Podenco Ibicenco

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Der Podenco Ibicenco ist eine spanische Hunderasse, deren Vertreter leider meist als Tierschutzfälle auf unseren Sofas landen.

Steckbrief:
Podenco Ibicenco

Der Podenco Ibicenco ist ein mediterraner Jagdhund mit windhundeähnlicher Statur. Er wird in Spanien zur Jagd auf Niederwild eingesetzt.

Größe
 60-67 cm, ♂ 66-72 cm

Gewicht
bis ca. 35 kg

Hundetyp
Jagdhund vom Urtyp

Lebensdauer
10-12 Jahre

Geschichte und Herkunft

Obwohl er als Ibiza-Podenco bezeichnet wird, kommt er auf den gesamten Balearen und auch auf dem spanischen Festland unter vielen Namen wie Mallorqui, Xarnelo, Mayorquais, Charnegue oder Charnegui vor. Auf den Inseln Mallorca, Ibiza, Menorca und Formentera kennt man ihn auch katalanisch als Cà Eivissenç.

Einer bekannten Theorie zufolge solle s sich womöglich um einen Nachkommen des ägyptischen Tesem handeln. Dieser heute ausgestorbenen Hundetyp wurde mit dem Körperbau eines Windhundes, Ringelrute und Stehohren bereits 3400 v.Chr. abgebildet. 

Tesem (ca. 2065 v. Chr.)

Allerdings ist diese Abstammung nie bewiesen worden. Es ist genau so wahrscheinlich, dass die Podencos in all ihren Varianten von lokalen Landrassen abstammen oder auf halbwilde Pariahunde des Mittelmeerraums zurückgehen.

Der primitive und robuste Podenco wird in seiner Heimat so oder so schon lange als Jagdhund v.a. für Wildkaninchen eingesetzt.

Etwa 1929 gelangten Exemplare nach England und wurden dort gezüchtet.

Podenco um 1907

Da die Verwandtschaft zwischen diesen hochbeinigen schlanken Jagdhunden vom Urtyp wie den Podencos, dem Pharaoh Hound oder dem Cirneco dell’Etna so offensichtlich ist, wurden Hunde dieses Typs von der FCI zunächst ab 1963 als Pharaonenhunde zusammengruppiert.

Erst ab 1977 trennte man die verschiedenen Hunde je nach geographischer Herkunft in einzelne Hunderassen auf.

Größe und Aussehen

Mit 60-67 cm für Hündinnen und 66-72 cm für Rüden ist der Podenco Ibicenco eine große Hunderasse.

Da er nicht sehr massig ist, hält sich das Körpergewicht in Grenzen und liegt meist deutlich unter 35 kg.

Allerdings kann er sehr energisch werden, wenn er Jagdbeute wittert, so dass man ihm auf jeden Fall gewachsen sein sollte, auch wenn er mal im Sprint ins Ende seiner Schleppleine donnert.

Der lange keilförmige Kopf wirkt manchmal ein bißchen klein auf dem muskulösen massigen Körper und unter den großen Pommestüten Stehohren.

Diese Hunde haben zwar keinen ganz so schmalen Fang wie ein typischer Windhund, aber sind trotzdem auffällig dolichocephal. Das bedeutet sie sind im Vergleich zu einem normal geformten Hundeschädel sind sie eindeutig eher langnasig.

Alle Podencos tragen braunes Pigment und sind rezessiv Rot oder Rot-Zobel.

Man findet kein schwarzes Haar am Körper und im Hautpigment. Die Nasen, Lippen und Lidränder dieser Hunde sind immer fleischfarben. Da es sich oft um Weißschecken handelt, kommen auch braun gesprenkelte Schmetterlingsnasen und braune Hautflecken vor, erwünscht ist das offiziell nicht.

Die Augen sind wie bei allen braun pigmentierten Hunden gelb bzw. honig- bis karamellfarben.

Laut FCI-Standard soll der Blick dieser Hunderasse Intelligenz, aber auch Ängstlichkeit und Misstrauen verraten[1]. Eine sehr unglückliche Formulierung, die dem Charakter dieser Hunde nicht gerecht wird, finde ich.

Die Stehohren werden bei Aufregung senkrecht nach oben, in der Freizeit aber auch mal seitlich gerichtet à la Dobby oder Yoda getragen.

Der Podenco Ibicenco ist hochbeinig und sehr schmal gebaut.

Er wirkt sehr knochig und mager, als Halter so eines Hundes ist man es schnell gewohnt von Fremden auf den vermeintlich „armen dürren Hund“ angesprochen zu werden. Das Gangwerk befähigt diese Hunde zu einem leichtfüßigen schwebenden Trab und wirkt alles andere als schwerfällig.

Die meisten dieser Hunde sind kurzhaarig.

Es gibt aber auch eine rauhaarige Variante mit kurzem oder langem Fell. Letztere Frisur ist jedoch sehr selten, diese Hunde haben dann einen auffälligen Bart und einen dicht und struppig behaarten Kopf.

Die Fellfarbe reicht von ganz weiß bis ganz rot. Viele Hunde sind gescheckt und haben kupferrote Flecken auf weißem Untergrund. Die rauharigen Varietäten können auch eine ausgebleichte falbfarbene oder blondrote Fellfarbe haben.

Temperament und Haltung

Der Ibiza-Podenco sieht zwar aus wie ein Windhund mit großen Stehohren, aber er ist kein reiner Sichtjäger.

Denn zur Kaninchenjagd bei Nacht oder im strauchigen Gelände nutzt er auch seinen ausgezeichneten Geruchssinn. Oft jagen mehrere dieser Hunde gemeinsam.

Der spanische Podenco gilt als sehr intelligent. Schließlich braucht er die Fähigkeit und Initiative selbstständig eigene Entscheidungen zu treffen und ohne menschliche Ansage zu jagen und dabei sehr kleine flinke Wildtiere aufzuspüren und zu fangen.

Die Jagdleidenschaft dieser Hunde ist enorm ausgeprägt, was viele unerfahrene Halter unterschätzen. Denn auch Hunde aus dem Tierschutz vergessen ja nicht einfach aus Dankbarkeit über ihre Rettung, dass sie Vollblutjagdhunde sind.

Und zu selten prüfen die neuen Halter, ob sie täglich ausreichend Freilauf in sicher eingezäuntem Gelände bieten können.

Jagdinteresse erfordert Management und Weitsicht, abtrainieren kann man sowas nicht.

Denn dem Podenco wird mit seiner äußerst aufmerksamen Art kein Wild entgehen und er wird jedes Kaninchen, das am Horizont auftaucht laut bellend, ausdauernd und schnell verfolgen wollen.

Da der Podenco Ibicenco aber dennoch ein sehr großes Maß an Bewegung braucht, um ein auf allen Ebenen glücklicher Hund zu sein, muss man sich etwas einfallen lassen. Nur an der kurzen Leine spazieren zu gehen macht keinen Hund fröhlich, schon gar keinen Jagdhund.

Ein ausgelasteter Podenco ist dafür im Haus ein ruhiger und angenehmer Hund. Er liebt Sonnenbäder im Sommer und ein kuscheliges Plätzchen im Winter.

Auf fremde Situationen und Menschen reagiert er meist neutral distanziert, zurückhaltend bis vorsichtig. Ängstliches Zurückweichen und übertriebene Schreckhaftigkeit sind nicht normal und eine Eigenschaft, die vor allem Hunde „mit Vergangenheit“ aufweisen.

Durch ihr kurzes Fell ist diese Hunderasse sehr pflegeleicht und hat wenig Eigengeruch. Nur die Krallen an den großen Pfoten müssen regelmäßig eingekürzt werden, so dass man den Hund am besten von Anfang an an einen Krallenschleifer gewöhnt.

Die meisten Vertreter dieser Hunderasse und ihre Mischlinge gelangen als erwachsene Tiere unbekannter Herkunft über dem Mittelmeer-Tierschutz nach Deutschland. Diese Hunde bringen manchmal gesundheitliche Probleme und viel häufiger einige Verhaltensauffälligkeiten mit sich.

Ob sich so ein Hund gut bei Ersthundehaltern ohne Erfahrung macht, muss man natürlich im Einzelfall entscheiden, sollte aber nicht zu naiv an die Sache herangehen.

Hunde sind Individuen!

Die Vererbung von Temperament oder Charakter lässt sich weniger gut planen als die Vererbung von äußerlichen Merkmalen wie Größe oder Fellfarbe. Verhalten wird zudem beeinflusst durch Erfahrungen und Training. Achte darauf einen guten Züchter zu suchen, der sich besonders Mühe mit der Auswahl und Aufzucht seiner Hunde gibt.

Gesundheit

Es gibt keine rassetypischen Erkrankungen und die Selektion auf Leistungsfähigkeit haben den Podenco Ibicenco zu einem belastbaren und zähen Jagdhund mit robuster Gesundheit gemacht.

Nicht vergessen sollte man allerdings, dass einige Hunde aus dem Auslandstierschutz ungeachtet ihrer Hunderasse schon beim Import chronisch an Mittelmeerkrankheiten wie Leishmaniose leiden können.

Anschaffung

Hier findest Du Anlaufstellen für Vermittlungshunde und Welpen mit FCI-Papieren:

Weder vom kurzhaarigen noch vom rauhaarigen Podenco Ibicenco gab es in den letzten Jahren im VDH viele Welpen zu verzeichnen[4]. Die große Mehrheit aller hiesigen Hunde strammt aus dem Tierschutz.

Links

[1] FCI-Standard Nr. 89: Ibiza-Podenco (2000);
http://www.fci.be/de/nomenclature/IBIZA-PODENCO-89.html

[2] VDH-Rasseportrait : Podenco Ibicenco.

[3] Deutscher Windhundzucht- und Rennverband e.V. (DWZRV): Podenco Ibicenco.

[4] Welpenstatistik der VDH-Mitgliedsvereine (2021);
https://www.vdh.de/ueber-den-vdh/welpenstatistik/