Der ultimative Ratgeber zu Demenz bei Hunden

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Verhält Dein Hund sich neuerdings auffällig schrullig, kann sich auf nichts mehr konzentrieren und wirkt, als würde er geistig in einer anderen Dimension weilen?

Auch Hunde können im Alter ähnliche Stadien der kognitiven Einschränkung durchlaufen wie ein an Alzheimer erkrankter alter Mensch.

Aufhalten kann man Demenz auch beim Hund nicht, aber helfen.

Diagnose einer Demenz bei Hunden

Eine Demenz ist ein Symptomkomplex, der viele verschiedene sichtbare Ausprägungen annehmen kann. Die beim Menschen bekannteste Form ist wohl die Alzheimer-Demenz. Beim Hund ist man noch nicht soweit verschiedene Formen der Demenz zu klassifizieren.

Es gibt kein eindeutiges Testverfahren für Demenz bei Hunden!

Eine Diagnose kann im Zweifelsfall überhaupt nur per Ausschlussverfahren gestellt werden.

Das gestaltet sich manchmal als schwierig. Denn erstens verändern Hund auch ganz ohne eine Demenzerkrankung ihr Verhalten mit fortschreitendem Alter. Zweitens führen auch allerhand andere Krankheiten, die gerade alte Hunde betreffen, oft zu ähnlichen Verhaltensänderungen.

Und natürlich können ähnliche Krankheitssymptome mit ganz anderer Ursache (Erblinden führt z.B. auch zu Orientierungslosigkeit) zusätzlich zu einer Demenz auftreten.

Das kann sogar dazu führen, dass durch diese Symptomüberlappung Krankheiten unerkannt bleiben, weil man den Hund halt für tüddelig hält und seinen Tierarzt nicht auf diese Zeichen aufmerksam macht.

Man sollte Verhaltensänderungen beim älteren Tier also bitte niemals voreilig als normal abtun, da man im Zweifelsfall damit unbewusst ein vielleicht behandelbares Leiden duldet.

In der Regel kann man von einer Demenz beim Hund ausgehen, wenn ohne auffindbaren Grund mehrere der folgenden Einschränkungen gleichzeitig vorliegen.

10 Anzeichen für eine Demenz beim Hund

Demenz beim Hund wird gelegentlich auch als „kognitive Dysfunktionsstörung“ bezeichnet.

Unter dem Begriff ‚Kognition‘ werden allerhand bewusste und unbewusste Gehirnleistungen zusammengefasst, dazu gehören unter anderem:

  • Wahrnehmung und Denken
  • Erinnerung und Lernen
  • Kreativität und Problemlösung
  • Handlungsmotivation und Willenskraft

Der Hund erkennt ihm eigentlich bekannte Personen, Abläufe, Objekte oder Hörzeichen nicht mehr oder braucht dafür auffällig lange.

Er reagiert deshalb gar nicht wie gewöhnlich oder sehr verzögert. Er vergisst oft auf halber Strecke, wohin er gehen wollte und widmet sich anderen Dingen zu.

Auch das ausüben simpler Tätigkeiten ist manchmal nicht mehr möglich, so dass der Hund z.B. den Sprung auf die Möbel, Treppenstufen oder den Einstieg in sein eigenes Körbchen nicht mehr bewältigen kann.

Alte Routinen erscheinen dem Hund unbekannt.

Er biegt beim Spaziergang auf der bekannten Route plötzlich falsch ab, wartet an der Scharnierseite der Tür auf deren Öffnung oder reagiert nicht mehr wie gewohnt auf z.B. die Türklingel oder unsere Vorbereitungen zur Fütterung oder zum Spaziergang.

Ein Beibringen neuer Tricks ist fast unmöglich und insgesamt erscheint die Aufmerksamkeitsspanne und das Konzentrationsvermögen eingeschränkt. Manchmal steht der Hund einfach da, wirkt in sich gekehrt und starrt stundenlang die gleiche Wand an.

Der Hund findet sich nicht mehr zurecht und seine Raumwahrnehmung scheint beeinträchtigt zu sein.

Er läuft in Wände, verläuft sich häufig in eigentlich bekannter Umgebung und man findet ihn oft hilflos an den immer gleichen Stellen gefangen, z.B. hinter offenen Türen oder zwischen Möbelbeinen.

Manche Hunde mit Demenz irren immerzu rastlos umher. Mit Fortschritt der Erkrankung ziehen sie dabei immer kleinere Kreise.

Andere Hundesenioren scheinen hingegen durch eine fortschreitende Demenz immer weiter geistig abzudriften und wirken zunehmend apathisch oder schlafen selbst für einen alten Hund enorm viel.

Dies kann an einer krankhaft verminderte Kontrollfähigkeit über den eigenen Körper liegen.

Demente Hunde sind allerdings nicht unbedingt körperlich inkontinent, sondern können sich oft schlichtweg nicht mehr daran erinnern, wo sie ihre Geschäfte eigentlich erledigen sollen, oder vergessen es auf halbem Weg ‚zum Örtchen‘.

Auch die üblichen Anzeichen, dass der ältere Hund ‚mal muss‘ (z.B. zur Tür laufen oder uns auf andere Art Bescheid zu sagen), können plötzlich entfallen.


Das Gangbild kann schlurfender, kleinschrittiger oder breitbeiniger werden. Reflexe und Reaktionsvermögen können beeinträchtigt sein, so dass es vermehrt zu Stürzen kommt.

Manchmal lässt sich ein Zittern der Gliedmaßen beobachten, als ob dem Hund kalt wäre. Rückwärtsgehen scheint unmöglich geworden zu sein.

Wenn der Hund sich nicht mehr zurecht findet, ihm alles fremd vorkommt und er keinen emotionalen Halt mehr hat, kann das zu Gefühlslagen ähnlich einer Paranoia führen.

Kontrollwahn, Gereiztheit, Schreckhaftigkeit, Stressanfälligkeit und Angstzustände können genau so vorkommen wie plötzlich aggressives Verhalten.

Auch ein Hang zu stereotypem Verhalten, z.B. ein fortwährendes Ablaufen der immer gleichen  Strecke, kann durch eine Demenz bedingt sein.

Demente Hunde leiden mitunter unter einem verminderten Antrieb Leckerchen, Futter oder Wasser aufzunehmen.

Zudem kann man beim Essen oder Trinken gelegentlich motorische Probleme bei den Tätigkeiten der Nahrungsaufnahme beobachten, z.B. beim bücken, kauen oder schlucken.

Dazu kann das Problem der Vergesslichkeit und verminderten Konzentrationsfähigkeit kommen, so dass der alte Hund vom erst halb leeren Napf weg läuft.

Manche demente Hunde suchen weniger Kontakt zu ihren Bezugspersonen oder erkennen diese kaum wieder.

Auch eine verminderte Neugier und Bereitschaft zur Interaktion, z.B. spielen oder kuscheln,  können beobachtet werden.

Unser Lob und unsere Aufmerksamkeit scheinen dem Hund nicht mehr so wichtig zu sein wie früher. Und auch an den anderen Hunden im Haushalt scheint der Senior desinteressiert.

Viele Hunde mit Demenz machen die Nacht zum Tag.

Schlaflosigkeit, verbunden mit stundenlangem nächtliche umherlaufen oder sogar bellen und dann natürlich schlafen bei Tageslicht, sind nicht untypisch.

Ungewohnte Vokalisation kann auf eine Demenz beim Hund hindeuten, v.a. wenn sie vom üblichen Muster abweicht.

Reagiert der Hund plötzlich nicht mehr auf die Türklingel oder fremden Besuch, bellt aber bekannte Gesichter an oder jault ‚einfach so‘, kann das u.U. an einer Demenz liegen.

Bilder sagen mehr als tausend Worte.

Wirf mal einen Blick auf die Infoseite über „Canine Cognitive Dysfunction“ der Bloggerin Eileen Anderson.

Selbst ohne Englischkenntnisse findest Du hier viele Bilder und Videos, die Eileen auf dem gemeinsamen Weg mit ihrer dementen Hündin Cricket zusammengetragen hat.

Ihren Buch-Ratgeber und eine Alternative auf Deutsch findest Du hier:

Ursachen einer Demenz bei Hunden

Gleich vorweg: Man weiß relativ wenig über die Ursachen und Risikofaktoren dieser Erkrankung. Hier dennoch mal ein grober Überblick, womit sich die Forschung zu dem Thema beschäftigt:

Hirnaltern – Veränderungen im Hundegehirn

An den krankhaften Veränderungen im Gehirn von an Demenz erkrankten Hunden besteht ein spezielles Forschungsinteresse, da es scheinbar einige Ähnlichkeiten gibt zwischen dem ‚Hirnaltern‘ und einer Demenz beim Hund und ähnlichen Symptomatiken beim Menschen.

Der Hund dient hier also als Modellorganismus, an dem die bislang auch beim Menschen ungeklärten Ursachen für die Entstehung einer Demenz erforscht werden sollen.

Illustration Labrador mit Fragezeichen über dem Kopf

Bei Hundesenioren finden sich pathologische Veränderungen Hirn, die mit einer Demenzerkrankung in Verbindung stehen könnten, sei es als Ursache oder Wirkung des Hirnalterns.

Zu den bislang gemachten Funden zählen u.a. vermehrte Zellschäden durch oxidativen Stress (das Hirn verstoffwechselt schließlich einen beträchtlichen Teil des zur Verfügung stehenden Sauerstoffs) und damit verbunden eine Anreicherung des Alterspigments Lipofuszin.

Lipofuszin ist ein Abfallprodukt von oxidativen Reaktionen. es reichert sich u.a. in Nervenzellen an und gilt als neurodegenrativ.

Weitere Veränderungen umfassen einen Verlust von Nervengewebe und Volumenverkleinerung bestimmter Hirnbereiche, minimale Hirnblutungen und -infarkte, eine ‚Hirnhautverkalkung‘ und eine Anreicherung diverser Substanzen, die Hirnforscher zu den Zeichen der Hirnalterung zählen.

Auch die Bildung von so genannten Plaques und neurofibrillären Bündeln aus fehlerhaft angesammelten Proteinen, welche dadurch scheinbar die Kommunikation zwischen den Nervenzellen stören, kann im Hirn älterer Hunde beobachtet werden.

Risikofaktoren für eine Demenzerkrankung

Zu den Faktoren, die eine Demenzerkrankung beim alten Hund eventuell begünstigen können, ist bislang wenig bekannt.

Einzig darin, dass fortschreitendes Lebensalter das Erkrankungsrisiko und ein Voranschreiten der bestehenden Symptome begünstigt, ist man sich einig.

Demenz ist also eine Erkrankung des alten Hundes.

Geschlecht, Kastration und Körpergröße

Bislang konnte noch nicht so ganz eindeutig geklärt werden, ob Kastration, Gewicht, Größe oder Geschlecht eine Demenzerkrankung beim Hund begünstigen können.

Eine dänische Studie aus dem Jahr 2013 meinte bei Hunden über 8 Jahren keine gehäufte Verbreitung von Demenz in Abhängigkeit von Hundegröße oder Geschlecht feststellen (Quelle: Fast et. al. 2013).

Dies steht im direkten Widerspruch zu einer spanischen Umfragenauswertung aus dem Jahr 2009. Hier wurden Halter von Hunden über 9 Jahre befragt. Laut Auswertung waren kastrierte Hunde, Hündinnen und Hunde unter 15 kg häufiger von Demenz betroffen (Quelle: Azkona et. al. 2009).

Ernährung

Eine 2016 veröffentlichte Untersuchung von Risikofaktoren für eine Demenzerkrankung beim Hund in der Slowakei liefert Hinweise darauf, dass die Ernährung eine Rolle spielen könnte.

So zeigten hier Hunde, denen eine ‚kontrollierte Diät‘ (definiert als hochqualitatives Fertigfutter) gefüttert wurde seltener erkrankten als Hunde mit ‚unkontrollierter Diät‘ (definiert als Tischreste, wechselndes minderqualitatives Fertigfutter) (Quelle: Katina et. al. 2016).

Die Ernährung spielt übrigens auch beim Menschen eine Rolle: In der Rotterdam Study wurde bereits 1999 nachgewiesen, dass Diabetiker deutlich häufiger an Demenz erkrankten. Und Diabetes beim Hund wird leider auch immer häufiger.

Vorerkrankung an Epilepsie

Eine andere Untersuchung lieferte Hinweise darauf, dass an idiopathischer Epilepsie leidende Hunde häufiger und früher an Symptomen einer Demenz zu erkranken scheinen (Quelle: Packer et. al. 2018).

Erinnerungslücken scheinen hierbei das vorherrschende Symptom sind.Ursache hinter den kognitiven Einschränkungen bei Epi-Hunden könnte hier evtl. ein schnelleres Hirnaltern durch neurologische Schäden und langjährige Medikamentengaben darstellen.

Gedächtnistraining

Letztgenannte Untersuchung kam interessanterweise zu dem Schluss, dass es einen Zusammenhang zwischen Demenzrisiko und der Trainingshistorie des individuellen Hundes geben könnte.

Hierbei zeigte sich, dass häufiger trainierte Hunde ungeachtet der Trainingsmethodik ein niedrigeres Erkrankungsrisiko aufwiesen. Eine „kognitive Reserve“ scheint sich also auch beim Hund günstig auf eine mentale Fitness im hohen Alter auszuwirken.

Verlauf einer Demenz beim Hund

Demenz ist eine graduell fortschreitende Erkrankung, bei der vorhandene Symptome sich verschlimmern sowie mit der Zeit neue Symptome hinzu kommen können. Ebenso ist bekannt, dass die Symptome einer Demenz beim Hund sehr heterogen sind und individuell ausfallen.

Es sind also bislang keine genaue Stadien einer hündischen Demenz definiert.

Die ersten Veränderungen bleiben vermutlich bei den allermeisten Hunden unentdeckt. Zumindest sind bislang noch  keine ‚Frühwarnzeichen‘ einer Demenz beim Hund bekannt.

Erste altersbedingte Abnormitäten im Hundehirn konnten in Studien bereits ab einem Alter von 7-8 Jahren auch bei symptomfreien Hunden nachgewiesen werden. Die äußerlich wahrnehmbaren Anzeichen einer Demenz scheinen aber erst mit sehr hohem Lebensalter aufzutreten.

  • Ähnlich wie bei erkrankten Menschen scheinen zuerst milde kognitive Einschränkungen aufzutreten, z.B. Erinnerungslücken und eine verminderte Lernfähigkeit.
  • Erst in fortgeschrittenen Erkrankungsstadien kommen Verhaltensauffälligkeiten, ein vermehrtes Bewegungspensum (‚wandern‘) oder Lethargie hinzu.

Beeinflusst Demenz die Lebenserwartung?

Von menschlichen Alzheimerpatienten ist bekannt, dass die Erkrankung bei weit fortgeschrittenem Verlauf auch ursächlich zum Tod des Patienten führen kann.

Dies scheint beim Hund bislang nicht beobachtet worden zu sein. Wobei man sich nicht sicher ist, ob der Erkrankungsverlauf beim Hund ein anderer ist oder ob Hunde schlichtweg nicht lange genug leben, dass die Krankheit soweit voran schreiten könnte.

Bislang wurde nicht nachgewiesen, ob sich eine Demenzerkrankung beim Hund ungünstig auf dessen Lebenserwartung auswirkt.

Dennoch muss man bei Fortschreiten der Demenz davon ausgehen, dass es in einzelnen Fällen zu Einschränkungen in der Lebensqualität des Hundes kommen kann.

Dabei machen die schwindende Möglichkeit zur Kommunikation mit dem Hund es natürlich immer schwieriger seine Situation objektiv zu bewerten.

Niemand kann die Fragen beantworten, ob ein dementer Hund unter seiner Situation leidet.

Wenn der Hund im Verlauf der Erkrankung allerdings zu Angstzuständen oder Aggression neigt, keine Ruhe findet und seine Halter nicht wieder erkennt, muss man leider von einer eingeschränkten Lebensqualität ausgehen.

Meist wird eine Einschläferung des dementen Hundes in Erwägung gezogen, wenn dieser extrem in ’seine eigene Welt‘ abgedriftet ist. Sicherlich auch ein Faktor: Manche Hundesenioren können im Laufe der Erkrankung extrem pflegebedürftig werden.

Aber erstmal keine Panik!

Viele demente Hunde wirken soweit fröhlich, haben hier und ihre lichten Momente und erleben noch Dinge, die ihnen sichtlich Spaß machen. Sie können auch mit der Demenz ein schönes Alter erreichen und sterben eines Tages an anderen Ursachen.

Hilfsmittel bei einer hündischen Demenz

Eine Demenzerkrankung beim Hund ist nicht heilbar .

Scheinbar ist es aber in einem gewissen Rahmen möglich das Auftreten von Symptomen und den Verlauf der Krankheit durch geeignete Therapiemittel abzubremsen.

Bei dem Verdacht auf eine Demenzerkrankung des Hundes scheint sich ein frühzeitiger Therapiebeginn besonders günstig auf den Verlauf auszuwirken.

Zu den geeigneten Hilfsmitteln bei einer Demenz zählen folgende Maßnahmen:

  • Medikamentengaben
  • Mentale Stimulation des Hundes
  • Ernährungsergänzung

Vor allem erstere können nur in Absprache mit dem behandelnden Tierarzt vorgenommen werden und sind abhängig von den individuellen Symptomen des eigenen Hundes.

Zu den tierärztlich verordeneten Maßnahmen können z.B. die Verschreibung von bestimmten Psychopharmaka, anderer Medikamente oder eines Spezialfuttermittels (z.B. Hill’s™ Prescription Diet™ b/d Canine) zählen.

Eine Langzeitbeobachtung an älteren Beagles kam zu dem Ergebnis, dass mentale Stimulation und Bewegung oder eine Anreicherung der Ernährung mit Antioxidantien jeweils zu einer Verbesserung der kognitiven Leistungen in verschiedenen Bereichen führte (Quelle).

Die größte Verbesserung jedoch war bei den Tieren zu beobachteten, die beide Therapiemaßnahmen gleichzeitig erhielten.

Man sollte also vermutlich mehrere Maßnahmen ergreifen, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.

Gehirnjogging ist gut für Hundesenioren

Wie bereits erwähnt scheinen sich Trainingsaktivitäten mit dem Hund günstig auf das Erkrankungsrisiko auszuwirken. Andersherum fällt den Haltern von regelmäßig trainierten Hunden natürlich schneller auf, wenn sich die ersten Anzeichen einer Lernblockade anbahnen.

Es sollte nie zu spät sein seinen Hundesenior mental zu stimulieren, schließlich trägt das auch bei nicht an Demenz erkrankten Seniorhunden zur Lebensqualität bei.

Dabei bedarf es keines ausgefeilten Trainingsplans, bei dem irgendwelche neu zu lernenden Verhaltensweisen im Vordergrund stehen. Es geht vielmehr darum, dass der Hund die Gelegenheit bekommen sollte seine kognitiven Ressourcen regelmäßig zu nutzen.

Hierbei sollten neben Förderung der Gedächtnisleistung auch soziale Interaktionen, Bewegung und das Ansprechen der Sinne des Hunde bedacht werden. Denn all diese Dinge werden natürlich unter Beteiligung des Gehirns wahrgenommen und ausgeführt.

Natürlich soll man den Hundesenior jetzt nicht überschütten und überfordern mit lauter Maßnahmen, man soll aber für entsprechende Möglichkeiten und Abwechslung im Alltag sorgen.

Hier mal ein paar Beispiele für geeignete Seniorenaktivitäten:

1. Bewegung und Mobilität

  • Körperliche Aktivität scheint beim Menschen einen positiven Effekt auf das Erkrankungsrisiko zu haben, der auch beim Hund vorhanden sein könnte. Hierzu zählt auch schon eine gemütliche Runde um den Block.
  • Sonnenlicht ist notwendig für eine reibungslose Funktion der ‚inneren Uhr‘. Auch Hunde, die nicht mehr gut laufen können, sollten täglich Zeit im Tageslicht verbringen. Zur Not eben im Hundebuggy.
  • Verschiedene Untergründe unter den Pfoten beschäftigen den Tastsinn des Hundes und seine Propriozeption, also seine Eigenwahrnehmung im dreidimensionalen Raum.
  • Neue Orte fördern Neugier und Erkundungsverhalten.
  • Gymnastik und Physiotherapie fördern die Beweglichkeit und sorgen für taktile Reize.

2. Mentale Stimulation und Sinneswahrnehmung

  • Training, z.B. von neuen kleinen Tricks fördert die Aufmerksamkeitsspanne und Konzentrationsfähigkeit.
  • Intelligenzspielzeuge fördern die Denkfähigkeiten des Hundes.
  • Dinge verstecken und suchen lassen fördert die Merkfähigkeiten des Hundes.
  • Abwechlungsreiche Futterspielzeuge sorgen dafür, dass der Hund planvoll seinen ganzen Körper einsetzt, um durch schnüffeln, pföteln oder rollen an sein Essen zu gelangen.
  • Futter verstreuen und suchen lassen spricht den Geruchssinn des Hundes an.
  • Interaktive Spielzeuge sorgen dafür, dass der Hund sich mit diesen neuen Reizen auseinandersetzt.
  • Ruhige Spaziergänge an neuen Orten bieten reichlich neuen Input für das Hundegehirn.
  • Neue Futtersorten fördern Neugier, Geschmacks- und Geruchssinn.

3. Soziale Interaktion

  • Das pflegen gemeinsamer Rituale festigt die Bindung zwischen Hund und Halter.
  • Ein regelmäßiges positiv gestaltetes Handling des Hundes, z.B. bürsten, Krallen kürzen oder Zahnpflege bietet viele Interaktionsmöglichkeiten.
  • Kuscheln stärkt ohne Zweifel die Bindung. Aber auch einfach beim Hund sitzen und mit ihm sprechen bietet ihm Gelegenheit unserer Stimme zu lauschen und unsere Nähe zu genießen.
  • Gemeinsames Spiel fordert die soziale Interaktion des Hundes mit uns (oder mit anderen Hunden).

Nahrungsergänzung für demente Hunde

Mit einer angepassten Ernährung und entsprechenden Nahrungsergänzungen, die zur Linderung der Alterungsprozesse im Gehirn des Hundes gedacht sind, kann man versuchen zu einem Erhalt und sogar zu einer Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten des Hundes beizutragen.

Da der Hund als Modellorganismus für die humane Alzheimer-Demenz gilt, findet im privaten Bereich eine rege Diskussion über die Wirksamkeit von Substanzen beim Hund statt, die beim Menschen schon länger erfolgversprechend eingesetzt werden.

Die Datenlage zur Anwendung ist denkbar dünn und es sollte Vorsicht geboten sein:
Eine Zufütterung solcher Substanzen sollte bitte immer in Absprache mit einem entsprechend ausgebildeten Fachmann geschehen, v.a. bei ‚Superfoods‘ aus dem Humanbereich sei darauf hingewiesen, dass diese Substanzen u.U. für den Hundekörper sogar ungesund sein können!

Folgende Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ist nur ein Versuch einen Überblick über die Datenlage zu den am häufigsten als neuroprotektiv beschriebenen Nahrungsmitteln und Präparaten zu schaffen:

Nahrungsergänzung durch funktionale Lebensmittel

  • Antioxidantien tragen zu einer Verminderung der Zellschäden durch fehlerhafte Mitochondrienfunktion und infolge entstehenden oxidativen Stress bei.

    Zu den tatsächlich mit positivem Effekt untersuchten Antioxidantien bzw. antioxidantienenthaltenden Futtermitteln zählen hierbei Vitamin E, Vitamin C, Obst- und Gemüseflocken. Gelegentlich empfohlen werden Vitamin A, Selen und Zink.

  • L-Carnitin und Liponsäure (Omega-3-Fettsäure) konnte ohne zusätzliche gleichzeitige Fütterung von Antioxidantien in einem Fütterungsversuch an älteren Beagles selbst kein positiver Effekt auf die kognitive Leistung nachgewiesen werden (Quelle: Christie et. al. 2009).
  • Phosphatidylserin ist ein Bestandteil biologischer Membranen, der sich in diversen Fleisch- und Fischsorten findet. Bisherige Untersuchungen geben Hinweise auf eine positive Wirkung dieser Substanz auf den Verlauf von Demenzerkrankungen beim Hund (Quelle: Osealla et. al. 2008).
  • Ein hoher Anteil von Omega-3-Fettsäuren in der Ernährung wirkt sich günstig auf die Verringerung des Cholesterinspiegels aus.

    Dieser gilt als Risikofaktor für eine menschliche Alzheimer-Erkrankung. Eine Zufütterung von Omega-3-Fettsäuren durch beispielsweise Fisch oder Leinöl u.U. kann sich auch beim Hund positiv auf das Erkrankungsrisiko auswirken.

  • Mittelkettige Triglyceride (MKT) sind nicht natürlich vorkommende Lipide, die sich u.a. in Kokosöl und Butter finden lassen. Sie weisen gegenüber natürlichen Fetten abweichende metabolische Eigenschaften auf. Sie wirken als alternative Energiequelle (zur Glucose) für das alternde Gehirn und könnten so u.U. zum Erhalt der kognitiven Fähigkeiten des dementen Hundes beitragen.
  • Curcumin ist der Farb- und Geschmacksstoff der Kurkuma-Pflanze. Ihm wird zuweilen auch eine positive Wirkung auf diverse Erkrankungen und insbesondere die Entwicklung von Arthrosen zugeschrieben.

    Studien aus der Humanmedizin haben sich in den letzten Jahren damit beschäftigt, ob diese Substanz auch die mentale Gesundheit positiv beeinflussen könnte. Die Ergebnisse hierzu sind bislang uneindeutig.

  • Ginkgo wird seit Jahren im Humanbereich als Mittel gegen Demenz eingesetzt. Die Datenlage zur tatsächlichen Wirkung scheint dies jedoch nicht bestätigen zu können.
  • Resveratrol ist ein pflanzeneigener Abwehrstoff, der sich zum Beispiel in Himbeeren, Erdnüssen oder dem japanischen Staudenknöterich, einem nach Europa eingeschleppten Unkraut, findet. Auch diesem Stoff werden im Humanbereich neuroprotektive Eigenschaften nachgesagt, zur Anwendung beim Hund gibt es bislang keine Untersuchung.

Fertigpräparate zur Nahrungsergänzung

  • Zylkene® ist ein frei verkäufliches Präparat, dessen Inhaltsstoff Alpha-Casozephin zur Entspannung von gestressten Tieren beitragen soll und damit u.U. auch von Demenz betroffenen Hunden helfen kann.
  • Senilife® enthält u.a. die weiter oben erwähnten Inhaltsstoffe Vitamin E, Phosphatidylserin, Gingko und Resveratrol.
  • Vetplus Aktivait® ist ein Mischpräparat zum Erhalt der optimalen Hirnfunktion und enthält u.a. ungesättigte Fettsäuren, N-Acetyl-Cystein, Vitamin C, L-Carnitin, Vitamin E , Liponsäure, Co-Enzym Q10, Phosphatidylserin, Selen.
  • Karsivan® ist ein Präparat mit dem Inhaltsstoff Propentofyllin und soll die Durchblutung und die Sauerstoffversorgung fördern und damit u.a. die Hirnfunktion unterstützen.

Alltag mit einem dementen Hund

Sie haben keinen Respekt vor Deinen Einrichtungswünschen, pinkeln auf den Teppich und stehen häufig im Weg rum. Da man hier natürlich nicht mehr auf Lernen und Einsicht hoffen kann, müssen die Maßnahmen entsprechend langfristig gestaltet werden.

Stell Dich drauf ein:
Demente Hunde sind ein bißchen wie Welpen, was den Pflegeaufwand betrifft.

  1. Vermindere die ‚Fallen‘ für deinen dementen Hund.
    Beseitige die Möglichkeiten für Deinen Hund hinter offen stehende Türblätter oder in andere enge Nischen zu gelangen (z.B. durch Zugluftstopper). Beseitige Stolperfallen.

    Versperre Treppenaufgänge. Versperre Löcher, in die dein Senior seinen Kopf stecken kann. Pass auf beim schwungvollen Öffnen von Türen.

  2. Sorge für besseren ‚Grip‘ auf harten Böden.
    Lege z.B. Teppichläufer auf die beliebten Wanderwege oder zieh dem Senior ein paar Antirutschsocken an.Wenn Du einen Laufstall nutzt, um Deinem Senior in Deiner Abwesenheit sicher zu wissen, kannst Du hier eine dicke Gummimatte auslegen.
  3. Versuch Deinen Senior abzulenken.
    Schwer demente Hunde können manchmal nicht anders als unbeirrbar und pausenlos zu wandern. Wenn Du das Gefühl hast, dass der Hund sich kaputt läuft (demente Hunde sind ja in der Regel so betagt, dass sie zusätzlich eh schon an Arthrosen leiden), dann kannst du versuchen ihn mit Futter abzulenken.Manchmal klappt es auch, wenn man ein Hindernis (z.B. einen Hundekorb) in den Weg stellt, um die Wanderung zu unterbrechen.
  4. Achte auf das Fress- und Trinkverhalten.
    Stell z.B. Näpfe in Zimmerecken auf, um die Chance zu erhöhen, dass Dein Senior „zufällig“ auf seinen Wanderungen vor einem Napf landet. Erhöhte Näpfe können die Tätigkeit des Fressens/Trinkens motorisch leichter für den dementen Hund machen. Zur Not muss der Senior aus der Hand ernährt werden.
  5. Biete mehr Möglichkeiten zum Toilettengang.
    Strafen und schimpfen bringt gar nichts, ein dementer Hund macht ja schließlich nicht mit Absicht ins Haus. Wenn die Erkrankung weit fortgeschritten ist, müssen halt Optionen für inkontinente Hunde genutzt werden wie Windeln oder Pinkelmatten.
  6. Andere Hunde im Haushalt.
    Demente Hunde verlieren auch ihre Kommunikationsfähigkeiten mit anderen Hunden oder reagieren übertrieben ängstlich oder aggressiv auf Annäherungsversuche. Dies kann zu Spannungen unter den hündischen Mitbewohnern führen und eine dauerhafte Trennung notwendig machen, zumal demente Hunde meist geriatrisch und äußerst fragil sind.
  7. Demente Hunde brauchen Routinen.
    Auch wenn der Senior seine Umwelt kaum noch wiederzuerkennen scheint, gibt es Sicherheit ab und an in lichten Momenten ein bekanntes Gesicht oder einen bekannten Spazierweg zu sehen.
  8. Achte auf eine gute Lebensqualität des Hundeseniors.
    Auch ein dementer Senior muss die Gelegenheit bekommen im Alltag schöne Momente zu erfahren. Gutes Futter, frische Luft und soziale Zuwendung bereichern das Leben.

Zusammenfassung

Jetzt weißt Du, wie Du eine Demenz beim Hund erkennen kannst.

Demenz kann jeden älteren Hund betreffen. Vor allem bei weit fortgeschrittenem Alter.

Aber man kann eine Menge tun, um den Verlauf hinauszuzögern. Vor allem, indem man den Geist seines Hundes auch im Alter in Bewegung hält.

Wenn Du den Verdacht hast, dass Dein Hund dement sein oder es werden könnte, dann sprich bitte auch mit Deinem Tierarzt darüber.

Bitte handle mit gesundem Menschenverstand immer im Sinne Deines Tieres: Ein kranker Hund gehört zum Tierarzt! Du findest hier lediglich allgemeine Informationen über Beschwerden und Symptome. Du findest hier weder Ersatz für eine individuelle tierärztliche Beratung noch Therapieempfehlungen. Die hier präsentierten Produkte oder Aussagen sind nicht geeignet klinische Krankheitsbilder vorzubeugen, zu diagnostizieren oder zu behandeln.

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