Haarlosigkeit bei Nackthunden: Wie Xolo und Co. ihr Fell verloren haben

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Es gibt aktuell vier offizielle Nackthunderassen:

  • American Hairless Terrier
  • Chinesicher Schopfhund
  • Mexikanischer Nackthund (Xoloitzcuintle)
  • Peruanischer Nackthund (Viringo, Perro sin pelo del Perú, Peruvian Inca Orchid)

Hier erfährst Du, wie vererbte Haarlosigkeit bei Nackthunden funktioniert.

Wenn Du vor allem Bilder dieser skurrilen Hunde sehen möchtest, empfehle ich Dir die Bilderserie über Nackthunde der Hundefotografin Sophie Gamand auf ihrer privaten Seite.

Semi-dominante Haarlosigkeit beim Hund

Beim Chinesichen Schopfhund, dem ‚Xolo‘ und dem Peruanischen Nackthund wird die Haarlosigkeit durch eine Mutation im FOXI3-Gen (forkhead box transcription factor) verursacht.

Alle drei Hunderassen sind sehr, sehr alt und werden schon lange in ihren Heimatländern mehr oder weniger zielgerichtet gezüchtet, aber die genauen Ursprünge sind nicht geklärt.

Genetische Untersuchungen brachten zutage, dass die Mutation bei allen drei Rassen auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückzuführen ist, der Chinesische Nackthund und die beiden südamerikanischen Rassen sind also verwandter als man dachte.

„Animal Life and the World of Nature; A magazine of Natural History“ (1902)

Die heutigen Mexikanischen und Peruanischen Nackthunde tragen nur ein bißchen „Resthaar“ auf Kopf und Rücken. Der Chinesische Schopfhund hingegen lässt sich die namensgebende Haartolle und auch sonst etwas mehr „Fluff“ stehen.

Es wird vermutet, dass hier weitere Modifizierungsgene über das Ausmaß der Haarlosigkeit entscheiden und dass v.a. beim Chinesischen Schopfhund gezielte Selektion von Zuchtpartnern zum etwas üppigeren Fell und Langhaarigkeit geführt hat.

Denn Schopfhunde besitzen im Gegensatz zu den anderen Nackthunden llanghaarige „Furnishings“ (Gesichtsbehaarung).

Das von der Mutation betroffene FOXI3-Gen hinter der semi-dominant vererbten Haarlosigkeit ist u.a. beteiligt an der embryonalen Entwicklung von Haut und Haarpapillen, Teilen des Nervensystems sowie der Zähne.

Ohne ein funktionierendes FOXI3-Gen kann ein Hund nicht existieren.

Das ist auch der Grund dafür, warum es keinen Nackthund gibt, der homozygot für das Hairless-Allel (Hr) ist.

Denn Homozygotie mit zwei defekten Allelen (Hr/Hr) führt zu  prenataler Letalität (die Embryonen werden bereits während der Trächtigkeit resorbiert).

Dieser Umstand sorgt dafür, dass alle sichtbar nackten Hunde dieser Rassen heterozygot (Hr/hr) für das Merkmal sind.

Leider geht auch der heterozygote Genotyp mit Zahnfehlern bis hin zu Gebissanomalien, gelegentlichen Missbildungen der Ohren und einer vermuteten Immundefizienz einher.

Das „Gutachten zur Auslegung von § 11b des Tierschutzgesetzes‚ (S. 22) sieht Haarlosigkeit daher als Defektgen an und rät von einer gezielten Zucht mit diesem Merkmal ab.

Da es sich um sehr alte Hunderassen handelt, die in ihren Heimatländern als Kulturgut empfunden werden, ist ein Zuchtende allerdings nicht realistisch in Sicht.

Wie wird semi-dominante Haarlosigkeit vererbt?

Das Merkmal wir semi-dominant vererbt, man spricht salopp aber auch einfach von dominanter Haarlosigkeit.

Das führt bei der Zucht dieser Hunde dazu, dass unvermeidbar auch regelmäßig behaarte Welpen geboren werden:

  • Bei einer Verpaarung von zwei haarlosen Hunden (Hr/hr) hat jeder lebende Welpe eine Chance von 2:1 haarlos geboren zu werden. Die Wurfgröße ist durchschnittlich etwas reduziert, da ein Teil der Welpen aufgrund des Letalfaktors (Hr/Hr) nicht geboren werden.
  • Bei einer Verpaarung von einem haarlosen Hund (Hr/hr) mit einem Hund mit Fell (hr/hr) umgeht man die letale Kombination Hr/Hr, nimmt dafür aber in Kauf, dass jeder Welpe eine Chance von 50 % hat mir Fell geboren zu werden.

Letzeres gilt übrigens auch für die Mischlinge dieser Nackthunde mit behaarten Hunden anderer Rassen.

Beim Chinesischen Schopfhund ist die Variante mit Fell als eigene Varietät anerkannt und wird als „Powder Puff“ bezeichnet.

Auch beim Xolo und dem Peruanischen Nackthund werden die behaarten Varietäten in der FCI anerkannt (alles andere ist ja auch absurd).

Rezessive Haarlosigkeit beim Hund

Beim American Hairless Terrier (AHT) folgt die Haarlosigkeit einem rezessiven Erbgang. Die Haarlosigkeit tritt nur auf, wenn der Hund homozygoter Träger dieses Erbmerkmals ist.

Vererbung der Haarlosigkeit beim American Hairless Terrier

Verantwortlich ist eine Mutation im SGK3-Gen (Serum-Glukokortikoid-regulierte Kinase 3). Dieses Gen ist beteiligt an der Entwicklung von Haarfollikeln nach der Geburt.

Welpen des American Hairless Terrier werden deshalb mit etwas Behaarung geboren, welche sie im Laufe der ersten zwei Lebensmonate wieder verlieren (Hypotrichose).

American Hairless Terrier (i) Neugeboren; (ii) 2 Wochen; (iii) 5 Wochen; (iv) Adult;
Original aus “The bald and the beautiful: hairlessness in domestic dog breeds.” Parker, Heidi G et al. ; Philosophical transactions of the Royal Society of London. Series B, Biological sciences vol. 372,1713 (2017): 20150488. doi:10.1098/rstb.2015.0488; veröffentlicht unter CC BY-SA 4.0

Im Gegensatz zur semi-dominanten Haarlosigkeit bei den anderen Hunderassen gilt diese Mutation weder als Letalfaktor noch führt sie zu Missbildungen oder Zahnfehlern.

Allerdings sind auch diese Hunde wie alle Nackthunde von einer erhöhten Sonnenbrandgefahr und einem vermutlich erhöhten Hautkrebsrisiko betroffen.

Der AHT ging aus der Population des amerikanischen Rat Terrier hervor und ist im amerikanischen Zuchtverband AKC seit 2016 als eigene Hunderasse anerkannt.

Eine Zucht mit ausschließlich reinerbig haarlosen Tieren wäre also möglich und wird auch angestrebt.

Seit der Entstehung dieser Hunderasse aus nur wenigen Gründertieren in den 197oern werden aber bis heute noch regelmäßig Rat Terrier mit Fell eingekreuzt, um eine zu massive Inzucht zu vermeiden.

Quellen

[1] Parker, Heidi G et al. “The bald and the beautiful: hairlessness in domestic dog breeds.” Philosophical transactions of the Royal Society of London. Series B, Biological sciences vol. 372,1713 (2017): 20150488. doi:10.1098/rstb.2015.0488

[2] Hairlessness in American Hairless Terriers (Genomia): https://www.genomia.cz/en/test/hairlessness-amt