Was ist besser für den Hund: Trockenfutter oder Nassfutter?

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Es gibt mittlerweile sehr viele verschiedene Hundefutter zu kaufen. dennoch gehören Trocken- und Nassfuter immer noch zu beliebtesten Futtersorten für Hunde.

Neben der individuellen Vorliebe und dem Feuchtegehalt gibt es weitere Unterschiede zwischen Trockenfutter und Nassfutter, die man bei der Wahl des richtigen Hundefutters bedenken sollte.



Der Feuchtegehalt von Nass- und Trockenfutter

Reden wir zuerst über den offensichtlichen Punkt: Nassfutter enthält mehr Feuchtigkeit als Trockenfutter. Während die meisten Trockenfutter 8-12 % Wasser enthalten, sind es bei Nassfutter auch schon mal 75 % und mehr.

Ein Hund, der Trockenfutter isst, hat einen deutlich höheren Trinkwasserbedarf
und muss immer frisches Wasser zur Verfügung haben!
FütterungsartFeuchtegehalt
Trockenfutter  14 %
Halbfeuchtes Hundefutter14-60 %
Nassfutter > 60 %

Kritiker wettern gerne, dass man bei Nassfutter ja nur für Wasser bezahlt.

Das ist auch bis zu einem gewissen Punkt richtig, allerdings trifft der Punkt auch für jedes frische Lebensmittel auf dem eigenen Teller zu. Bei gutem Hundefutter geht es ja nicht nur um Kosten-Effizienz!

Auch das Argument, dass Trockenfutter durch die harte Konsistenz zur Zahnhygiene beitragen würde, kann man getrost als Augenwischerei abtun. Trockenfutter ist nicht hart genug, um für den Abrieb von Zahnstein zu sorgen. Zumal die meisten Hunde nicht wirklich lange auf ihren Futterbrocken herum kauen. Und stärkehaltige Speisereste in den Zahnzwischenräumen sind wiederum nicht wirklich zuträglich für die Mundhygiene.

Der Nährstoffgehalt von Nassfutter und Trockenfutter

Durch den unterschiedlichen Wassergehalt kann man die analytischen Bestandteile zwischen diesen beiden Fütterungsarten schlecht vergleichen. Abhilfe bringt beim Einzelvergleich die Umrechnung von Rohprotein und Co. auf Basis der Trockensubstanz (Dry Matter Basis, DMB).

Bei essentiellen Nährstoffen wie Vitaminen und Mineralstoffen gibt es nicht viel Spielraum, diese müssen bei beiden Fütterungsformen gleichermaßen in der täglichen Ration enthalten sein.

Den größten Unterschied zwischen den beiden Futter-Konsistenzen findet man bei der Bereitstellung von Fett, Protein und Kohlehydraten. Nassfutter enthalten in der Regel pro Tagesration mehr Protein und Fett, Trockenfutter liefern Energie hingegen hauptsächlich durch Kohlehydrate.

Bei gesunden Hunden scheint das das weniger entscheidend zu sein.

Aber in bestimmten Lebensphasen und unter bestimmten Umständen kann ein höherer Proteingehalt erwünscht (Alter, Trächtigkeit, Wachstum) oder unerwünscht (Organleiden) sein und diese Ansprüche lassen sich dann u.U. mit der ein oder anderen Futterart einfach leichter realisieren.

NassfutterTrockenfutter
Feuchtigkeit
Rohprotein
Rohfett
Rohasche
Rohfaser
Kohlehydrate

Fütterung und Handhabung

Fertigfutter sind keine Notwendigkeit, sondern ein erst vor gut 100 Jahren erfundenes Convenience-Produkt!

Und kaum etwas ist simpler in der Handhabung als Trockenfutter. denn Trockenfutter lässt sich leicht verfüttern, lagern und transportieren. Auch eine von manchen (Einzel)Hundehaltern bevorzugte all-you-can-eat-Fütterung („ad libitum“) ist in der Praxis ausschließlich mit Trockenfutter möglich.

Andererseits kann man bei Trockenfutter ein Problem mit Schädlingen wie Futtermilben (u.U. für einige Hunde Allergieauslöser) bekommen, was bei täglich frischem Dosenfutter ausgeschlossen ist.

Nassfutter braucht durch das große Volumen mehr Stauraum und ist minimal umständlicher in der Zubereitung. Und die tägliche Fütterung von kleinen abgepackten Rationen verursacht im Vergleich zu Trockenfutter mehr Müll, was man insbesondere bei Plastikverpackung (Frischebeutel) bedenken sollte.

Portionsgrößen bei Nass- und Trockenfutter

Die tägliche Ration hängt maßgeblich von der Energiedichte ab.

Durchschnittliche Trockenfutter liefern pro 100 g Futtermenge an umsetzbarer Energie etwa 1,3-1,8 MJ (310-430 kcal), bei Nassfuttern sind es eher 0,3-0,6 MJ (80-160 kcal).

Nassfutter sind bei gleichem Gewicht voluminöser und weniger nährstoff- und energiereich, die täglichen Fütterungsmengen sind entsprechend größer.

Da Trockenfutter quasi eine Art Energie- und Nährstoffkonzentrat ist, sind hier die Fütterungsmengen auch entsprechend kleiner.

Es geht aber nicht nur darum, mit welcher Portionsgröße der Hund alle Nährstoffe bekommt, sondern auch um das Sättigungsgefühl. Viele Trockenfutter werden zugunsten eines größeren Rations-Volumens bewusst de-optimiert, also mit einem gewissen Anteil an quellenden Ballaststoffen angereichert.

Die Portionsgröße kann vor allem bei sehr, sehr großen und empfindlichen Hunden ein wichtiger Punkt sein. Hier kann eine Fütterung mit Nassfutter ab einem gewissen Punkt durch die enormen Futtermengen unpraktisch werden.

Herstellung und Haltbarkeit von Nassfutter und Trockenfutter

Der Herstellungsprozess beeinflusst viele Produkteigenschsften von Nassfuttern oder Trockenfuttern:

Wie wird Nassfutter hergestellt?

Um Nassfutter herzustellen werden mehr oder weniger fein vermahlene oder vorgegarte Zutaten vermischt und in einer Konservenverpackung (Glas, Frischebeutel, Dose, Schale) zusammen mit den erforderlichen Zusatzstoffen (Mikronährstoffe, u.a. Sauce, Verdickungs- und Geliermittel) abgefüllt und anschließend durch äußere Hitzeeinwirkung sterilisiert. Die Herstellung ermöglicht es auch Zutaten „am Stück“ zu belassen.

Nassfutter sind in der Regel besonders lange haltbar und benötigen dafür keinen Zusatz von künstlichen Konservierungsstoffen, da ein Verderb durch Mikroorganismen bereits durch das abschließende Sterilisieren verhindert wird.

Wie wird Trockenfutter hergestellt?

Bei der Herstellung von Trockenfuttern werden alle Zutaten erhitzt, vermengt und klein gemahlen (das ach so beliebte Frischfleisch wird also auch hier während der Vorbereitung de facto zu Fleischmehl aufbereitet!).

Anschließend wird die Masse durch einen Extruder zu Futterbrocken geformt. Bei der Extrusion wird der Futterbrei durch Wasserdampf auf über 100 °C erhitzt mit hoher Geschwindigkeit unter viel Druck durch eine Formschablone gepresst. und in Häppchen geschnitten.

Lässt der Druck nach, pufft der Futterbrocken uaf und gewinnt an Volumen. Erst dieser Vorgang macht die Stärke im Trockenfutter für den Hund bioverfügbar.

Diese Häppchen werden dann nochmal getrocknet und mit Vitaminen oder Konservierungsmitteln, oft aber für eine bessere Schmackhaftigkeit auch mit Fett oder Aromen benebelt.

Trockenfutter sind meist 12-16 Monate, je nach Zutaten selten auch mal länger haltbar.

Durch das notwendige Erhitzen bei der Herstellung von Nassfutter und extrudiertem Trockenfutter denaturieren Eiweiße und gehen instabile Stoffe wie Vitamine verloren, allerdings werden Kohlehydrate erst durch diesen Prozess besser verdaulich gemacht.

Fertigfutter sind nun mal kein frisches Lebensmittel, egal wie sehr mit schonender Garung geworben wird!

Sonderfall: Kaltgepresste Hundefutter

Bei kaltgepressten Trockenfuttern wird auf die Extrusion mit Dampferhitzung verzichtet. Stattdessen wird der Futterbrei nur auf maximal um die 80 °C erhitzt. bei Kalt meint hier also nicht wirklich kalt, sondern „kälter als bei Extruder-Produkten„. Das soll den Vorteil haben, dass nicht ganz so viele wertvolle Nährstoffe verloren gehen.

Laut Kritikern werden Stärken bei der Kaltpressung nicht ganz so gut für die Verdauung aufbereitet wie in extrudierten Trockenfuttern. Die andere Verarbeitung macht sich äußerlich durch ein geringeres Volumen bei gleichem Gewicht bemerkbar. Denn kaltgepresste Hundefutter sind nicht „aufgepufft“. Durch die deshalb andere Textur müssen kaltgepresste Futterbrocken allerdings eine gewisse Mindestgröße haben.

Ein weiterer Vorteil bei kaltgepresstem Trockenfutter ist, dass hier oft nicht noch nachträglich Fett und andere Substanzen aufgesprüht werden.

Zusammensetzung von Nassfutter und Trockenfutter

Nassfutter und Trockenfutter unterscheiden sich durch ihren sehr unterschiedlichen Herstellungsprozess auch in ihrer möglichen Zusammensetzung:

Kohlehydrate in Nassfutter und Trockenfutter

Bei Trockenfuttern bestehen bis zu über 50 % der Futtermasse aus Kohlehydraten in Form von stärkehaltigem Getreide, Gemüse oder Obst enthalten sind. Bei Nassfuttern hingegen findet man im Vergleich nur wenige Kohlehydrate, die dort hauptsächlich als Ballaststoffe dienen.

Stärke im Trockenfutter ist an sich kein Problem, Hunde sind keine reinen Fleischfresser mehr und können Kohlehydrate verdauen. Allerdings ist das oft nicht mit dem allgemeinen Kundenwunsch nach einem hohen Fleischgehalt vereinbar.

Zwar könnte man im Trockenfutter zugunsten von tierischem Protein und Fett auf Stärke als nicht essentiellen Energielieferanten verzichten. Aber ab einem gewissen Punkt ließen sich dann aus der Masse keine Extruder-Pellets mehr formen, sprich die Herstellung des Trockenfutter würde dann sehr kompliziert.

Ebenfalls relevant wird die Zusammensetzung bei Futterallergien. Reagiert der Hund auf Getreide oder Kartoffeln, findet man bei Nassfuttern eine größere Auswahl an in Frage kommenden Produkten ohne diese Zutaten.

Fleisch in Nassfutter und Trockenfutter

Ein hoher Gehalt an Frischfleisch ist bei vielen Hundehaltern eins der Qualitätsmerkmale für gutes Hundefutter. Allerdings lassen sich frische Zutaten schlecht zu Trockenfutter verarbeiten, weshalb die Hersteller getrocknete Zutaten wie Fleischmehle oder Getreideflocken präferieren.

Frischfleisch wird hauptsächlich wegen der momentan großen Nachfrage nach dieser Zutat auch in Trockenfutter eingesetzt. Und weil schweres Frischfleisch durch den hohen Wassergehalt weiter vorne in der Deklaration auftaucht als bereits getrocknete tierische Proteine.

In Nassfuttern findet man insgesamt mehr tierische Zutaten und auch oft mehr frische Ausgangprodukte. In Trockenfuttern landen häufiger Zutaten, die bereits bei Anlieferung an der Produktionsstätte vorprozessiert und u.U. konserviert wurden.

Akzeptanz und Verdaulichkeit

Wie gut ein Hundefutter vertragen wird, hängt von den Zutaten ab. Und natürlich kann man hier nur gleichwertige Produkte vergleichen. Ein minderwertiges Nassfutter kann nicht mit einem hochwertigen Trockenfutter konkurrieren oder umgekehrt.

Hunde bevorzugen in Fütterungstestst oft feuchtes Futter mit einem höheren Gehalt an Fett und Eiweiß, also fleischähnlichen Eigenschaften. Daher haben die meisten Hunde eine starke Präferenz hin zum Nassfutter.

Frisches Fleisch enthält um die 70 % und mehr Feuchtigkeit. Hier liegt Nassfutter also näher an echten frischen Zutaten und gilt daher allgemein als etwas besser verdaulich gegenüber Trockenfutter. Allerdings können die Geliermittel in Nassfutter zu weicheren Häufchen als bei Trockenfütterung führen.

Viele Hunde sind aber bekanntermaßen nicht sehr wählerisch und mögen auch Trockenfutter gern. Denn natürlich kann man auch trockene Pellets schmack- und nahrhaft gestalten. Aber auch für den Hund ist gutes Essen ein Stück Lebensqualität und nicht jeder Hund mag tagein, tagaus die gleiche „Astronautennahrung“ essen.

In Trockenfuttern müssen sich die Anbieter oft etwas einfallen lassen, um das Futter schmackhaft zu machen: Zum einen werden die Futterbrocken direkt nach dem Trocknen mit Fett und evtl. auch mit Aromen besprüht. Und auch direkt bei den Zutaten kann man davon ausgehen, dass in vielen Trockenfuttern mehr Würzmittel (Zucker) oder „sensorische Zusatzstoffe“ landen als in Nassfuttern.

Ich würde allerdings annehmen:

Je hochwertiger die Zutaten Trockenfutter, desto weniger nachträgliche Appetizer sind nötig.

Der Einsatz von Farbstoffen liegt mitunter auch daran, dass es im eigenen Erfahrungshorizont liegt zu wissen wie gekochtes Dosenfleisch aussieht. Bei Trockenfuttern hingegen setzt man auf Farbstoffe, um den Erwartungen der Käufer nach dunklen fleischähnlich gefärbten Bröckchen zu befriedigen.

Alte Hunde haben oft Probleme mit einer langsamen Verdauung, Wassermangel, Muskelabbau und Zahnproblemen. Hier ist Nassfutter durch seine weiche Konsistenz und den höheren Feuchte- und Proteingehalt fast immer eindeutig die bessere Wahl!

Und auch bei einer Diät liefert ein Nassfutter mehr Volumen und Sättigungsgefühl.

Fazit: Nassfutter oder Trockenfutter?

Man kann nicht so leicht verallgemeinern, was nun besser ist: Nassfutter oder Trockenfutter.

Trockenfutter ist die praktischere Variante für den Menschen,
viele Hunde würden aber wohl eher Nassfutter bevorzugen.

Nassfutter ist allerdings teurer und man bezahlt in der Tat viel Geld für geliertes Wasser. Hier lohnt es sich nach einem guten Nassfutter mit einem nicht zu übertrieben hohen (>80 %) Wassergehalt zu suchen).

Schlussendlich hat gutes Hundefutter mit einer angemessenen Rezeptur und guten Zutaten höhere Priorität als die Konsistenz. Lieber ein gutes Trockenfutter als ein minderwertiges Dosenfutter!

Ein Mittel, um Trockenfutter bekömmlicher zu machen, ist das Einweichen und quellen lassen.

Lange war es verpönt die beiden Futtersorten zu vermischen aus Angst vor Magen-Darm-Problemen durch unterschiedliche Verdauungszeiten. Außerdem wurde ein Futterwechsel als so derart kompliziert dargestellt, dass sich kaum jemand traute die Futtermarke oder gar die Futtervariante zu wechseln.

Von diesen hanebüchenen Vorschlägen kommt man erfreulicherweise mittlerweile ab, sofern der Hund bislang nicht empfindlich auf Nahrungswechsel reagiert hat. Viele Anbieter haben die Fütterungsempfehlungen auf ihrer Packung sogar um die Option einer Mischfütterung erweitert.

So kann man dem Hund beides bieten oder Nassfutter immerhin ab und an als Topping anbieten.

Bitte handle mit gesundem Menschenverstand immer im Sinne Deines Tieres: Ein kranker Hund gehört immer zum Tierarzt! Du findest hier lediglich Erfahrungsberichte und allgemeine Informationen über Beschwerden und Symptome. Du findest hier weder Ersatz für eine individuelle tierärtzliche Beratung noch Therapieempfehlungen. Die hier präsentierten Produkte oder Aussagen sind nicht geeignet klinische Krankheitsbilder vorzubeugen, zu diagnostizieren oder zu behandeln

Quellen

[1a] FEDIAF: HOW DRY FOOD IS MADE;
http://www.fediaf.org/39-prepared-pet-foods/96-how-dry-food-is-made.html

[1b] FEDIAF: HOW WET FOOD IS MADE;
http://www.fediaf.org/39-prepared-pet-foods/97-how-wet-food-is-made.html

[2] FEDIAF: Code of Good Labelling Practice for Pet Food; http://www.fediaf.org/images/FEDIAF_Labelling_Code_October_2018_online_final.pdf

[3] Meyer, H., Zentek, J. (2013). Ernährung des Hundes: Grundlagen – Fütterung – Diätetik. Enke Verlag, Stuttgart.

[4] zooplus Magazin: Hundetrockenfutter vs Nassfutter;
https://www.zooplus.de/magazin/hund/hundeernaehrung/hundetrockenfutter-vs-nassfutter