Zerrspiel begeistern. Das wird von diesen Hunden nicht nur aus Beutegier gern angenommen.

Sondern auch deshalb, weil sich der "Tunnelblick" beim Spiel besser anfühlt als die Konfrontation mit einem Angstauslöser.

Man kann mit dem "Hund am Seil" an anderen Hunden und sogar an Wild vorbei gehen und alles ist in Butter.

Wenn man also jede Konfrontation vermeidet und den Hund gar nicht mitkriegen lässt, welches Ereignis das Spielzeug hervorgezaubert hat, kann der Hund nicht lernen.

Kann man den Hund so vom reagieren abhalten? Ja.

Löst man das Problem damit? Natürlich nicht.

Wenn ein Ereignis manchmal zu Futter führt und manchmal nicht, dann ist das zu unzuverlässig, um verstanden zu werden.

Wenn man manchmal nach der Türklingel füttert, manchmal auch nicht, manchmal erst die Türe öffnet und manchmal tatsächlich Eindringlinge im Flur stehen, dann wird der Hund kein neues Muster erkennen können.

Es muss jedes Mal die neue Abfolge eingehalten werden. Man muss es einfach machen. Ereignis A führt immer zu Ereignis B.

Um diese Methode erfolgreich anzuwenden, muss man die Körpersprache beim Hund lesen können. Man muss sehen können, ob der Hund zu gestresst zum Lernen und schon oberhalb seiner Reizschwelle ist.

Man will ja eine emotionale Reaktion ändern. Also muss man diese Veränderungen auch erkennen können.

Es erfordert ebenfalls ein geschultes Auge, um die ersten kleinen positiven Veränderungen erkennen zu können.

Auch hier kann ein erfahrener Trainer helfen.

 

Man muss natürlich nach bester Möglichkeit dafür sorgen, dass das bisherige als negativ erlebte Ereignis ausbleibt.

Wenn man dem Hund bei jeder Hundesichtung einen Kekse und trotzdem noch einen Leinenruck gibt, ist das nicht sehr effektiv, um seine Erwartungshaltung gegenüber Artgenossen zu ändern.

Wenn der Hund regelmäßig von aufdringlichen Fremdhunden belästigt oder jeden Tag am Zaun von den Nachbarskindern geärgert wird, sind alle Bemühungen ihn in diesen Situationen zu beruhigen natürlich vergebens.

Begleitendes Management dieser Situationen sind immer eine gute Idee. Zum Beispiel eine neue Gassistrecke oder ein Sichtschutz am Zaun.

Gegenkonditionierung braucht Zeit. Ein Hund hat viele, viele Erlebnisse gebraucht, um seine Reaktion zu erlernen. 100 Kekse reichen nicht, um diese Lernerfahrung auszutauschen. Man muss konsequent am Ball bleiben, bevor man Erfolge sieht.

Der Hund gibt das individuellen Lerntempo vor.

Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

Die Grenzen des Machbaren

Man kann die Gefühlswelt des Hundes auch mit den besten Methoden nur in einem gewissen Rahmen verändern.

Hunde sind nicht aus Knete. Auch das beste Training verändert nicht den ganzen Charakter.

Manche Hunderassen sind besonders impulsiv. Andere sind besonders schüchtern.

Man kann die Persönlichkeit eines Hundes nicht komplett an seine Wünsche anpassen. Manchmal ist Management eine besser Wahl als sich an fruchtlosem Training aufzureiben.

Denn viele emotionale Reaktionen beim Hund sind nicht erlernt, sondern angeboren.

Auch ganz ohne vorherige Lernerfahrung möchten viele Hunde Katzen jagen, finden Futter extrem toll oder ängstigen sich vor lauten Geräuschen.

Man kann versuchen durch die genannten Methoden eine zu explosive Reaktionsstärke abzumildern, aber man wird durch diese Methoden keinen Malinois zum Pudel machen. Oder umgekehrt.

Denn die Persönlichkeit und die Vorlieben eines Hundes lassen sich mit Training nicht beliebig formen.

Nicht jedes Verhalten ist erlernt. Nicht jedes Verhalten ist gegenkonditionierbar.

Ein weiteres Problem ist die mangelnde Kontrolle über die Umwelt.

Man kann immer mal blöde Erlebnisse haben, die zu Trainingsrückschritten führen.

Gute Trainingssituationen zu finden und schlechte Trainingssituationen zu vermeiden ist oft schwer.

Manche Auslöser tauchen unberechenbar auf oder sind kaum fürs Trainingszwecke zu reproduzieren.

Ich rate Dir auch deshalb dazu Dir einen guten Hundetrainer zu suchen. Oftmals umfasst das Angebot auch das Schaffen solcher Lernsituationen.

Zum Beispiel werden immer häufiger so genannte "Social Walks" angeboten. Bei diesen begleiteten Spaziergängen mit mehreren Hunden an der Leine kann Dein Hund gute Erfahrungen machen und Du kannst unter Anleitung Dein Auge schulen.

Es gibt noch weitere Hürden, die ein erfolgreiches Training erschweren:

Es sind immer ganz viele Lernmechanismen gleichzeitig am Werk, nicht nur die geplanten und erwünschten.

Gerade die Mehrhundehalter wissen nur zu gut, dass manche Reaktionen durch „soziales Lernen“ vom Althund auf den Nachwuchs übergehen.

Es ist besonders schwierig eine Reaktion zu ändern, die immer wieder gegenseitig angefacht wird.

Und auch stark selbstbelohnende Verhaltensweisen und ganz impulsive emotionale Reaktionen sind schwieriger in den Griff zu bekommen, weil man kaum an den Hund ran kommt.

Neben dem Hundetrainer sollte deshalb auch der behandelnde Tierarzt konsultiert werden. Er kann u.U. dabei helfen den Hund in eine aufnahmefähigeren Zustand zu bekommen.

Wie beim Menschen: Nicht jedes psychische Problem ist durch simples Training therapierbar. Hier sollte man realistisch alle Maßnahmen durchleuchten.

Zusammenfassung

Gegenkonditionierung ist ein hocheffektives Mittel, um die Gefühlswelt unserer Hunde zu beeinflussen.

Man paart ein ehemals als schlecht erlebtes Ereignis mit einem neuen guten Resultat.

Gegenkonditionierung gehört in den Werkzeugkoffer jedes guten Hundetrainers.

Denn bei vielen der emotional geladenen Verhaltensweisen nützt ein reines Rumdoktern am sichtbaren Verhalten wenig.

Da Gegenkonditioneirung sich anfangs furchtbar kontraintuitiv anfühlen kann, empfehle ich Dir Dich gedanklich so lange damit zu beschäftigen bis Du die Methode wirklich im Kern verstehst.

Leider leugnen gerade viele der strafbasiert arbeitenden Trainer die Methode und pfuschen lieber daran herum den Hund gefügig zu machen.

Lass Dir nichts erzählen, bleib fair, entwickle realistische Erartungen und such Dir einen guten Hundetrainer!

Dann klappt's auch mit dem Training ♥

Trainingsprobleme solltest Du im echten Leben gemeinsam mit einem Hundetrainer lösen!

Du findest hier lediglich Erfahrungsberichte und allgemeine Informationen über Lernverhalten und die Theorie rund ums Lernen und Verhalten beim Hund. Du findest hier weder Ersatz für eine individuelle Beratung und natürlich auch keine individuell zugeschnittenen Trainingsempfehlungen für Deine einzigartige Situation.