Hundefutter mit Rentier

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Rentiere und die nordamerikanischen Karibus sind die einzigen mehr oder weniger domestizierten Hirsche , welche man als halbwilde Herdentiere auf der Nordhalbkugel antreffen kann. Hundefutter mit Rentier könnte als Ausweichdiät für empfindliche Hunde in Frage kommen.

Aber….aufgrund der geringen Verfügbarkeit dieses Nischenprodukts gibt es meiner Kenntnis nach kaum Hundefutter, bei denen tatsächlich nur „Rentier pur“ als einzige tierische Proteinquelle aufgelistet wird. Aller Futtersorten mit Rentier enthalten daher auch andere tierische Eiweiße u.a. vom Rind, Huhn, Wild oder Pferd.



Nassfutter mit Rentier

Es gibt kaum ein Nassfutter mit Rentier, welches nicht auch Eiweiße von anderen Tierarten enthält.

Aber es gibt Ausnahmen: In der Zusammensetzung der Sorte „Arctic Spirit“ der zooplus-Exklusivmarke „Wolf of Wilderness“ findet man ausschließlich Innereien vom Rentier und Vet-Concept verwendet in seinem Hundemenü Rentier und Kartoffel auch scheinbar nur Rentier und Kartoffeln.

WOLFSBLUT Polar Night
Getreidefreies Nassfutter mit Rentier, Wild & Kürbis
Tackenberg Nassfutter
Getreidefreies Nassfutter für Hunde mit Rentier, Rind, Steckrübe & Fenchel
Christopherus Menü mit Rentier
Getreidefreies Nassfutter mit Rind- und Rentierfleisch, Kartoffel und Zucchini
RINTI Kennerfleisch
Getreidefreies Nassfutter mit einem Anteil vom Rentier

Trockenfutter mit Rentier

Bei den Trockenfuttern ergibt sich für empfindliche Hunde ein ähnliches Problem wie beim Nassfutter, denn es gibt keine Futtersorten mit Rentier pur und somit keine praktikable Ausweichdiät für Hunde mit Allergien.

Auch hier möchte ich ergänzend das Trockenfutter „The Taste of Scandinavia“ von Wolf of Wilderness bei zooplus erwähnen, in dem neben frischem Lachs, Huhn und Meeresfisch auch Fleischknochen vom Rentier verwendet werden.

WOLFSBLUT Polar Night
Getreidefreies Trockenfutter mit Rentier, Pferd und Kürbis
Tundra Hundefutter Rentier, Forelle & Rind
Getreidefreies Trockenfutter des kanadischen Anbieters Tundra PetFoods
Bozita Sensitive Grain Free Reindeer
Getreidefreies Trockenfutter mit Hühnchen und Rentier

Rentiere und Karibus

Die Rentiere auf dem eurasischen Kontinent sowie das wilde nordamerikanische Karibu leben in riesigen Herdengemeinschaften, die auf der Futtersuche jahreszeitliche Wanderungen unternehmen.

Neben Luchsen und Bären zählen noch heute freilebende Wölfe zu den natürlichen Jägern dieser Hirsche.

Versuche Rentiere auch in anderen Klimazonen als Nutztier einzuführen scheiterten vor allem daran, dass Rentiere keine hohen Temperaturen vertragen und optimal an ein Leben in kaltem Klima angepasst sind.

Mit einer Schulterhöhe von bis zu 1,40 cm und einem Gewicht von bis zu 300 kg erreichen Rentiere ähnliche Maße wie der heimische Rothirsch.

Eine Besonderheit:

Rentiere sind die einzigen Hirsche, bei denen auch die Weibchen ein Geweih tragen. Und Rentiere und Karibus besitzen spreizbare Hufe, die etwas mehr Bodenhaftung im kalt-schlammigen Gelände bieten.

In jüngster Zeit macht der Klimawandel auch diesen Tieren zu schaffen, da Parasiten besser gedeihen und winterliche Regenfälle und Vereisungen die Futtersuche enorm erschweren können.

Durch die enorme weltweite Anzahl an Individuen sind Rentiere als Art nicht gefährdet, aber da lokale Herden und einzelne Unterarten rückläufige Bestandszahlen aufweisen, wird das Rentier in der „Roten Liste“ der IUCN als „gefährdet (vulnerable)“ eingestuft[1].

Rentierfleisch im Hundefutter

Domestizierte Rentiere leben selten als Weidetiere, sondern werden frei als halbwilde Herdentiere mit geringer Scheue vor Menschen bewirtschaftet. Zu festgelegten Zeiten werden die Herden zusammengetrieben, neue Kälber markiert und ausgewählte Tiere geschlachtet.

Rentier gilt als Wildfleisch und wird wegen seines geringen Fettgehalts mit guter Zusammensetzung gelobt. Laut Angaben der finnischen „Reindeer Herders’ Association“ handelt es sich um gesundes Fleisch mit A- und B-Vitaminen, viel einfach ungesättigter Ölsäure und einem ansonsten mit Fisch vergleichbarem Fettsäureprofil[5].

Und auch laut einer Doktorarbeit an der Universität Tromsø gilt Rentier aus Skandinavien als gesundes Exotenfleisch mit den essentiellen Fettsäuren DPA and ALA sowie viel Selen, Zinkund Eisen[6].

Hier mal ein Vergleich mit Rind und Huhn. Allerdings nur grobe Richtwerte, da es kaum Untersuchungen zum Nährwert von Rentier gibt und die Angaben wie bei allen Naturprodukten je nach Alter, Lagerung oder genauem Produkt enorm schwanken können:

Rentier RindHuhn
Protein (%)20-24 20-2224-31
Fett (%)2-4 9-19 4-14
Kalorien (kcal/100 g) >100 140-160160-260

Bedenkliche Stoffe im Rentierfleisch

Im Sommer grasen Rentiere und futtern jedes verfügbare Pflanzenmaterial, um Vorräte für den kalten Winter anzulegen. Im Winter ernähren sich Rentiere hauptsächlich von Flechten, Moosen und Pilzen.

Durch Flechten nehmen Rentiere das seltene toxische Mineral Cadmium auf und reichern es in ihrer Leber an. Ein regelmäßiger Konsum von Rentierleber sollte also vermieden werden, wird aber in der Praxis ohnehin nicht umgesetzt.

Problematisch ist vor allem, dass durch globale Luftströme in der oberen Atmosphäre kleine Partikel in nördliche Brietengrade getrieben werden. Vor allem der radioaktive Niederschlag seit dem Reaktorunglück von Tschernobyl macht sich bis heute bemerkbar.

Denn Pilze, eine Leibspeise der Rentiere, reichern das radioaktive Element Cäsium an. Und Rentiere nehmen Caesium über die Nahrung auf und lagern es in ihr körpereigenes Gewebe ein. Und in Jahren mit vergleichsweise warmen Sommern gedeihen natürlich auch Pilze besonders zahlreich, so zum Beispiel im Jahr 2014.

Seit den 1980ern müssen Rentierhalter bis heute ganz genau die Nahrung ihrer Herden kontrollieren.

Und da das bei halbwilden wandernden Herden relativ schwierig umsetzbar ist, füttert man den Rentieren mehrere Wochen vor der Schlachtung Bentonit, welches das Cäsium im Körper binden soll, bevor es im Darm aufgenommen werden kann.

Scheinbar kann eine Fütterung der Rentiere mit Bentonit die Absorptionsrate tatsächlich von 50-70 % auf unter 10 % senken[4]. Bentonit wurde für diesen Zweck unter der neuen Kennnummer 1m558i als “ Stoff zur Beherrschung einer Kontamination mit Radionukliden“ zugelassen, obwohl ein Einsatz als Bindemittel wegen des bedenklichen Aluminiumgehalts seit 2013 verboten wurde[3].

Natürlich ist man sich des Problems bewusst und in Skandinavien sorgen regelmäßige Kontrollen dafür, dass kein stark belastetes Rentierfleisch in Lebensmittel gelangt[4].

Man kann also zumindest bei Produkten vom europäischen Kontinent von Entwarnung für menschliche Konsumenten sprechen, hat ja aber bei Zweifeln die Möglichkeit für einen empfindlichen Hund zu einer der anderen Ausweichdiäten zu greifen.

Quellen

[1] Gunn, A. 2016. Rangifer tarandus The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T29742A22167140. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-1.RLTS.T29742A22167140.en. Downloaded on 16 February 2020.

[2] ÅhmanB., ForbergS., & ÅhmanG. (1990). Zeolite and bentonite as caesium binders in reindeer feedRangifer10(3), 73-82. https://doi.org/10.7557/2.10.3.834

[3] EU Verordnung Nr. 380/2012 hinsichtlich der für aluminiumhaltige Lebensmittelzusatzstoffe geltenden Verwendungsbedingungen und -mengen

[4] Arja Helena Kautto, Ivar Vågsholm & Rauni Niskanen (2017) Meat inspection of reindeer – a rich source of data for monitoring food safety and animal and environmental health in Sweden, Infection Ecology & Epidemiology, 7:1, DOI: 10.1080/20008686.2017.1340695

[5] Reindeer Herders’ Association: Reindeer Meat is Tasty and Healty; Abgerufen 02/2020 von https://paliskunnat.fi/reindeer/reindeer-food/reindeer-meat/

[6] Elisabeth Øvreberg: Reindeer meat is as healthy as fish (2013); Article from University of Tromsø – The Arctic University of Norway ; Abgerufen 02/2020 von https://partner.sciencenorway.no/agriculture–fisheries-food-forskningno/reindeer-meat-is-as-healthy-as-fish/1382454