Ist Hundefutter ohne Getreide besser für den Hund?

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Die Beliebtheit getreidefreier Hundefutter nimmt nach wie vor stetig zu. Getreide im Hundefutter gilt als minderwertiger Füllstoff und wenig artgerecht.

Bei vielen Rezepturen mit billigen Zutaten ist das auch grundlegend so zutreffend.



Dabei übersehen allerdings viele Konsumenten, dass ein Futter nicht automatisch wertig und artgerecht wird, nur weil Getreide in der Rezeptur fehlt.

Schauen wir uns die Fakten rund ums Getreide im Hundefutter mal etwas genauer an:

Getreide im Hundefutter

In der omnivoren menschlichen Ernährung bilden Getreidesorten ein Grundnahrungsmittel.

Aber auch in den Deklarationen verschiedener Futtersorten für den Hund tauchen alle möglichen Getreide auf:

Dabei werden nicht nur ganze Getreidemehle und Vollkorn verwendet.

In vielen Rezepturen findet man Mischungen aus ganzem Vollkorn, prozessierten Getreidemehlen, Grieß, Flocken, Kleie, Keimen und Schrot, aber auch „pflanzlichen Nebenprodukte“ wie z.B. Spreu, Spelzen und Fasern oder chemisch extrahiertem Getreideeiweiß, Getreideprotein-Isolat oder reinem Gluten (auch Getreidekleber oder Klebereiweiß genannt).

Ja, auch das Gluten aus Getreide ist vielen Hundebesitzern ein Dorn im Auge.

Eine wirkliche erblich bedingte Gluten-Unverträglichkeit ist jedoch selten. In den letzten Jahren bilden sich dennoch zunehmend mehr Menschen ein sie oder ihr Hund würden unter einer Glutensenitivität leiden, deren Existenz jedoch umstritten ist.

Gluten ist vor allem deshalb unbeliebt, weil es durch sein unausgewogenes Spektrum an Aminosäuren als minderwertige Proteinquelle für Hunde gilt. Und weil es gern als „Fleischersatz“ eingesetzt wird, um den Rohprotein-Gehalt in den analytischen Messwerten eines Hundefutters in die Höhe zu treiben.

Glutenbildende Proteine kommt vor allem in Weizen- und Dinkelmehlen vor.

In Mehlen aus Gerste, Hafer und Roggen ist weniger Gluten enthalten. Und in Pseudogetreiden, Mais, Reis und Hirse findet man kaum bis gar kein Gluten.

Ein glutenfreies Hundefutter ist also nicht unbedingt getreidefrei.

Getreide wird Hundefuttern keineswegs als Füllstoff ohne Nährgehalt zugesetzt. Getreide wird Hundefuttern vor allem in Form von Stärke zugefügt, weil das für die Form und Festigkeit von gebackenen Trockenfuttern und Hundekeksen praktisch ist.

Und von den drei Nährstoffgruppen, die die Energiedichte des Futters bestimmen (Protein, Fett und Kohlehydrate), sind stärkehaltige Lebensmittel für die Futterhersteller am einfachsten zu beschaffen und zu verarbeiten.

Fett wird schnell ranzig und Verbraucher sehen einen zu hohen Fettgehalt als Dickmacher. Denn das Rohfett muss als analytischer Bestandteil deklariert werden, Kohlehydrate hingegen nicht.

Und tierisches Protein und Fett ist halt einfach teurer und schwieriger zu handhaben als Getreide.

Was ist der Nachteil von Getreide im Hundefutter?

Im Prinzip ist das wie bei unserer Ernährung:

Prozessiertes Mehl und reine Stärke, die durch Erhitzen während der Herstellung auch noch zusätzlich aufbereitet  werden, sind Dickmacher. Denn Getreide besteht zum erheblichen Teil aus Kohlehydraten.

Mit dem glykämischen Index misst man den akuten Einfluss eines Kohlehydrats oder kohlehydrathaltigen Lebensmittels auf den Blutzuckerspiegel. Diese Eigenschaft soll z.B. Diabetikern und Übergewichtigen helfen geeignete Lebensmittel zu finden.

Einige Futterhersteller werben neuerdings gerne damit eine niedrig-glykämsiche Getreide (z.B. Hafer statt Weizen) zu verwenden.

Der glykämische Index eines Lebensmittels unter Laborbedingungen lässt sich allerdings nicht unbedingt auf die Wirkung innerhalb eines Komplettfutters übertragen. Wechselwirkungen einzelner Nährstoffe und der Herstellungsprozess beeinflussen den glykämischen Index eines Lebensmittels erheblich.

Beim Vergleich von Hirse, Bruchreis, Tapiokamehl, Mais, Erbsen und Linsen als Stärkelieferanten in Hundefuttern zeigte sich bei alle Zutaten eine Stärke-Verdaulichkeit von über 98 %[1].

Bruchreis, Mais und Tapioka führten dabei gegenüber Hirse, Erbsen und Linsen zu einem schnelleren Anstieg des Blutzuckerspiegels. Allerdings geht dieser Unterschied nicht nur auf die Unterschiede im Stärkegehalt, sondern auch auf den Ballaststoffanteil im Futter zurück.

Durch Mahlen und Erhitzen werden die Zucker in stärkehaltigen Zutaten für den Hund verdaulich gemacht, auch wenn der glykämische Index des ursprünglichen Vollkorns niedrig ist. Die Werbung mit niedrig-glykämischen Zutaten ist also meist Augenwischerei.

Außerdem kommt es auf die tatsächliche glykämische Last an. Auch ein niedrig-glykämisches Lebensmittel kann den Körper belasten, wenn man viel zu viel davon ist.

Um die Energiedichte eines Hundefutters nachträglich wieder etwas runterzuschrauben, werden u.U. also zusätzliche unverdauliche Ballaststoffe auf Pflanzenbasis hinzugefügt, um die Verdauung des Hundes etwas auszubremsen.

Von einem zu energiereichen Futter dürfte der Hund außerdem nur noch eine handvoll Brocken am Tag bekommen. Und natürlich müssen auch Portionsgröße und die Häufchenkonsistenz für Hund und Halter zufriedenstellend sein, damit sich ein Futter gut verkauft.

Das macht es aber auf der anderen Seite albern den hohen Energiegehalt in getreidehaltigen Hundefuttern zu bewerben, wenn man diesen ohnehin absichtlich wieder künstlich senken muss.

Getreide als „schneller Energielieferant“ ist höchstens für arbeitende Schlittenhunde und andere Hochleistungshunde interessant. Um ein normales Hundeleben zu führen und fürs normale Hundetraining braucht man wohl kaum ein energiedichtes Hochleistungsfutter mit weit über 60 % Getreideanteil.

Der Nährwert von Getreide für den Hund

Ganzes Vollkorngetreide kann neben Zucker durchaus wertige Inhaltsstoffe wie Fettsäuren, Proteine und Ballaststoffe liefern und ist in überschaubaren Mengen nicht unbedingt immer nur ein billiger, wertloser Füllstoff in Alleinfuttern.

Die Infoseiten von Futtermarken sind allerdings voller halbwahrer Behauptungen rund um Nährwert und Verdaubarkeit von Getreiden im Hundefutter.

Hier werden vor allem in unseren Augen appetitliche Lebensmittel beworben (Nudeln, Müsli, Haferflocken, Vollkorn, Naturreis, Cerealien oder Urgetreide), die sich nur bei hochwertigen Hundefuttern überhaupt auch so in der Deklaration wieder finden lassen.

Man findet aber auch Aussagen darüber, dass Mais, Weizen und andere Getreide im Hundefutter reich an Vitaminen, Fetten, Antioxidantien, Ballaststoffen oder Mineralstoffen sein sollen.

Folgt man allerdings den Ausführungen des amerikanischen Dog Food Advisor[2], bietet Getreide je nach Nährstoffgruppe im Vergleich zu Gemüse oder Fleisch bestenfalls einen mittelmäßigen Nährwertgehalt.

Das Hauptproblem: In Hundefuttern wird selten Vollkorn verwendet. In Getreidemehlen und Verarbeitungsresten sind schon viele der nährstoffhaltigen Teile des Korns (Samenschlae, Fruchtschale, Keimanlage) verloren gegangen.

Getreide ist für Hunde nur gut verdaubar, wenn es zu Schrot oder Mehl verfeinert und anschließend gekocht wurde. Beim Herstellungsweg ins Futterbrocken-Extrudat gehen viele der Nährstoffe im Getreide verloren.

Und dann mit dem Nährwert des ganzen Korns zu werben, aber nur aufbereitete Mehle, Flüssigstärke, reinen Zucker, Bruchgetreide, Kleie oder Schrot zu verwenden, ist schon arg.

Die Zutatenliste vieler Hundefutter erinnert mehr an eine Süßigkeit als an eine vollwertige Ernährung.

Ein Hinweis darauf, dass die Zutaten keine echten Nährstoffe mehr liefern, ist der Zusatz von arg vielen Vitaminen, Mineralien und anderen Nährstoffenin der Deklaration. Das ist nicht nötig bei Hundefuttern, in denen diese Stoffe tatsächlich durch die Zutaten ins Futter gelangen.

Schimmel in getreidehaltigen Hundefuttern

Suspekt ist mir Getreide im Hundefutter auch aufgrund der intransparenten Handelsbeziehungen in Drittländer. Man hat keine Ahnung, von welchen Kontinenten Getreide eingekauft wurde und wie es bis dahin gelagert und vorbehandelt wurde.

Schimmel, Pestizidrückstände und Schädlingsbefall sollen durch Qualitätsmanagement weitgehend ausgeschlossen werden. Aber ich will bei dem Futter meiner Hunde genau so wenig wie bei meinen eigenen Lebensmitteln, dass hier überhaupt minderwertige Ware verarbeitet wird.

Gerade Schimmel wächst bevorzugt auf hitzebehandelten und beschädigten Körnern in warmer Umgebung. Und man muss davon ausgehen, dass in Hundefuttern vor allem minderwertiges Getreide aus aller Herren Länder verwendet werden, um die Kosten beim Einkauf zu drücken.

Man scheint sich beim Qualitätsmanagement hinsichtlich Schimmel im Tierfutter auch einseitig auf die Festlegung von Grenzwerten für Aflatoxine der Pilzgattung Aspergillus zu konzentrieren. Diese Gruppe von Schimmelgiften gilt als nachweislich gesundheitsgefährdend und ist weltweit strengen Kontrollen unterworfen. Allerdings gibt es noch viele weiter Pilzgifte im Hundefutter.

Aspergillus sp., die Produzenten der gefürchteten Aflatoxine

Bei der Analyse von in den USA produzierten Hundefuttersorten fand man 2019 z.B. nachweisbare Spuren von Mycotoxinen (Schimmelgifte) der Gattung Fusarium ausschließlich auf getreidehaltigen Futtern, nicht aber auf getreidefreien. Bei Nassfuttern fand man keine Spuren, unabhängig vom Getreidegehalt[3].

Die gefundenen Konzentrationen lagen zwar noch unter den Grenzwerte der amerikanischen Behörden hinsichtlich akuter Giftigkeit, allerdings warnen die Autoren vor den Folgen einer möglichen  Langzeitexposition.

Ähnliche Funde wurden übrigens auch an in Österreich käuflichen Trockenfuttern gemacht[4]. Hier fand man ebenfalls Spuren der Mycotoxine von Fusarium auf einem Großteil der untersuchten Hundefutter und warnt ebenfalls vor den Risiken einer Langzeitwirkung.

Getreideallergien beim Hund

Ja, es gibt Hunde, die allergisch auf einzelne Proteine im Futter reagieren, natürlich auch auf Getreideproteine.

Aber bezogen auf die ganze Hundepopulation sind Futtermittelallergien viel seltener als man das allgemeinhin annimmt und stehen beim Hund erst an dritter Stelle hinter Flohspeichelallergie und Umweltallergien.

Und auch dann scheinen Allergien gegen tierische Proteine im Hundefutter insgesamt häufiger als Allergien gegen Pflanzenproteine vorzukommen.

Laut einer Literaturrecherche aus dem Jahr 2016 gelten Rind, Milchprodukte, Huhn und Weizen als häufigste identifizierte Auslöser für Symptome bei tatsächlich allergischen Hunden[5].

Dass Getreide und v.a. Getreideeiweiße in Einzelfällen Allergien auslösen, liegt aber vermutlich vor allem daran, dass man den Hund tagein, tagaus mit den gleichen Allergenen in Kontakt bringt.

Ein Hund, der jahrelang exklusiv Mais, Weizen und Hühnchen frisst, hat einfach ein höheres Risiko eine Futtermittelallergie gegen eine diese Zutaten zu entwickeln. Ein Hund, der Soja und Rind frisst, reagiert wahrscheinlicher auf deren Proteine.

Die Entstehung einer Allergie liegt weniger an der Qualität der Zutaten, sondern viel eher an der einseitigen Fütterung und der Treue zu einem bestimmten Markenfutter.

Das scheint auch der Grund, warum die meisten Allergiker-Hunde gegen Rind oder Geflügel und nur wenige gegen Kaninchen oder Strauß allergisch sind. Rind und Huhn sind einfach die am häufigsten verwendeten Geschmacksrichtungen in hiesigen Hundefuttern.

Abwechslung und eine gute Zusammensetzung des Futters hilft bei der Vorbeugung von Allergien vermutlich mehr als die einseitige Panik vor spezifischen Zutaten.

Können Hunde Getreide verdauen?

Eine Studie aus dem Jahr 2013 kam zu dem Schluss, dass Hunde neben weiteren Veränderungen im Verdauungs- und Energiestoffwechsel während ihrer Domestikation die Fähigkeit erworben haben Stärke durch das Enzym Amylase verdauen zu können[6].

Der „Meyer-Zentek“ beschreibt Hunde als zunehmend omnivor. Also ein Mittelding irgendwo auf dem Weg vom Fleisch- zum Allesfresser[8].

Bei Hundeprofil kannst Du mehr über die bisherigen Studien zum Thema „Hund als Fleischfresser“ nachlesen, z.B. auch, dass sich wildlebende Hunde sich nicht rein carnivor ernähren, sondern meist als Kulturfolger von Resten der Zivilisation leben.

Die Fähigkeit des Hundes Stärke zu verdauen wurde vor allem von den Herstellern von Trockenfuttern maßlos übertrieben hochgejubelt. Hunde sind deshalb noch lange keine Pflanzenfresser!

Zumal die genetische Variation hinsichtlich der Verdauungsleistung für Stärke zwischen verschiedenen Hunden erheblich schwanken kann[7].

Andersrum sind Hunde aber durchaus dazu in der Lage auch pflanzliche Bestandteile zu nutzen und davon prima zu gedeihen.

Laut der Publikation „Nutrient Requirements for Dogs and Cats“ des National Research Council in den USA (das als Grundlage für die Erstellung von Futterrezepturen herangezogen wird), kann sogar bis zu 50 % Gewichtsanteil der täglichen Ration eines Hundes aus Getreide bestehen[13].

Ja, Hunde können Kohlehydrate aus Getreiden verdauen und damit prächtig gedeihen.

Hunde sind in menschlicher Obhut entstanden und längst nicht mehr in allen Punkten komplett mit dem Wolf zu vergleichen. Und selbst der Wolf ist kein exklusiver Fleischfresser. Was für den domestizierten Hund „artgerecht“ ist, muss schlussendlich also jeder für sich selbst auslegen.

Ich für meinen Teil verteufle Getreide in der Ernährung des Hundes nicht komplett. Auch ich esse mal Sachen, die ich nicht „brauche“ und auch meine roh gefütterten Hunde werden abwechslungsreich ernährt und essen mal eine kleine Portion Reis oder Nudeln.

Und auch bei Hundekeksen schau ich nicht sooo genau hin und kaufe auch mal Produkte mit Getreideanteil oder backe selbst Hundekekse mit Getreidemehl, wenn ich alle Jubeljahre überhaupt mal die Zeit für sowas finde.

Aber so zu tun als bräuchte der Hund zwingend Kohlehydrate als wichtige Energiequelle, wie das Futtermittelverbände gerne machen, grenzt für mich an Verbrauchertäuschung.

Fakt ist: Hunde sind dazu in der Lage und willens viele unserer Lebensmittel zu essen. Getreide im´Hundefutter kann viel besser sein als sein Ruf. Das rechtfertigt aber nicht den massiven Einsatz von billigen Mischmehlen und Resten aus der Agrarindustrie als Grundnahrungsmittel.

Der Trend zum getreidefreien Hundefutter

Da der Beitrag von Getreide als Energie- und Nährstofflieferant über die Jahre einen immer größeren Anteil bei gleichzeitig sinkendem Fleischinhalt am Hundefutter annahm, wurden Hundehalter irgendwann hellhörig.

So richtig ins Rollen kam der Trend zum getreidefreien Hundefutter allerdings erst durch alarmistischen Warnmeldungen Getreide und Getreideeiweiß im Hundefutter könne nicht nur nicht artgerecht, sondern womöglich auch krankmachend sein.

Die Nachfrage an getreidefreien Futtersorten für Hunde steigt seitdem ständig an. Man hat hier mittlerweile die Qual der Wahl und kann zwischen vielen getreidefreien und glutenfreien Marken entscheiden.

Laut dem News-Portal der Heimtierfutter-Industrie„Pet Food Industry“[9] sieht man die wachsende Nachfrage nach getreidefreien Hundefuttern vor allem als Teil eines größeren Trends zur Vermenschlichung von Haustieren und der damit verbundenen Bereitschaft mehr Geld für hochwertige Produkte auszugeben.

 „Getreidefrei“ bedeutet allerdings nicht unbedingt, dass das Futter damit automatisch einen hohen Fleischanteil besitzt oder das wertige Proteinquellen und Ballaststoffe verwendet werden.

Es gibt zig getreidefreie Hundefutter, bei denen statt frischem Fleisch irgendwelche vorbehandelten Fleischmehle genutzt werden und in denen der Getreideteil einfach nur mit anderen Kohlehydraten aus Pseudogetreiden, Gemüse, Kartoffeln, Hülsenfrüchten oder „pflanzlichen Nebenerzeugnissen“ ersetzt wurde.

Und diese Zutaten sind nicht zwangsläufig gesünder im Hundefutter.

Ob ein Futter gesund und ausgewogen ist, hängt von mehr Faktoren als dem Getreideanteil ab.

 „Getreidefrei“ ist bei vielen Alleinfuttern für Hunde einfach nur ein gutes Verkaufsargument durch den Trend hin zur artgerechten Fütterung der letzten Jahre.

Denn die meisten Verbraucher schauen einfach gar nicht mehr so genau in die Deklaration, wenn vorne auf der Packung dick das Buzzword „getreidefrei“ steht.

Getreidefreie Fütterung und Herzkrankheiten

Die Tendenz zu getreidefreien Fertigfuttersorten wurde zuletzt mit der Entstehung von Herzerkrankungen (DCM) bei einzelnen Hunden in Nordamerika in Zusammenhang gebracht wurde.

Wobei die Mechanismen hinter dieser Beobachtung nach wie vor unverstanden sind.

Das Problem scheint womöglich gar nicht mit dem Fehlen von Getreide, sondern dem ersatzweisen Zusatz von Hülsenfrüchten und Kartoffeln als Kohlehydrat- und Proteinquelle in vielen dieser Futter zu liegen. Mittlerweile werden nämlich auch Futter mit Getreide und diesen Zutaten als ursächlich in Betracht gezogen[10].

Es ist bislang auch noch nicht ganz geklärt, weshalb einzelne Futter auf dem amerikanischen Markt bei manchen Hunden zur Entstehung einer DCM beitragen, man die Problematik in Europa aber nicht zu kennen scheint. Hier füttern ja schließlich auch viele Verbraucher getreidefrei.

Die amerikansiche FDA warnt vor Panikmache. Im April 2019 gab es nur 560 gemeldete Fälle bei geschätzten 77 Millionen Hunden in den USA.

Eine Untersuchung an 48 hündischen Herzpatienten (DCM) zwischen 2015 und 2018 kam zu dem Schluss, dass sich strukturelle Veränderungen am Herzen bei Hunden mit getreidefreien und getreidehaltigen Diäten unterschieden[11].

Obwohl sich kein Taurin-Mangel bei den getreidefrei ernährten Hunden feststellen ließ, verbesserten sich die kardiologischen Untersuchungsparameter mysteriöserweise durch eine Nahrungsergänzung mit Taurin.

Inoffiziell macht man deshalb zwischenzeitlich deshalb doch ein Taurin-Defizit verantwortlich: Für Hunde ist Taurin kein essentieller Nährstoff. Sie können diesen für Herz, Niere und Immunsystem wichtigen Stoff aus schwefelhaltigen Aminosäuren (Cystein, Methionin) selbst herstellen.

Als Ursachen einer Mangelernährung kommt neben der unzureichenden Zufuhr von Taurin oder schwefelhaltigen Aminosäuren auch unabsichtlich unausgewogene Rezepturen in Frage.

Einzelne Zutaten wie eben Kartoffeln oder Hülsenfrüchte und der Herstellungsprozess können die Verdaulichkeit anderer Lebensmittel im Futter beeinflussen. Das komplizierte Zusammenspiel von Futtermischungen ist dabei trotz sorgfältiger Herangehensweise scheinbar nicht immer abzusehen.

Es kommt auch in Betracht, dass einzelne Hunde unter einem bislang unerkannten Erbdefekt leiden, der ihre Verdauungs- und Stoffwechselleistung beeinträchtigt.

Auf dem amerikanischen Markt verzeichnet man durch die Verunsicherung der Hundehalter zu dem Thema bereits jetzt wieder eine vermehrte Nachfrage nach getreidehaltigen Hundefuttern oder Hundefuttern, die bereits jetzt „ohne Hülsenfrüchte“ und „ohne Kartoffeln“ vermarktet werden.

Als Ersatz für Getreide, Hülsenfrüchte und Kartoffeln kommen in diesen neuen Rezepturen verstärkt Tapioka und Kürbis zum Einsatz[12].

Fazit zum getreidefreien Hundefutter für Hunde

Hunde besitzen die Fähigkeit auch Kohlehydrate zur Energiegewinnung verdauen zu können. Hunde können nicht von Fleisch allein leben, man kann also nicht komplett auf Beilagen in der Rezeptur verzichten.

Fast noch wichtiger als die Frage nach dem Anteil von Getreiden im Hundefutter ist die Frage nach der Qualität. Hätte ich die Wahl würde ich lieber mehr hochwertige Getreide- und Vollkornprodukte füttern als auch nur ein bißchen Zucker, Flüssigstärke, pflanzliche Nebenerezugnisse oder Mischmehle zu akzeptieren.

Ein ausgewogenes getreidefreies Hundefutter ist auf jeden Fall keine schlechte gute Wahl. Wenn Du ein getreidefreies Hundefutter wählst, dann achte darauf, dass auf eine ausgewogene Protein-Zusammensetzung geachtet wird.

Vermeide Futter, bei denen „getreidefrei“ einfach nur duurch geschickte Werbung als vermeintlich artgerechtes Futter vermarktet wird, der Getreideanteil aber einfach nur durch einen hohen Anteil von anderen billigen Füllstoffen wie Soja, Kartoffeln und Hülsenfrüchten ersetzt wurde.

Achte bei getreidehaltigen Hundefuttern darauf, dass qualitativ hochwertiges Getreide mit nachvollziehbarer Deklaration verarbeitet wird und dass die Futtermittel in der Rezeptur unter europäischen Standards geerntet, verarbeitet, abgefüllt und versiegelt wurden.

Bitte handle mit gesundem Menschenverstand immer im Sinne Deines Tieres: Ein kranker Hund gehört immer zum Tierarzt! Du findest hier lediglich Erfahrungsberichte und allgemeine Informationen über Beschwerden und Symptome. Du findest hier weder Ersatz für eine individuelle tierärtzliche Beratung noch Therapieempfehlungen. Die hier präsentierten Produkte oder Aussagen sind nicht geeignet klinische Krankheitsbilder vorzubeugen, zu diagnostizieren oder zu behandeln

Quellen

[1] Effects of six carbohydrate sources on dog diet digestibility and post-prandial glucose and insulin response. Carciofi AC, Takakura FS, de-Oliveira LD, Teshima E, Jeremias JT, Brunetto MA, Prada F.J Anim Physiol Anim Nutr (Berl). 2008 Jun;92(3):326-36. doi: 10.1111/j.1439-0396.2007.00794.x.

[2] Dog Food Advisor: The Truth About Corn in Dog Food; https://www.dogfoodadvisor.com/dog-food-industry-exposed/dog-food-corn

[3] John H. Tegzes, Brian B. Oakley & Greg Brennan (2019) Comparison of mycotoxin concentrations in grain versus grain-free dry and wet commercial dog foods, Toxicology Communications, 3:1, 61-66, DOI: 10.1080/24734306.2019.1648636

[4] Böhm, J., Koinig, L., Razzazi-Fazeli, E. et al. Survey and risk assessment of the mycotoxins deoxynivalenol, zearalenone, fumonisins, ochratoxin A, and aflatoxins in commercial dry dog food. Mycotox Res 26, 147–153 (2010) doi:10.1007/s12550-010-0049-4

[5] Critically appraised topic on adverse food reactions of companion animals (2): common food allergen sources in dogs and cats. Mueller RS, Olivry T, Prélaud P. BMC Vet Res. 2016 Jan 12;12:9. doi: 10.1186/s12917-016-0633-8. PMID: 26753610

[6] The genomic signature of dog domestication reveals adaptation to a starch-rich diet. Axelsson E, Ratnakumar A, Arendt ML, Maqbool K, Webster MT, Perloski M, Liberg O, Arnemo JM, Hedhammar A, Lindblad-Toh K. Nature. 2013 Mar 21;495(7441):360-4. doi: 10.1038/nature11837. Epub 2013 Jan 23. PMID: 23354050

[7] Arendt M, Fall T, Lindblad-Toh K, Axelsson E. Amylase activity is associated with AMY 2B copy numbers in dog: implications for dog domestication, diet and diabetes. Animal genetics. 2014 Oct;45(5):716-22.

[8] Meyer, H., Zentek, J. (2013). Ernährung des Hundes: Grundlagen – Fütterung – Diätetik. Enke Verlag, Stuttgart.

[9] Petfood Industry.com: Data from GfK show 28 percent spike in grain-free petfood sales [Internet]. 2013. November 13 [cited 2018 Dec 14] Available from: https://www.petfoodindustry.com/articles/3992-data-from-gfk-show-28-percent-spike-in-grain-free-petfood-sales.

[10] U.S Food and Drug Administration: Questions & Answers: FDA Center for Veterinary Medicine’s Investigation into a Possible Connection Between Diet and Canine Heart Disease; https://www.fda.gov/animal-veterinary/animal-health-literacy/questions-answers-fda-center-veterinary-medicines-investigation-possible-connection-between-diet-and

Die amerikanische FDA hat in einem Q & A 2019 eine Liste mit den bislang gemeldeten Einzelfällen und den gefütterten Marken zusammengestellt (engl.): https://www.fda.gov/media/128303/download

[11] Darcy Adin, Teresa C. DeFrancesco, Bruce Keene, Sandra Tou, Kathryn Meurs, Clarke Atkins, Brent Aona, Kari Kurtz, Lara Barron, Korinn Saker; Echocardiographic phenotype of canine dilated cardiomyopathy differs based on diet type; Journal of Veterinary Cardiology, Volume 21, 2019, Pages 1-9, ISSN 1760-2734, https://doi.org/10.1016/j.jvc.2018.11.002.

[12] Food Industry Expert: The Rise and Fall of Grain-Free Pet Food by Krystle Morrison -October 25, 2019 (abgerufen 14.01.2020),l https://foodindustryexecutive.com/2019/10/the-rise-and-fall-of-grain-free-pet-food/

[13] Your Dog’s Nutritional Needs: A Science-Based Guide for Pet Owners (http://dels.nas.edu/resources/static-assets/banr/miscellaneous/dog_nutrition_final_fix.pdf) (based on: National Research Council. 2006. Nutrient Requirements of Dogs and Cats. Washington, DC: The National Academies Press)